Gast-Kultur in der Fabrik Burgdorf

| Mo, 25. Aug. 2014

BURGDORF: Alljährllich lebt und arbeitet eine kunstschaffende Person für drei Monate im Gastatelier der IG Kultur in der Fabrik. Der diesjährige Gast, Johanna Jaeger (Berlin), stellte ihre Arbeiten, die zum grossen Teil hier entstanden sind, vor. hkb

Bilder mit einfachen Sujets, meist aus dem Alltag, zieren Wände, Tische und den Boden der Ateliers. Hier hat die Künstlerin Johanna Jaeger während drei Monaten gearbeitet. Sie lebte während dieser Zeit im Winterquartier des Zirkus Wunderplunder, das jeden Sommer in Zusammenarbeit mit der Stadt Burgdorf als Gastatelier zur Verfügung gestellt wird. Mit einem Dossier bewerben sich jährlich zwischen dreissig und vierzig Kunstschaffende um dieses Gastrecht.

Zur Präsentation der Arbeiten von Jaeger begrüssten die Künstlerin Ursula Jakob und die Kulturbeauftragte der Stadt Burgdorf, Jana Ulmann, die Gäste.

Experimentelle Künstlerin
Johanna Jaeger, geboren 1985 in Heidelberg, absolvierte ihr Studium der Bildenden Kunst in Montpellier, Berlin und New York. Sie selber bezeichnet sich nicht als Fotografin, sondern als experimentelle Künstlerin, die mit einem speziellen Bezug zum Raum arbeitet. Sie sieht ihre Arbeit als Analyse ihres Umfeldes. Objekte und Räume, die sie umgeben, sind ihr Material, das sie mithilfe einer Kamera darstellt. Sie nutzt den Unterschied zwischen der Wahrnehmung der Kamera und derjenigen unserer Augen. Dadurch wird die Relativität unseres Sinneseindruckes thematisiert. Sie verändert Räume und verwandelt durch skulpturale Eingriffe einzelne Gegenstände zu Protagonisten.

Die gewählten Sujets machen den Betrachter glauben, er stehe vor einem Gemälde, vor einer Zeichnung mit klaren Linien und strukturierten Formen. Doch es sind Fotografien, die man in ähnlicher Form kaum zu Gesicht bekommt, alles analog fotografiert, ohne digitale Bearbeitung. Eine ihrer Arbeiten heisst «Magic Rub». Sie zeigt einen schwarzen Hintergrund mit weissen Punkten und feinen Splittern und wirkt wie eine Sternenkarte. Es sind die Reste eines Radiergummis, der komplett «ausradiert» wurde. Ein anderes Werk nennt sich «Weiss-Schwarz» und zeigt einen weissen Tropfen auf weissem Hintergrund. Die Künstlerin spielt mit den Sujets, den Formen, dem Licht.

Jaeger fühlte sich äusserst wohl im Gast­atelier. Sie rühmte die gute Atmosphäre am Arbeitsplatz, den Umgang mit den anderen Kunstschaffenden. Sie bewegt sich gerne in der Stadt Burgdorf, die sie als äussert lebendigen und attraktiven Ort erlebt, und geniesst Ausflüge in die Umgebung, die einfach einmalig sei. Noch bis Ende August wohnt und arbeitet Jaeger in Burgdorf.

IG-Kultur in der Fabrik
Das von der «IG-Kultur in der Fabrik» betriebene kulturelle Zentrum beherbergt zwölf Ateliers und Werkstätten von unterschiedlicher Grösse. Die ehemalige Elektromotorenfabrik wird genutzt von Freischaffenden aus den Bereichen Kunst, Gestaltung und Handwerk. Neben dem Winterquartier des Zirkus Wunderplunder gibt es zusätzlich einen Ausstellungsraum. Die IG-Kultur in der Fabrik stellt Kulturschaffenden in der Region Bern, Burgdorf, Emmental eine Infrastruktur zu günstigen Bedingungen zur Verfügung. Ausserdem veranstaltet sie Performances, Konzerte, Lesungen und Essen im Rahmen des jährlichen Fabrikfestes, das dieses Jahr am 13. September stattfinden wird.

Helen Käser

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