Christine Brand schreibt an neuem Roman

  28.07.2011 Aktuell, Burgdorf, Kultur, Gesellschaft

Kriminalromane erfreuen sich grösster Beliebtheit und führen regelmässig die Bestsellerlisten an. Sie versprechen atemberaubende Spannung, eine knifflige Story mit unerwarteten Wendungen und interessanten Charakteren sowie Einblicke in menschliche Abgründe. Insbesondere Bücher von europäischen Autoren wie Stieg Larsson (†), Henning Mankell, Jussi Adler Olsen, Simon Beckett oder Andrea Camilleri gehen hierzulande zu Tausenden über den Büchertisch. Aber nicht nur die Schweden, Norweger, Briten oder Italiener wissen, wie man anspruchsvolle Kriminalgeschichten verfasst. Auch Schweizer Literaten haben einige Klassiker des Genres hervorgebracht. Unvergessen sind C. A. Looslis im Emmental spielender Roman «Die Schattmattbauern», die von Friedrich Glauser verfassten atmosphärischen Krimis um den eigensinnigen Wachtmeister Studer und Friedrich Dürrenmatts Ausflüge in die Gattung des Kriminalromans.
Aber auch zeitgenössische, junge Schweizer Autorinnen und Autoren setzen sich in ihren Romanen und Kurzgeschichten immer wieder mit Verbrechen und ihrer Aufklärung auseinander. Zu ihnen gehört unter anderem Christine Brand. Die 38-Jährige hat bisher zwei Krimis publiziert: 2009 erschien der Roman «Todesstrich», ein Jahr später «Das Geheimnis der Söhne». Zudem veröffentlichte Brand je eine Kurzgeschichte in den zwei bisher erschienenen Bänden der Anthologie «Mordsgeschichten aus dem Emmental». Ihr Debüt «Schattentaten» aus dem Jahr 2008 beinhaltet 20 authentische Kriminalfälle.

Von der Realität zur Fiktion
«Zur Gattung des Kriminalromans bin ich über meine Tätigkeit als Journalistin gekommen», erklärt Brand. «Für die Zeitung ‹Der Bund› verfasste ich zahlreiche Gerichtsreportagen. Dadurch erhielt ich einen vertieften Einblick in die Welt der Kriminologie und der Polizeiarbeit. Viele Fälle waren äusserst interessant und erlaubten es mir, Einblicke in die Motive und Beweggründe der Täter zu nehmen. Oftmals ging es im Gerichtssaal auch sehr emotional zu, da die Opfer ihrem Peiniger gegenüberstanden. Die realen Verbrechen, die ich im Buch ‹Schattentaten› schilderte, haben mich dem Krimi-Genre nähergebracht. Als mich Verena Zürcher vom ‹Landverlag› anfragte, ob ich nicht einen Beitrag für die ‹Mordsgeschichten aus dem Emmental› schreiben würde, widmete ich mich zum ersten Mal dem fiktiven Verbrechen und es hat mich sofort gepackt. Es bereitete mir ungemein viel Vergnügen, eine Handlung zu entwerfen, Figuren zu erschaffen und zu entscheiden, was mit ihnen geschehen soll. Als Autorin fiktiver Geschichten hat man für einmal die Möglichkeit, Schicksal zu spielen – eine ganz neue Erfahrung», lacht Brand.
Bereits in ihrer Kindheit träumte sie davon, Autorin zu werden. «Ich hatte schon immer viel Spass am Schreiben und genoss es sogar, im Deutschunterricht Aufsätze zu verfassen», erinnert sie sich. «Der Hang zum Morbiden rührt wohl ebenfalls von meiner Kindheit her. Mein Vater war Schreiner in Oberburg und führte gleichzeitig das einzige Bestattungsunternehmen im Dorf. Daher waren Sterben und Tod bei uns niemals Tabuthemen.»
Anregungen zu ihren Kriminalromanen holt sich Christine Brand oftmals aus der Realität. «Ideen für eine Geschichte sind bei mir meistens mit realen Erlebnissen verknüpft. In vielen Situationen frage ich mich, ob daraus nicht eine Kriminalgeschichte entstehen könnte. Die Anregung für meinen letzten Roman erhielt ich, als ich im Auftrag der ‹NZZ am Sonntag› eine Artikelserie über Gefängniszellen für betagte Insassen schrieb. Daraus entstand ‹Das Geheimnis der Söhne›. Das Buch beginnt mit dem Besuch der Protagonistin Milla Nova, einer TV-Journalistin, im ersten Seniorengefängnis der Schweiz.»

Geistesblitze beim Joggen
Bevor Brand mit der Niederschrift eines Romans beginnt, setzt sie sich gedanklich intensiv mit der Handlung auseinander. Erst wenn ein grobes Grundgerüst steht, setzt sie sich an den Computer. Während des Schreibprozesses kann sich Brand dadurch an gewissen Fixpunkten der Story orientieren.
Wenn Brand eine Idee lange genug hat reifen lassen und sich bereit fühlt, mit einem neuen Projekt zu starten, reist sie für einige Wochen in die Ferien. «So kann ich mich ohne jegliche Ablenkung völlig auf das Schreiben konzentrieren.» Ein Grossteil ihrer Freizeit widmet Brand ihrer literarischen Arbeit. Um abschalten zu können, geht sie regelmässig joggen. «Laufen ist für mich sehr entspannend und macht den Kopf frei. Oftmals habe ich die besten Ideen beim Jogging. Es ist durchaus möglich, dass die Geschichte durch einen Geistesblitz eine selbst für mich unvorhergesehene Wendung nimmt.» Inspiration erhält Brand zudem auch durch Gespräche mit anderen Schriftstellern. Sie ist Mitglied im Krimiautoren-Dachverband «Das Syndikat». Regelmässig treffen sich die Mitglieder am Stammtisch in einem Restaurant in Zürich, um sich auszutauschen und über ausgedachte Verbrechen zu fachsimpeln.
Da das Schreiben eines Romans eine oftmals sehr einsame Angelegenheit ist, schätzt Brand ihren Beruf als Journalistin bei der «NZZ am Sonntag» umso mehr. «Bei meiner Arbeit als Reporterin komme ich mit zahlreichen Menschen ins Gespräch und bin vielfach unterwegs. Mein Job bildet den idealen Kontrast zum Schreiben im stillen Kämmerlein.» Mit ihren spannenden Geschichten will Brand ihre Leserinnen und Leser in erster Linie unterhalten. «‹Ich konnte vor Spannung einfach nicht aufhören zu lesen›, ist wohl das schönste Kompliment, das man als Autor erhalten kann», erklärt sie. «Allerdings möchte ich mit meinen Romanen auch zum Nachdenken anregen. Die besten Krimis transportieren eine Botschaft, indem sie der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten.»
Gegenwärtig arbeitet Brand, die in Zürich und Burgdorf lebt, an einem neuen Roman. «Auf vielseitigen Wunsch der Leserschaft wird erneut die TV-Journalistin Milla Nova, bekannt aus ‹Das Geheimnis der Söhne›, im Zentrum der Ereignisse stehen. Milla wird dieses Mal mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert und stösst dabei auf dunkle Machenschaften», verrät Brand. «Der Roman schliesst nahtlos an seinen Vorgänger an, liest sich aber als völlig eigenständige Geschichte. Handlungsort wird zu einem grossen Teil erneut die Region Bern sein.» Krimi-Fans müssen sich allerdings noch ein wenig gedulden: Milla Novas neuer Fall wird erst in rund einem Jahr im Buchhandel erhältlich sein. mhl\n

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