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Münchringen feiert den 750. Geburtstag

| Fr, 05. Aug. 2011

MÜNCHRINGEN: Die Gemeinde Münchringen wurde erstmals im Jahr 1261 erstmals urkundlich erwähnt - damals noch als Munderchingen. Erfahren Sie in der kommenden Ausgabe der Zeitung «D'REGION» mehr über Münchringen und seine Geschichte. red

Ausser einigen Buchstaben im Namen haben München und Münchringen wenig Gemeinsames. Die Landeshauptstadt des Freistaates Bayern ist mit rund 1,35 Millionen Einwohnern die drittgrösste Stadt Deutschlands, das Nachbardorf von Jegenstorf zählt aktuell nur 589 Einwohner. Auch die Isar hat einen weit höheren Bekanntheitsgrad als der nahe Urtenenbach – und das Hofbräuhaus in München ist im Gegensatz zur einzigen Beiz in Münchringen, dem Restaurant zum Bad, in aller Munde. Die nahezu einzige Gemeinsamkeit von München und Münchringen ist, dass beide rund 520 Meter über Meer liegen. Münchringen punktet aber mit seiner intimen Beschaulichkeit. Hier kennt jeder jeden. Auch ohne Ortsplan verfährt sich in Münchringen kaum jemand.
Wer von Jegenstorf nach Münchringen fährt, erblickt auf der rechten Strassenseite beim Ortsschild goldgelbe Weizenfelder, grüne Matten und im Hintergrund charakteristische Bauernhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert. «Aengerich» steht gegenüber – nur wenige Meter entfernt – auf dem Strassenschild weiss auf blau geschrieben. Woher der Name wohl kommen mag – gibt es hier besonders viele «Aengeriche», also Engerlinge, wie die Larven des Maikäfers genannt werden? So oder so hatte das gemeindeeigene Bauland namens Aengerich schon für Diskussionen und rote Köpfe gesorgt. Der Gemeinderat wollte hier 4600 Quadratmeter Land verkaufen, was 2,5 Millionen Franken in die Gemeindekasse gespült hätte. Daraus und damit auch aus den neun im Aengerich geplanten Einfamilienhäusern wurde nichts. Die Gemeindeversammlung lehnte den Baulandverkauf mit 34 Nein- zu 22 Ja-Stimmen deutlich ab. Weil Münch-ringen finanziell alles andere als auf Rosen gebettet ist, könnte «Aengerich» nochmals zum Thema werden. Ein zweiter Anlauf wäre dabei wohl kaum chancenlos.
Beim 1987 erbauten Gebäude, in dem sich die Gemeindeverwaltung befindet, lädt ein Brunnen zum Verweilen ein. Er darf getrost als Bijou bezeichnet werden und gefällt mit schlichtem Design. In der Nähe prägt ein altes Bauernhaus mit grosser Dachfläche und gepflegtem Garten das Ortsbild Münchringens. An der Hauptstrasse findet sich vor einem Hauseingang der Hinweis «750 Jahre Münchringen» – versehen mit dem rot-weissen Wappen der Gemeinde. Die Leute hier scheinen ein fleissiges Völklein zu sein. Auf Feldern und in Gärten wird gearbeitet. Nur kurz wird ab und zu innegehalten und Richtung Himmel geblickt. Der aufkommende Wind treibt Gewitterwolken in Richtung Münchringen und sorgt dafür, dass die Gemeindefahne an der Strasse zu flattern beginnt.
Auf dem auf einer Anhöhe gelegenen Hof ist sich eine Frau unschlüssig, ob sie die aufgehängte Wäsche noch an der Leine lassen oder diese vor dem drohenden Gewitterregen «a Schärme» bringen soll. Eine Geiss beobachtet vom «Hochsitz» eines Baumstrunkes aus die Umgebung. Nicht Geissen sind aber hier zurzeit in der Mehrzahl, sondern die Kühe auf dem nahen Strässchen. Dass in diesem Quartier mit Kühen zu rechnen ist, zeigt die dreieckige Vorsicht-Tafel mit rotem Rand und schwarzer Kuh in der weissen Mitte. Am gleichen Holzpfosten ist eine weitere dreieckige Vorsicht-Tafel befestigt, die auf spielende Kinder hinweist. Weil diese Tafel sehr verwaschen ist und das Randrot kaum mehr zu erkennen ist, kommt ein Verdacht auf: Die Kinder, deretwegen die Tafel hier vor Jahren angebracht worden ist, sind inzwischen längst zu Erwachsenen herangereift.
