Ostasiatische Schätze in Burgdorf

| Fr, 26. Okt. 2012

BURGDORF: Im Rahmen des Projekts «Zaigai Hiho» wird in Schweizer Museen nach Kunstwerken aus dem ostasiatischen Raum gesucht. So auch im Museum für Völkerkunde Burgdorf, wo die Präsenz Ostasiens bisher unbeachtet blieb. red

Zerbrechliche Keramik, erlesene Malerei, beeindruckende Waffen hoher Herren und Toilettenkästchen feiner Damen – wer hätte gewusst, dass sich solche Schätze im Depot des Museums für Völkerkunde in Burgdorf verstecken?
Bisher waren diese aussergewöhnlichen Kunstgegenstände im Magazin des Museums verborgen und die Präsenz Ostasiens in Burgdorf blieb unbeachtet. Dies soll sich jedoch ändern: Vergangene Woche haben zwölf Studierende des Kunsthistorischen Instituts der Universität Zürich unter der Leitung von Prof. Dr. Hans Bjarne Thomsen zu Forschungszwecken dem Museum für Völkerkunde einen Besuch abgestattet. Im Rahmen des Projekts «Zaigai Hiho – Hidden Treasures Outside East Asia» wird in Schweizer Museen nach Kunstwerken aus dem ostasiatischen Raum gesucht. Geplant ist ein mehrjähriges Projekt zur Erfassung und Publikation ostasiatischer Kunst in der Schweiz, ein Forschungsvorhaben, das auch von Experten aus den USA und aus Südkorea begleitet wird.
Auch der Bestand des Völkerkunde-Museums, das Objekte aus China, Japan und Korea beherbergt, wird aufgenommen. Dabei hat sich herausgestellt, dass das Museum etliche Werke von ausserordentlicher Qualität besitzt, die in der Schweiz, teilweise gar europaweit, einmalig sind. Am vergangenen Donnerstag haben nun fortgeschrittene Studenten des kunsthistorischen Instituts der Universität Zürich mit der Bestandesaufnahme dieser Kostbarkeiten begonnen. Sie vermessen die Gegenstände, bestimmen das Mate­rial, beschreiben spezifische Merkmale und Details der Objekte, konsultieren die Inventarlisten des Museums und fotografieren ihre Untersuchungsgegenstände.
Unter den Kostbarkeiten, die im Depot zu sehen sind, befindet sich beispielsweise auch ein Kyungdae, eine koreanische Toilettenbox, die im 19. Jahrhundert entstanden ist. Es handelt sich hierbei um eine Lackarbeit, die mit glänzenden Perlmutt-Einlagen und filigranen Eingravierungen geschmückt ist und vermutlich zur Aufbewahrung von Schminke, Schmuck und kleineren Accessoires gedient hat. Toilettenkästchen waren wichtige Besitztümer der gehobenen koreanischen Damen, und die Tatsache, dass etliche Symbole wie etwa der Kranich oder die Schildkröte sich auf ein langes Leben und Glück beziehen, könnte auf den Zweck als Hochzeitsgeschenk hinweisen.
Diese bemerkenswerte Sammlung ostasiatischer Kunst im Völkerkunde Museum Burgdorf, für welche die Co-Leiterinnen Erika Bürki und Alexandra Küffer zuständig sind, verdient auf jeden Fall mehr Beachtung. Und genau dieses Ziel verfolgt das Projekt auch: Es soll Aufmerksamkeit geschaffen werden für eine wirklich aussergewöhnliche Ansammlung von Kunstgegenständen. Neben der wissenschaftlichen Forschung wird auch noch ein weiteres Vorhaben angestrebt: Die japanische Botschaft feiert im Jahr 2014 «150 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen der Schweiz und Japan». Zu diesem Jubiläum ist in Burgdorf eine Ausstellung vorgesehen, die anhand der ethnographischen Exponate die vielfältigen Beziehungen zwischen der Emmestadt und dem ostasiatischen Raum aufzeigen soll. Damit würden die Stadt Burgdorf und das Museum für Völkerkunde in ein Netzwerk von Veranstaltungen eingebunden, die 2014 in der gesamten Schweiz stattfinden werden. Es würde sicherlich eine Ausstellung werden, die es sich zu besuchen lohnt.

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