Das Schloss als Mittel- und Höhepunkt

| Mi, 23. Mär. 2016

BURGDORF: An der Vereinsversammlung der «Freude der Altstadt» machten verschiedene Redner, unter anderem Nationalratspräsidentin Christa Markwalder, klar, dass die Altstadt nur zusammen mit dem Schloss in eine vielversprechende Zukunft aufbrechen kann. red

Der Assisensaal (früherer Schwurgerichtssaal) im Schloss Burgdorf ist gut besetzt, als Ruedi Boss mit symbolischer Hilfe ganz unterschiedlicher Kopfbedeckungen die vielen vergangenen Jahrhunderte bis zum heutigen Tag mit den jeweiligen Höhepunkten des Mitte des 12. Jahrhunderts erstmals erwähnten Burgdorfer Schlosses aufzeigt. Dann übergibt er das Wort an Präsidentin Christa Markwalder, «die jetzt als höchste Schweizerin (Präsidentin des Nationalrates im Jahr 2016) auf dem höchsten Punkt von Burgdorf durch die Versammlung führt».

«Fremdherrschaft» beendet
Genau wie ihre Nachredner weist sie auf die überregionale Bedeutung des Schlosses hin, das dank der vorwärtsschreitenden Baupläne in absehbarer Zeit zu einem wirklichen «Schloss für alle» werden wird. Und erfreulicherweise nach vielen Jahrhunderten der «Fremdherrschaft» endlich den Burgdorfern gehören wird.

Die Traktanden der Vereinsversammlung werden zügig abgewickelt. Kassier Adrian Muster spricht von 50 254 Franken Einnahmen, wovon 50 000 Franken an Pro Burgdorf weitergeleitet werden. Das Vereinskapital beträgt noch 67 590 Franken. Nach der einstimmigen Décharge-Erteilung an den Vorstand dankt Vorstandsmitglied Koni Kunz allen Helfern, die am Konzept Altstadt plus mitwirken, für ihre erfolgreiche Arbeit. Auch er unterstreicht, dass «das Schloss zur Altstadt gehört und die Altstadt zum Schloss. Erfolg kann nur mit einem intakten Schloss inklusive attraktiven Angeboten erzielt werden», betont er. «Die überregionale Bedeutung ist wichtig.»

Christoph Balmer hält fest, dass «die Kyburger, die Schultheissen, die Gnädigen Herren, die Regierungsstatthalter und Richter gegangen, aber die Burgdorfer geblieben sind. Und jetzt gehört das Schloss uns.» Er kommt auf die ganz unterschiedlichen Nutzungen und geplanten Aktivitäten im künftigen Schloss zu sprechen und fragt: «Wem verdanken wir das alles? Unserer Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch, die immer an dieses Projekt geglaubt und sich dafür eingesetzt hat.» Die Anwesenden quittieren die Worte mit Applaus.

Balmer hat noch einen Vorschlag parat: «Künftig geht ein Franken vom Preis eines Burgdorfer Biers ans Schloss als CO2-Abgabe der Trinker.» Und den neuen und bereits sehr alten Mittelpunkt der Stadt – nämlich das Schloss – möchte er künftig als «städtischen Höhepunkt» bezeichnen.

Dieses Mandat behält sie
Elisabeth Zäch freut sich, dass als Präsident der Stiftung Schloss Burgdorf der Langenthaler Fürsprecher Markus Meier gewonnen werden konnte. «Ich trete bekanntlich Ende Jahr als Stadtpräsidentin zurück», führt sie weiter aus, «und werde alle Ämter mit Ausnahme desjenigen der Vizepräsidentin der Schloss-Stiftung abgeben», sagt sie. «Diesen Herzenswunsch kann ich mir weiter erfüllen.» Sie weist darauf hin, dass die zu suchenden Mitglieder des Stiftungsrates nach Kompetenzen ausgesucht und keine Alterssitze vergeben werden. Sie spricht von einem bunten Strauss an Ideen, die in der kommenden Zeit geprüft und deren beste verwirklicht werden sollen. Sie freut sich, dass die Schlossverantwortlichen auf die Partnerschaft mit Altstadt plus bauen können, denn «wir haben viele guter Geister nötig». Weiter gelte es, während der Bauzeit im Schloss ein Überbrückungsprogramm auf die Beine zu stellen, damit dieses nicht in Vergessenheit gerate.

Als Stadtpräsidentin und Vizepräsidentin der Schloss-Stiftung betont sie, dass «Burgdorf und das Schloss immer gemeinsam vermarktet werden müssen. Vergessen wir nicht, dass der Jugi-Trägerverein die neue Jugendherberge in unserem Schloss aus dem 12. Jahrhundert in insgesamt knapp 200 Ländern rund um den Globus vermarkten wird.»

Geschichtlicher Rückblick
Als Gastredner hält Dr. Jürg Schweizer, früher Denkmalpfleger des Kantons Bern, einen fundierten Rückblick auf die Entstehung und wechselvolle Geschichte des Schlosses und seine unterschiedlichen Besitzer. Als Herausgeber des Sachbuches «Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern – Die Stadt Burgdorf» hat er sich auf knapp 100 Seiten detailliert mit dem Schloss auseinandergesetzt und kann jetzt dem interessierten Publikum viel Wissenswertes vermitteln. Erste Spuren reichen in die späte Bronzezeit zurück, und auf dem topografisch einzigartig begünstigten Felsen hat bereits vor der Zeit der zähringischen Herrschaft – sprich im 12. Jahrhundert – die Hauptbauphase eingesetzt. Vorher kann man von einem «besseren Barackenlager mit Palisaden» sprechen. Es gilt als eine der grössten und imposantesten Hochadelsburgern der Hohenstaufenzeit und ist ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung.

«Auch damals waren engagierte Erbstreitigkeiten keine Ausnahme, Witwen kerkerte man ein und eignete sich ihr inzwischen erbautes Schloss an», berichtet Schweizer. Nach dem Aussterben der Kyburgerlinie 1264 geht das Schloss an Graf Rudolf IV von Habsburg und ab 1273 wieder an die Kyburger. 1384 kauft Bern das Schloss und die Herrschaft Burgdorf den ver­armten Kyburgern ab.

Es folgen im Lauf der Jahrhunderte die Schultheissen, deren Ära 1798 endet. 1798 geht die Verantwortung auf die Stadtbehörde von Burgdorf über. Von 1800 an wirkt Pestalozzi im Schloss, bevor ihn vier Jahre später der neue Oberamtmann hinauswirft. 1832 zieht Karl Schnell als erster Regierungsstatthalter hier ein. Schweizer betont «die Bedeutung der grössten Burg ennet dem Rhein als einzigartiger Residenzbau, der als erster Backsteinbau leuchtend rot schon von weitem die Bedeutung und Grösse der Besitzer signalisiert hat».

Schweizer ruft dem Publikum zu, jetzt die «Chance der Besitznahme zu ergreifen und dieses Schloss nicht mehr aus den Händen zu lassen». Das Publikum dankt mit viel Applaus. Beim anschliessenden Apéro riche und dem folgenden geselligen Teil mit King Pepe, Matto Kämpf und Marc Unternährer mit dem aktuellen Programm «Trampeltier of Love» vergeht der Abend fast zu schnell.

Gerti Binz

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