In Münchringen, das auf einem Moränenhügel östlich des Urtenenbaches liegt, fallen schöne Baumbestände auf – und speziell im Ortsteil Holzmühle die alte, bäuerliche Architektur. Einen Ort zum Verweilen mit prächtigem Blick auf die Jurakette bietet die rote Ruhebank am Höheweg beim Gedenkstein «750 Jahre Münchringen – 2011». Mit besinnlichen Worten hat Pfarrer Alfred Aeppli den Stein zum Jubiläum der Gemeinde enthüllt. Zwischen Ruhebank und Gedenkstein direkt am Pétanque-Platz des PCM (Pétanque-Club Münchringen) wurde eine Festbank aufgestellt. Münchringen verfügt auch über eine schmucke Schiessanlage. An der Eingangstür ist ein Blatt der Schlossschützen Jegenstorf-Münchringen angebracht, das auf die letzte «Obligatorische Bundesübung» auf dem Schiessplatz «SAMJ» vom 31. August 2011 aufmerksam macht. «Mir Jungschütze putze eui Sturmgwehr für füf Franke pro Gwehr», steht auf dem Blatt daneben. Melden können sich Interessierte bei den Jungschützen Jegenstorf-Münchringen. Das Vereinsleben etwas aufmischen will künftig der am 17. Mai dieses Jahres gegründete Freizeitverein Münchringen, der inzwischen rund 50 Mitglieder zählt. Am 25. Juni war er mit einem Stand am Dorfmärit anlässlich der 750-Jahr-Feier der Gemeinde vertreten. Der noch in den Kinderschuhen steckende Freizeitverein Münchringen hat dabei den Dorfmärit-Jasskönig erkoren und auf seine geplanten Aktivitäten aufmerksam gemacht: Jass- oder Badmintonturniere, Konzerte, Tanzkurse, Velotouren, Wanderungen, Führungen, Vorträge und Waldfondue.
Die 2,4 Quadratkilometer grosse Gemeinde Münchringen, die zum Verwaltungskreis Bern-Mittelland zählt, reicht vom Mattenbühl bis an den Rand des Hurschwaldes bei Holzmühle. Östlich des Moränenwalls von Münchringen befindet sich die ehemals moorige Senke Turbenmoos, an welche der Mooswald anschliesst. Im Jahr 1850 zählte Münchringen 266 Einwohner. Bis 1900 war die Bevölkerungszahl auf 198 geschrumpft. Vor allem in den 1970er-Jahren nahm diese Zahl rasch zu. In den Kreis der «600-Einwohner-Gemeinden» konnte sich Münchringen aber noch nicht einreihen. Elf Bewohner fehlen. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Dorf zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind Wegpendler, die hauptsächlich in der Agglomeration Bern und im Raum Burgdorf arbeiten. Das war nicht immer so, denn Münchringen war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Dank fruchtbarer Böden geniessen aber Ackerbau, Obstbau und Viehzucht auch heute noch einen hohen Stellenwert. Weitere Arbeitsplätze bieten das lokale Kleingewerbe und hiesige Dienstleistungsfirmen an.
Ein Handicap der an der Verbindungsstrasse von Jegenstorf nach Hindelbank gelegenen Gemeinde Münchringen ist die fehlende Anbindung ans Netz der Regionalbahn Bern-Solothurn. Der Bahnhof von Jegenstorf ist jedoch nur rund einen Kilometer entfernt. Die Bus-Verbindung mit Jegenstorf und Hindelbank fiel den Sparmassnahmen des Kantons bereits nach kurzer Versuchsphase zum Opfer. Münchringen, das über keine eigene Kirche verfügt, gehört zur Kirchgemeinde Jegens­torf-Urtenen. Der Spruch «bei uns bleibt die Kirche – was auch immer passiert – mitten im Dorf» kann also nie von einem Einwohner Münchringens stammen.
Münchringen ist – damals noch als Munderchingen – im Jahr 1261 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname geht auf den althochdeutschen Personennamen Munderich zurück und bedeutet «bei den Leuten von Munderich». Seit dem Mittelalter unterstand Münchringen den Grafen von Kyburg. Ab 1406 war das Dorf unter Berner Herrschaft und dem Landgericht Zollikofen zugeordnet. Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime im Jahr 1798 gehörte Münchringen während der Helvetik zum Distrikt Zollikofen und ab 1803 zum Oberamt Fraubrunnen, das mit der neuen Kantonsverfassung von 1831 den Status eines Amtsbezirks erhielt. Der Weiler Holzmühle wurde erst 1845 in Münchringen eingemeindet. Dass die Münchringer Bevölkerung feiern kann, hat sie Ende Juni an der 750-Jahr-Feier bewiesen. Vielleicht gibt es bald wieder etwas zu feiern – den 600. Einwohner. Ob durch Zuzug oder Geburt, würde keine Rolle spielen.

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