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Hunderte Kunstfreunde feiern mit dem Künstler

| Mi, 13. Mär. 2019

BURGDORF: Geschätzte 500 Personen haben zwei Tage nach dem 89. Geburtstag von Franz Gertsch die Einweihung des Erweiterungsbaus vom Franz Gertsch Musem gefeiert. zvg

So alt und doch so jung und voll Schaffensdrang: so präsentiert sich der Künstler Franz Gertsch am Sonntagvormittag erst den geladenen Gästen und am Nachmittag anlässlich der offenen Museumstür dem interessierten Publikum. Und das kommt in Scharen aus Burgdorf und Umgebung sowie aus der ganzen Schweiz. Zahlreiche bekannte Gesichter aus Kultur und Wirtschaft, Politik und weiteren Bereichen erweisen dem rüstigen Jubilar und dem beeindruckenden Erweiterungsbau des international angesehenen Museums die gebührende
Ehre.

In Ruhe geniessen
Erstaunlich für einen so bedeutenden Anlass ist die gelöste, ja heitere Atmosphäre. Keine Eile, kein Geschiebe, später kein Gedränge an den Apérotischen. Offensichtlich strahlen die grossflächigen Werke von Franz Gertsch die in hektischer Zeit so wohltuende Ruhe auch an diesem Tag trotz der vielen Menschen in den Museumsräumen aus.
Die geladenen Gäste kommen am Vormittag zu einem Rundgang mit Erklärungen in den einzelnen Museumsräumen und den hier platzierten Werken. Am Nachmittag treten Arno Stein, geschäftsführender Direktor, gefolgt von Martin Sturm, federführender Architekt, und Bundesrätin Simonetta Sommaruga ans Mikrofon. Kuratorin Anna Wesle hält die Schlussrede. Dann verteilen sich die vielen Hundert Personen auf die einzelnen Räume und begeben sich auf Erkundungstour.
Die Crew des «artcafé» hat die kulinarischen Köstlichkeiten für die Besucherscharen erst als Stehapéro und später als Imbiss in allen Räumen bereitgestellt.

Seine Sprache gefunden
Während Direktor Stein hauptsächlich allen für das gute Gelingen des Bauwerkes seinen Dank ausspricht, erwartet Architekt Sturm vom Publikum «Gwunger» bezüglich des Bauwerks und der Gertsch-Werke, also Neugier. Die während Jahren entstandenen Werke «Frühling, Sommer, Herbst und Winter» zeigen Wachstum, Mythen und Vergänglichkeit auf einzigartige Weise. Das neueste Werk «Pestwurz» ist jetzt erstmals zu bewundern. «Franz Gertsch hat seine Sprache gefunden», schliesst Sturm.
Bundesrätin Simonetta Sommaruga macht ihre Verbundenheit mit Gertsch und dessen Ehefrau Maria – genau wie alle Vorredner – deutlich, indem sie unter anderem darauf hinweist, dass sie in ihrem Präsidialjahr als Bundespräsidentin Gertschs Werk «Schwarzwasser» mehrfach als offizielles Staatsgeschenk überreicht hat. Des Künstlers Arbeitsweise, sich Zeit zu nehmen, Umwege zu gehen, innezuhalten und trotzdem das Ziel nie aus den Augen zu verlieren kann oftmals als Inspiration dienen, erläutert sie: «Seine Werke sind etwas vom Besten, das unser Land hervorbringt.»
Kuratorin Anne Wesle fällt die dankbare Aufgabe zu, die einzelnen Schaffenszeiten des Künstlers detailliert zu erläutern und auf die oft überraschenden Feinheiten und Details seiner Werke hinzuweisen, die während ihrer Entstehung schon die Fortsetzung bei weiteren Themen vorwegnehmen.

Ohne Mäzen kein Museum
Die Handschrift von Architekt Sturm beim architektonisch überzeugenden Museum Franz Gertsch ist gut sichtbar; jetzt zeichnet er mit seinem Team verantwortlich für den Erweiterungsbau. Zusammen mit Hansueli Jörg hat er seinerzeit den Wettbewerb für den Museumsbau gewonnen und kennt entsprechend gut den Künstler Franz Gertsch und Mäzen Willy Michel, der dank seines finanziellen Engagements die beiden Bauwerke und letzthin den Verbleib des vierteiligen Zyklus «Die vier Jahreszeiten» im Museum erst möglich gemacht hat.
«Gertsch hat sich für den Verbleib von ‹Die vier Jahreszeiten› in Burgdorf einen eigenen Raum ausbedungen, der nun mit dem eingeweihten Erweiterungsbau von 15 m Länge, 11 m Breite und 5 m Höhe realisiert worden ist», führt Sturm aus. Die Absprache sei bei Mondschein mit einem Handschlag zwischen Gertsch und Michel besiegelt worden.
Sturm erläutert die für den Erweiterungsbau zu lösenden baulichen Probleme. Die erste Idee einer unterirdischen Erweiterung wird schnell verworfen, neu rückt der Platz des ehemaligen Milka-Stöckli ins Visier: teils ober-, teils unterirdisch mit einem direkten Zugang vom Zentralraum des Museums her. «In diesem Zusammenhang muss man auch den Oberbau mit den hier angesprochenen ‹Vier Jahreszeiten› sehen», erläutert Sturm.

Einmalige Sonnenuhr
Und dann wäre da noch die Sache mit der Sonnenuhr, die auf grosses Interesse beim Publikum stösst. «Die Flächen oberhalb des Erweiterungsbaus sind strikt nach Nord-Süd ausgerichtet», erläutert Sturm. «Wenn die Sonne am höchsten im Zenit steht, gibt die steilste Fläche die Referenz für den längsten Tag. Genau an diesem Tag liegt die Fläche in der Sonne – wenn sie denn scheint. An allen anderen 364 Tagen steht die Sonne tiefer, folglich liegt diese Fläche im Schatten. Umgekehrt verhält es sich mit der flachsten Fläche Richtung Lyssachstrasse; das ganze Jahr wird sie von der Sonne beschienen, nur nicht am kürzesten Tag des Jahres.»
Sturm ist schon gespannt, wie oft künftig Personen vor dem aussergewöhnlichen Bauwerk stehen bleiben und den Sonnenschein kontrollieren werden. Am 21. März 2019 kann der Wechsel in der Besonnung nachvollzogen werden. Die Ausstellung «Frühling, Sommer, Herbst und Winter» dauert noch bis 18. August 2019.

Gerti Binz
 

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