Ausnahmesommer 2020?

| Di, 04. Aug. 2020
Beliebtes Naherholungsgebiet, die Emme

Burgdorf: Passanten und Passantinnen verglichen den Sommer 2020 mit vergangenen Sommern. Ihre Einstellungen zum Thema Ferien und Corona waren unterschiedlich. Einigkeit zeigten sie darin, dass die Schweiz einmalige Reisemöglichkeiten bietet. hkb

Heidi: Dieser Sommer fühle sich nicht wirklich an wie ein normaler Sommer. Sie leide unter den Vorschriften des Bundes und der Kantone, welche mit ihrer Angstmache die Freude am Sommer verderben. Sie stört sich nicht nur an der Maskenpflicht, sondern auch daran, dass die meisten Leute keine Nähe zulassen. Zudem ist sie überzeugt, dass Kleinkinder, welche ihre Eltern im ÖV mit einer Gesichtsmaske erleben, Angst haben und befürchtet, dass diese psychisch traumatisiert werden. Mit den strengen Vorschriften würden Senioren/-innen ihrer Menschenwürde beraubt. Man schliesse sie ein und nehme ihnen die frische Luft zum Atmen. So könne man den Sommer nicht geniessen. Sie versuche, sich an kleinen Dingen zu freuen, am Singen, am Garten und beim Schwimmen.

Esther und Paul: Die beiden verbringen ihre Sommerzeit nicht anders als normalerweise. Es gefällt ihnen in der Schweiz, denn das Reisen im eigenen Land sei unkompliziert, schon der Sprache wegen. Sie wandern gerne oder geniessen die warmen Tage an der Emme, gelegentlich mit ihren Grosskindern. An diesem Tag sind drei Enkelinnen bei ihnen. Eine davon lebt in Frankreich. Die Besuche bei den französischen Angehörigen haben Esther und Paul während dem Lockdown gefehlt.

Manuela: Manuela ist die Tochter von Heidi: Die beiden sind sich in ihrer Beschreibung des Corona-Sommers einig. Manuela fragt sich, wie junge Menschen andere Leute kennenlernen können, wenn sie Masken tragen müssen. Dabei sei bewiesen, dass Masken nicht schützen und das Wachstum von Schimmelpilzen begünstigen. Sie vertritt die Meinung, dass der Bundesrat vor allem politisch entscheide und nicht aus medizinischen Gründen. Ihren Geburtstag habe sie knapp vor der Maskenpflicht im ÖV bei einer Schifffahrt genossen. Schifffahrten mit Maske seien nämlich ein «No-Go». Es sei schwierig, sich über den Sommer zu freuen, wenn überall Plakate an die Pandemie erinnern. Gerne würde sie ihre Angehörigen in Amerika wiedersehen, doch die Gebote und Verbote zerstören ihre Reisefreude. «Immerhin sind die Brockenhäuser wieder offen, denn ich habe mir dort einen Sommerhut gekauft.» Dieser gehöre zu den kleinen Freuden, genauso wie Tätigkeiten zu Hause: das Singen, Zeichnen und der Garten.

Tima: Sie spielt mit ihren Kindern im Stadtpark. Normalerweise fährt sie ans Meer, meist nach Kroatien. Dieses Jahr haben sie und ihre Familie aufgrund von Corona darauf verzichtet. Sie fuhren lediglich nach Bosnien, um Verwandte zu besuchen. Sie ist erleichtert, dass ihnen die Quarantäne erspart blieb. Nächstes Jahr möchte sie im Sommer wieder ans Meer fahren.

Res und Vito: Res geniesst die langen Sommertage. Als Frühaufsteher arbeitet er jeden Morgen, bevor er mit seinem Hund Vito auf einen zweistündigen Spaziergang geht. Am Nachmittag unternimmt er Veloausflüge in der Region. Er fährt ins Solothurnische, in die Hügel des Emmentals oder Richtung Bern. Danach trifft er sich mit Freunden zum Apéro. Der Corona-Sommer bringe keine grossen Veränderungen bezüglich Ferien. Den Campingurlaub haben sie abgesagt und dafür eine Ferienwohnung gemietet. Res hat Respekt vor dem Virus und befolgt die Vorschriften. Die Einschränkungen des sozialen Lebens seien in seinem Alter jedoch weniger bedeutend als bei Jungen.

Sarah: Sie ist Mutter von zwei kleinen Kindern. Das Alter der Kleinen ist mit ein Grund, warum die Familie keine zu langen Reisen unternimmt. Ihre Frühlingsferien in Zypern wurden abgesagt. Durch die Unsicherheiten, die Corona mit sich brachte, haben sie sich für ein sicheres Ferienziel entschieden. Eine Woche werden sie in Österreich verbringen, eine zweite in Disentis. Diese Einschränkungen trüben ihre Sommerlaune jedoch keinesfalls.

Ursula: Sie empfinde den Sommer 2020 wegen Corona anders als andere Sommer, was wohl vor allem mit ihrer Arbeit im Altersheim zu tun habe. Dort werde einem die veränderte Situation täglich vor Augen geführt. Normalerweise reist Ursula in den Frühlings- und Herbstferien in südlichere Länder Europas, doch dieses Jahr fiel der Frühlingsurlaub in Italien ins Wasser. Sie nutzte die warmen Tage für Ausflüge in der Umgebung. Sie wandert gerne und beschreibt das Emmental als vielseitiges und attraktives Naherholungsgebiet, das nicht von Touristenströmen überlaufen ist. Sie geniesst die ruhigen Stunden zu Hause, wo sie ohne jede Hektik viele Dinge des Alltags erledigen kann.

Stephanie und Adrian: Ihre geplanten Frühlingsferien auf Korsika wurden abgesagt, darum haben sich die beiden entschlossen, ihren Sommerurlaub in der Schweiz zu verbringen. Sie freuen sich auf ihre Velotour von Genf nach Schaffhausen. Davor unternahmen sie Ausflüge ins Wallis oder haben die BZ-Schatzsuche in Burgdorf genossen. Sie seien offener für die schönen Ecken in unserem Land und wollen auch weiterhin hier Ferien oder Wochenendausflüge machen, womit Auslandreisen nicht ausgeschlossen sind.

Jefferson: Als Kind spanischer Eltern erlebte er seine Kindheit in Venezuela. Vor zehn Jahren verliess er die Heimat und ist seither von Land zu Land gereist, hat als Koch in ungefähr zweihundert Restaurants gearbeitet. Seit neun Monaten lebt er in Burgdorf und bezeichnet diese Stadt als Ferienort. Er selbst mache aber niemals Ferien, obwohl er über arbeitsfreie Zeit verfüge. «Life is holiday», meinte er schmunzelnd. Er arbeite, um zu überleben. Seit Corona sei nicht nur das Reisen beschwerlicher, sondern auch das Finden eines Arbeitsplatzes als Koch. Aber er lebe mit den Gegebenheiten, denn Zufriedenheit finde er nur in sich selbst.

Gabriela*: Sie verbringt den Sommer zu Hause und geht ihrer Arbeit nach. Der Grund dafür ist nicht Corona, sondern ihre finanzielle Situation, die Ferienreisen nicht zulässt. Sie verbrachte eine Woche in ihrer ehemaligen Heimat, der Ukraine. Der Grund ihrer Reise war traurig, ein Todesfall in der Familie. Normalerweise besucht sie ihre Angehörigen alle drei bis vier Jahre.  *Name der Redaktion bekannt

 

Interviews: Helen Käser

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