Eine Idee, die hoffentlich Nachahmer findet

| Di, 22. Mai. 2018

RÜDTLIGEN-ALCHENFLÜH: Am 17. Mai 2018 fand in Rüdtligen-Alchenflüh ein Informationsanlass über die Dorfpolitik statt, der sich speziell an die «Generation Y» richtete. Ziel war es, der jüngere Generation die Dorfpolitik zu veranschaulichen und zukünftige Interessenten zu suchen.red

Der 47-jährige Marco Meyer, Moderator und Initiator des Informationsanlasses vom 17. Mai 2018 im Gemeindesaal in Rüdtligen-Alchenflüh, hatte sich mehr Interessierte erhofft. Von den im Vorfeld zweimal angeschriebenen 480 stimm- und wahlberechtigten jungen Menschen der «Generation Y» waren wenige der Einladung gefolgt. Doch diese kleine Anzahl Interessierte wartete mit prüfenswerten Vorschlägen für eine neue Dorfpolitik auf. Am 25. November 2018 stehen Gemeindewahlen an. Gewählt werden an der Urne (nach neuem OgR 2018) lediglich ein/e Gemeindepräsident/in (bisher Gemeinderatspräsident genannt) und vier Gemeinderatsmitglieder. Am 5. Dezember 2018 werden ebenfalls nach neuem OgR 2018 an der Gemeindeversammlung ein/e Versammlungsleiter/in und ein/e Vizeversammlungsleiter/in (bisher als Gemeindepräsident bezeichnet) bestimmt. Für die übrigen Funktionen in der Gemeinde wird der neue Gemeinderat selber Personen wählen.

«Generation Y»
Die in den Jahren 1981 bis 1995 Geborenen gehören der «Generation Y» an. 29 Prozent der arbeitenden Bevölkerung zählen dazu. Diese jungen Menschen geben als Ziele Freiheit und Flexibilität an. Sie sind «Digital Natives», arbeiten mit Organisationen, aber nicht für Organisationen, nutzen Tablets, Smartphones und ihre bevorzugte Kommunikation erfolgt online und per SMS. Als «Generation X» werden die 1961 bis 1980 Geborenen bezeichnet (35 Prozent). Sie sind die «Digital Immigrants». Ihre Karriere bezieht sich auf den Beruf, nicht mehr auf den Arbeitgeber, während die «Baby Boomers» (1945 bis 1960) mit 33 Prozent Anteil an der arbeitenden Bevölkerung ihre Karriere in einem Unternehmen vorantrieben respektive -treiben. Ihre bevorzugte Kommunikation erfolgt noch von Angesicht zu Angesicht, mittels Telefon oder E-Mail.

Gemeinderat älteren Jahrgangs
«Unser Dorf zählt aktuell rund 2400 Personen. 60 Prozent des Gemeinderates sind über 65 Jahre alt, 20 Prozent zwischen 55 und 64 Jahren und weitere 20 Prozent im Alter zwischen 45 und 54 Jahren», liess Moderator Meyer, der auch Vizegemeindepräsident und Mitglied der Schul- und Einbürgerungskommission ist, wissen. Ziele des Anlasses seien, den Jungen aufzuzeigen, dass Dorfpolitik nicht Parteipolitik sei, dass das Gespräch untereinander gesucht werde und dass die Generation Y ihre Vorschläge unterbreite, damit sie sich für die kommende Legislatur 2019 bis 2022 oder für längere Zeit bereit erklären könnte, in den Gremien Gemeinderat, Einbürgerungs- und Sozial-, Schul-, Baukommission, als Abgeordnete, Delegierte oder Funktionäre für die Gemeinde mitzuarbeiten.

Feste feiern und Jobsharing
Die Amtszeit von vier Jahren wirkt auf die Generation Y abschreckend. Eine junge Frau liess wissen, dass in ihrem Alter der Arbeitgeber häufiger gewechselt werde. Sie schlug vor, die Legislatur zu verkürzen. Es wurde ihr entgegnet, dass eine gewisse Einarbeitungszeit notwendig sei, damit in einem Amt richtig Fuss gefasst werden könne. Nach Schnupperbeteiligungen an Kommissions- und Gemeinderatssitzungen wurde gefragt, nach Feierlichkeiten im Dorf verlangt, an denen sich die Gremien und Ortsparteien auf spielerische Art einbringen und vorstellen könnten. Jobsharing in den Ämtern wurde vorgeschlagen, eine Pressemitteilung nach jeder Gemeinderatssitzung verlangt, Wahlen von Kommissionsmitgliedern an der Urne gefordert und anderes mehr. «Ich bin heute Abend total überrascht worden, was allein im Gemeinderat alles geleistet wird», liess ein junger Mann verlauten.

Auch Eigeninteresse
www.facebook.com/dorfpolitik.rualy, www.instagram.com/dorfpolitik.y.rual, twitter.com/DorfpolitikYk lauten die Links, um weiter am Ball zu bleiben. Meyer hatte sämtliche Vorschläge der Jungen am Donnerstagabend vor Ort ins Netz gestellt. Dass er nicht nur im Sinn der Gemeinde Rüdtligen-Alchenflüh handelt, sondern auch Eigeninteresse hat, verschwieg er nicht. Marco Meyer absolviert gegenwärtig eine Weiterbildung an der Berner Fachhochschule und schreibt aktuell die Masterarbeit anlässlich des Studiums «Executive Master of Business Administration» mit Fachrichtung «Public Management» zum Thema «Wie gewinnt man die Generation Y für öffentliche Ämter?». Er vertritt die Gemeinde Rüdtligen-Alchenflüh auch in der
regionalen Jugendkommission «kakerlak».
 
«7x24-Stunden-Job»

Gemeinderatspräsident Kurt Schütz, Ressort Präsidiales/öffentliche Sicherheit, liess unter anderem wissen, dass man in seinem Amt auch nachts oder am Sonntag auf den Plan gerufen werden könne. Man sei 7 x 24 Stunden Gemeinderatspräsident, das habe er in den vergangenen fast zwölf Jahren erfahren. «Das muess me o chli gärn ha», meinte er. Die vier weiteren Gemeinderatsmitglieder Dino Polli, Ressort Erziehung / Bildung, Margrit Dummermuth, Ressort Bau / Planung, Patrizia Lambroia, Finanzen, und Friedrich Jöhr, Soziales, plauderten ebenfalls aus ihrem Gemeinderats«alltag». «Man kann sich von einer Partei (SVP, SP, OPRA) für die Gemeindewahlen aufstellen lassen, ohne Mitglied zu sein», wurde den Jungen als Ratschlag mitgegeben. An deren Mitgliederversammlungen ist das Schnuppern jederzeit möglich. Und gleichzeitig ist dort das Neuste aus der Gemeindepolitik zu erfahren.

Barbara Schwarzwald 

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