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«Kopfnuss - Köpfe im Gespräch» mit Ueli Maurer und Christoph Simon

Mo, 11. Feb. 2019

BURGDORF: Bundespräsident Ueli Maurer sowie Kabarettist und «Salzburger Stier»-Preisträger 2018 Christoph Simon gaben sich im Stadthaus die Ehre. Das angeregte Gespräch moderierte Georges Wüthrich. ra 

Der Stadthauskeller in Burgdorf ist übervoll. Interessierte von nah und fern wollen sich das Zusammentreffen von Politik und Kabarett nicht entgehen lassen. Zahlreiche Einheimische aus den verschiedensten politischen Parteien sind unter den Gästen auszumachen. Es ist Freitag, 8. Februar 2019. Per Videoeinspielung wird ein Ausschnitt aus der Neujahrsansprache des Bundespräsidenten 2019 gezeigt. Darin fordert Maurer unter anderem auf, etwas mehr Spass zu haben. Ebendieses Wort «Spass» ist das Stichwort für Moderator Georges Wüthrich, die Gesprächsrunde zu eröffnen.

Von Feiern und Bieren
Sie war ganz anders – die Neujahrsansprache –, im Büro gehalten, nicht auf einem Berg. Auch das Bundesratsfoto, nicht von Profis geschossen, sondern von Lernenden des Bundesamtes für Kommunikation erstellt. «Und e Fyr hesch au nid gmacht», so Georges Wüthrich zu Maurer. Er sei bereits dreimal gefeiert worden (Kantonsratspräsident, Bundesrat, Bundespräsident 2013). Einmal sei genug, entgegnete der Magistrat. Zudem belaste es immer die Kasse. Allein der Extrazug nach Hinwil hätte 100 000 Franken gekos­tet. Stattdessen habe er für «seine» Hinwiler einen Neujahrsapéro ausgegeben. Selbstverständlich sei er Feiern aber grundsätzlich nicht abgeneigt. Und Burgdorfer Bier, welches zum Gespräch gereicht wurde, gehöre zu den besseren…

Generation «Ha ke Ahnig»
«Wenn dii Frage stresse wie ‹No es Ching?›, ‹Ja, aber mit wäm?›, ‹Doch mau es politisches Amt?›, ‹Ja, aber bi wäm choufe?›…», dann gehörst «du» wahrscheinlich zur Generation «Ha ke Ahnig». Das zumindest ist die Ansicht von Christoph Simon. Mit dem Sinnieren über «Wär bini?» startete er in den Abend. Der dreifache Familien­vater ist Gewinner des «Salzburger Stiers 2018» (renommiertester Kleinkunstpreis im deutschen Sprachraum) und zweifacher Schweizer Meister im Poetry-Slam (2014 und 2015). Seine Romane und Texte wurden in neun Sprachen übersetzt und mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Übrigens: Die «Generation Kollegialitätsprinzip» antworte auf die Frage nach der Lieblingsfarbe mit: «Rägeboge – all die unharmonische Farbe, wo trotzdäm so friedlich ‹mitenang näbenang› existierä.»

«Ich liis chuum Zytig»
Als Maurer Bundesrat geworden sei, hätten ihm viele die Amtsführung nicht zugetraut, rief Moderator Georges Wüthrich in Erinnerung. Auch das Wahlergebnis sei damals, im Jahr 2008, sehr knapp ausgefallen. Im Gegensatz zu letztem Dezember: 201 von 209 Stimmen. «Nordkoreanisch…», so Wüthrich. Auch er ist kein unbeschriebenes Blatt, war er doch langjähriger Bundeshausredaktor, gehörte der Gründungsredaktion der «SonntagsZeitung» an und verfasste das Buch «Dölf Ogi – So wa(h)r es!». – Die Parlamentarier seien bei der letzten Wahl einfach gut aufgelegt gewesen, entgegnete Maurer. Zudem versuche er, so zu politisieren, «dass man mich versteht». Für viele sei er im Verlauf der Jahre berechenbar geworden. «‹Handlanger vom Blocher›, hat dich diese Aussage in der Satiresendung von Giacobbo/Müller geschmerzt?», wollte Wüthrich wissen. Er habe sie sich nie angesehen. Sowieso habe er es nicht so mit den Medien. «Ich liis chuum Zytig und Fernseh hani nie äine gha.»

Vom «Burebueb» zum Bundesrat
Faktisch gesehen stimme die Aussage, der Erfolg der SVP seit 1972 sei Blocher zu verdanken, sowieso nicht, hat Maurer doch während seiner Präsidentschaft 600 lokale SVP-Sektionen und 12 Kantonalparteien gegründet, liess Wüthrich verlauten. «Ja, das hätte Blocher nicht gekonnt», stimmte ihm Maurer zu. Blocher sei der erfolgreiche Industrielle und er der Bauernbub mit sechs Kindern. Kabarettist Christoph Simon wurde bei der Zahl 600 hellhörig und fragte, ob zuerst noch Gemeinden gegründet oder sogar Gebiete erobert werden mussten… Ausschlaggebend für den Erfolg sei damals der EWR respektive die Stimmung dagegen gewesen, klärte Maurer auf.

Von «Fröilein» Nicole zu Lokalmatador Merz
Auch der «Reset»-Knopf von Ignazio Cassis, das Rahmenabkommen mit der EU, der Brexit, die neuen Bundesrätinnen Amherd und Keller-Sutter, das ausgezeichnete Finanzergebnis des Jahres 2018, das gestern Montag publik gemacht wurde: Das und vieles mehr wurde ebenfalls angesprochen. Der Burgdorfer Adrian Merz führte das mehr oder weniger amtliche Protokoll, das er poetry-slam-mässig wiedergab und «Fröilein» Nicole D. Käser von der Agentur für ansprechenden Unfug servierte das Burgdorfer Bier und zog sämtliche Fäden im Hintergrund. Der sehr wohlerzogene Christoph Simon konnte sich bei Maurers Schwärmerei über die Armee zurückhalten und Maurer gab auf die Schlussfrage von Wüthrich: «Was gisch dim Nachfolger im Jahr 2031 mit uf e Wäg?», die spontane Antwort: «Spare!»

Barbara Schwarzwald

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