Geniale Wortakrobatik und virtuoses Gitarrenspiel

| Do, 15. Sep. 2016

BURGDORF: Wenn die beiden Burgdorfer «Schnouzfäuer» – Wortakrobat Remo Zumstein und Musiker Michael Kuster – auftreten, kommt das Publikum in Scharen. Im Kulturschopf Steinhof begeisterten sie die Besucher/innen einmal mehr wortgewaltig und virtuos. sim

Sie jonglieren treffsicher mit Worten und Musik und haben sich längst vom Geheimtipp zum vielbeachteten Publikumsmagneten gemausert: die beiden Burgdorfer «Schnouzfäuer» Remo Zumstein und Michael Kuster. Seit vier Jahren tingelt das Duo gemeinsam durch die Deutschschweiz und war auch schon auf namhaften Bühnen zu Gast, so etwa in der Mahogany Hall in Bern.

Auch mit dem letzten Auftritt im Kulturschopf Steinhof – die «Schnouzfäuer» machen weiter, aber der «Schopf» wird Ende 2016 geschlossen – demonstrierten Wortakrobat Remo Zumstein und Gitarrist Michael Kuster einmal mehr, was man mit Sprache und Musik alles anstellen kann.

Nach dem Vorjahresprogramm «Limette spränge» luden die beiden Künstler nun zu einer zweiteiligen Revue ein: Die erste Hälfte war ein chronologisches Best-of, angefangen bei Zumsteins erstem Gedicht, von einem Neunjährigen über die Fussball-WM 1998 geschrieben, bis zu der Reimkaskade «Usem Hüsli» von 2015. Die zweite Hälfte des Abends zeigte schliesslich auf, wie produktiv und vielseitig die «Schnouzfäuer» über die Jahre geworden sind: Sie präsentierten eine Palette von Nummern, die allesamt im laufenden Jahr entstanden sind.

Der Sprachspieler mit Tiefgang…
Mit beredter Mimik und Gestik performte der Poet Remo Zumstein (Poetry-Slam-Schweizermeister 2016) etwa ein «Gedicht für alle Selbstverhinderer», führte das Sprichwort «Weniger isch meh» ad absurdum oder präsentierte die Persiflage einer politischen Rede mit Schüttelreimen und gekonnten Fehlgriffen. Die verspielte Anti-Liebeserklärung auf eine «Lady/Leidi» gipfelte in der Frage, ob es irgendwo Ohropax für die Augen gebe. Der Rap über die Besteuerung eines Poeten, das irrwitzige «Antiksonett» «The frog is in the house», aber auch der tiefgründige Rückblick auf die ersten 10 000 Tage Leben «I packe i mi Rucksack» rissen das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hin.

…und der Ausnahmegitarrist
Überaus «gschpürig» hüllte Michael Kuster (Songwriter und Saitenhexer bei «Sweetwood») einerseits die ruhi­geren Texte in ein feinfühlig gewobenes musikalisches Gewand, brachte andererseits bei den actionreicheren Sequenzen mit fetzig-stampfenden Grooves den Schopf zum Kochen und das Publikum zum Mitmachen. Kusters stilistische Vielfalt rückte auch bei der Zugabe jedes Wort ins richtige Licht und vermochte restlos zu faszinieren.

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