Insekten- Wunderwelt vor der Haustüre
06.11.2017 Aktuell, Bildung, Burgdorf, GesellschaftNach der Begrüssung durch den reformierten Pfarrer Frank Naumann sprach Professor Dr. Christian Kropf aus Bern zum Thema «Insekten – Wunderwelt vor der Haustüre». Der Bereichsleiter für wirbellose Tiere des Naturhistorischen Museums Bern konnte mit seiner Affinität für Insekten das Publikum fesseln. Sein Vortrag enthielt neben faszinierenden, wissenschaftlichen Details auch Geschichten, die im Zusammenhang mit diesen Winzlingen stehen.
Die einen lieben sie, die andern ekeln sich davor, und doch leben sie in unmittelbarer Nähe der Menschen. Die Insekten sind mit ungefähr einer
Million bekannter Typen die artenreichste Tierart, Schätzungen zufolge machen sie 80 Prozent aller Tiere aus. Sie sind wichtig für die Natur – auch für uns Menschen – und darum stimmt es bedenklich, dass 76 Prozent ihrer Biomasse in den letzten Jahrzehnten verschwunden sind.
Kropf sprach über einzelne Insekten, wie beispielsweise die Malariamücke, die das gefährlichste Tier der Welt sei, weil sie am meisten Todesfälle verursache. Er zeigte Bilder von Kopf-, Kleider- und Schildläusen, die sich in ihrer Evolution stets den Gegebenheiten angepasst hätten. Das älteste gefundene Insekt sei über 410 Millionen Jahre alt. Insekten haben sechs Beine und meist zwei Flügelpaare und ihr Körper wird eingeteilt in Kopf-, Brust- und Bauchteil.
Die Entwicklungsstufen vom Ei über die Raupe zur Puppe und schliesslich zum Schmetterling sind meist bekannt, aber dass andere Insekten wie die Heuschrecke als kleines Tier aus dem Ei schlüpft und seine äusserliche Form nur noch in der Grösse ändert, bis es zum geschlechtsreifen «Heugümper» wird, erstaunte viele.
Die Käfer sind die artenreichsten Insekten mit 380 000 Spezies
Bekannt und unbeliebt sind die Kartoffelkäfer, die in den 1950er-Jahren zu den schlimmsten Schädlingen gehörten. In der DDR seien bis 50 Prozent der Ackerflächen von ihnen bedroht gewesen. Man hätte sie von Hand abgelesen, eine mühselige Arbeit.
Marienkäfer, oder «Himugüegeli», wie sie liebevoll genannt werden, bringen Glück, sagt man. Sie sind Nützlinge, die gerne in der biologischen Landwirtschaft eingesetzt werden. Leider sind einheimische Arten gefährdet durch einen importierten Marienkäfer aus Asien, der unsere Marienkäfer frisst.
Der Maikäfer legt seine Eier in die Erde, wo sie sich zu Engerlingen entwickeln und mit dem Frass von Wurzeln ganze Felder zerstören können. Bei dieser Erzählung kamen den Bewohner/innen Erinnerungen hoch. «Als Kinder gingen wir am Morgen früh mit der ganzen Schulklasse los, schüttelten die Bäume und lasen danach die Maikäfer vom Boden auf. Dafür gab es ein Entgelt in die Schulkasse», meinte eine Bewohnerin beim Zvieri, das nach dem Vortrag offeriert wurde. Diese Maikäfer-Sammelaktionen seien beliebt gewesen, meinte eine andere. Ärmere Leute hätten aus den Maikäfern sogar eine Suppe zubereitet, ergänzte Kropf und las das Rezept vor. Das Essen von Insekten ist also keine Neuerfindung. In vielen andern Kontinenten zählen Insekten als Leckerbissen.
Helen Käser

