Starke Jubiläums-Produktion

| Di, 11. Apr. 2017

JEGENSTORF: Auch in ihrem 40. Vereinsjahr ist sich die Remise-Bühni treu geblieben und hat mit der berndeutschen Bearbeitung des Erfolgsstücks «Dr. med. Hiob Praetorius» von Curt Goetz wiederum ein starkes Stück Weltliteratur auf die Bühne gebracht. afu

Seit die Remise-Bühni Jegenstorf vor vierzig Jahren ihr erstes Stück «Biedermann und die Brandstifter» von Max Frisch zur Aufführung gebracht hat, ist sie ihrem Konzept treu geblieben, Weltliteratur in eigenen berndeutschen Bearbeitungen theatralisch umzusetzen. So hat sie auch für die diesjährige Jubiläumsproduktion ein ganz besonderes Stück ausgesucht: «Dr. med. Hiob Prätorius», eines der erfolgreichsten Stücke von Curt Goetz.

Von Höhen und Tiefen der Medizin und des Menschen
In der gewohnt überzeugenden berndeutschen Bearbeitung sind es die Kriminalistin Holmes und ihr Berater Dr. Watson, die dem merkwürdigen Unfalltod eines gewissen Dr. med. Prätorius und dessen Ehefrau nachgehen. Mit Hilfe des ehemaligen Faktotums des erfolgreichen Frauenarztes setzen sie im Verlaufe des Stücks (fast) alle fehlenden Puzzlesteine dieses ungewöhnlichen Todes zusammen. Dabei erfahren sie nicht nur, dass Prätorius Humor, Lächeln und Lachen erfolgreich therapeutisch eingesetzt hat, sondern dass er auch überzeugt war, schon bald einmal den Erreger der schlimmsten Krankheit – nämlich die Mikrobe der menschlichen Dummheit – zu finden. Holmes und Watson treffen auf die Höhen und Tiefen der Humanmedizin, aber auch auf die Abgründe der Menschen um Prätorius herum.

Überzeugende Leistung der Spieler/innen
Unter der Regie von Hans Peter Incondi haben die dreizehn Spieler/innen seit letztem Oktober dieses starke Stück, das ungeachtet seiner Entstehungszeit 1932 kaum etwas von seiner Aktualität eingebüsst hat, einstudiert. Es war spannend zu sehen, wie die Spieler/innen ihre Figuren mit kleinen Ticks und Gewohnheiten zum Leben erweckten und das, was sie sagten, mit einer durch und durch stimmigen
Körpersprache unterstrichen. Obwohl alle ihre Rollen ausdrucksreich und überzeugend mimten, seien hier doch ein paar herausragende Leistungen erwähnt. Jerry Lergier, der das Publikum als Dr. med. Hiob Prätorius mit seiner zuvorkommenden, einnehmenden und immer wieder zum Lächeln und Lachen anregenden Art in den Bann zog. Marianne Hiltbrunner, die als Feminina Holmes ihren Mann mit messerscharfem Verstand, genia­len Schlussfolgerungen – und stets durchgestrecktem Rücken stand. Walter Fankhauser, der als von sich selbst überzeugter, aber doch eifersüchtiger Rektor und Präsident des Ehrenrates überzeugte, und Roland Graf, der als Shunderson eine wahrlich unter die Haut gehende Lebensgeschichte zu erzählen wusste.

Geniales Bühnenbild
Zum Erfolg der Remise-Aufführung trug aber auch das geniale Bühnenbild bei, das sich dank klug geführter Vorhänge auf einfache Weise in alle möglichen Räume verwandeln liess. Durch witzig gelöste «Szenenwechsel-Bühnenarbeiten» blieben selbst die Unterbrüche und Umbauten zwischen den einzelnen Bildern für das Publikum unterhaltsam und spannend.
Fazit: Ein starkes Stück, eine stimmige Übersetzung und Bearbeitung des Originalstücks, eine gut durchdachte Inszenierung mit spielfreudigen und überzeugenden Spieler/innen – es lohnt sich, diese Jubiläumsproduktion der Remise zu besuchen!

Andrea Flückiger

Weitere Aufführungen: 12.4., 19.4., 22.4., 23.4., 27.4., 29.4., 30.4., 3.5., 4.5., 5.5., 11.5., 12.5., 13.5., 14.5., 17.5., 19.5., 23.5., 24.5., 30.5., 7.6., 9.6., 10.6. Beginn 20.00 Uhr; sonntags 17.00 Uhr.
Weitere Informationen unter www.remise.ch.

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