Informationsveranstaltung zum Thema Demenz
27.09.2011 AktuellAm vergangenen Mittwoch, dem internationalen Welt-Alzheimer-Tag, organisierte die Senevita AG in ihrer Siedlung an der Lyssachstrasse in Burgdorf eine Informationsveranstaltung zum Thema Demenz. Von der Krankheit sind in der Schweiz über 100 000 Menschen betroffen. 10% aller über 65-Jährigen leiden an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz. Jährlich erkranken in unserem Land rund 25 000 Personen, wobei das Risiko mit zunehmendem Alter steigt. Neben Krebs hat sich die Demenz zu einer der grossen Geisseln der Menschheit entwickelt. Verschiedene Forscher gehen davon aus, dass sich die Zahl der weltweit Erkrankten ohne wirksame Therapie oder Prävention alle 20 Jahre verdoppeln wird. Im Jahr 2050 wären gemäss dieser Prognose 115 Millionen Menschen erkrankt. Schon heute gibt es kaum eine Familie, die nicht in irgendeiner Form von Demenz betroffen ist.
Der «Brain-Bus» – eine mobile Ausstellung über die Funktionsweise des Gehirns
Angesichts dieser Entwicklung erstaunt es kaum, dass die Veranstaltung in Burgdorf auf grosses Interesse stiess. Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher hatten während des ganzen Tages die Gelegenheit, eine mobile Ausstellung zu den Funktionen und allfälligen Störungen des Gehirns zu besichtigen und in die Welt der Neurowissenschaften einzutauchen. Der sogenannte «Brain-Bus», der an verschiedenen Orten in der ganzen Schweiz Halt macht, präsentierte eine Fülle an Informationen auf eine spannende Weise. Multimedia- und Computerpräsentationen, Filme, Modelle, Experimente und Spiele zeigten auf anschauliche und leicht verständliche Weise, wie das Gehirn – das komplexeste Organ des menschlichen Körpers – aufgebaut ist und inwiefern Alzheimer und andere Krankheiten die Wirkungsweise beeinträchtigen.
«Demenz verstehen – Leitfaden für die Praxis»
Am Nachmittag präsentierte Beat Fellmann, CEO der Senevita AG, den neu erschienenen Bildungsordner «Demenz verstehen – Leitfaden für die Praxis», der auf rund 400 Seiten das Know-how von 40 Experten aus den verschiedensten Bereichen bündelt. «Die von der Krankheit Betroffenen haben das Recht auf ein würdevolles Leben und eine kompetente, einfühlsame Betreuung», erklärte Fellmann. «Um dies zu gewährleisten, braucht es Empathie und Wissen. Mit dem in leicht verständlicher Sprache verfassten Leitfaden wollen Senevita und ihre Partnerorganisationen SeneCura und Sonnweid ihre aus der Praxis gewonnenen Erfahrungen und aktuellen Forschungsergebnisse weitergeben. Der Leitfaden richtet sich ebenso an Laien, die privat mit dem Thema konfrontiert werden, wie an Fachleute, die sich beruflich mit Demenz auseinandersetzen. Für den Umgang mit der Krankheit gibt es kein Patentrezept. Dennoch zeigen die Erfahrungen aus der Praxis auf wertvolle Weise auf, wie Menschen mit Demenz in bereichernder Weise begleitet werden können.»
Referat zum Thema «Demenz und Demenzpflege»
Im Anschluss an die Vorstellung des Leitfadens referierte die Pflegefachfrau Marianne Gfeller, die sich seit 15 Jahren intensiv mit der Krankheit auseinandersetzt, zum Thema «Demenz und Demenzpflege». «Als meine Mutter mit zunehmendem Alter immer vergesslicher wurde, begann ich mich mit der Krankheit zu beschäftigen. Seither hat mich das Thema nicht mehr losgelassen.» Gfeller erklärte, dass der Oberbegriff Demenz eine Schädigung des Hirngewebes bezeichne, die eine Beeinträchtigung der Hirnleistungsfähigkeit zur Folge habe. Unterschieden wird zwischen zwei verschiedenen Demenzformen. Die Alzheimer-Demenz wird durch einen fortschreitenden Verlust von Zellen im Gehirn ausgelöst. Ganze Gruppen von Nervenzellen verlieren allmählich ihre Funktionsfähigkeit und sterben schliesslich ab. Bei der vaskulären Demenz dagegen verändern sich die Hirngefässe, was zu Durchblutungsstörungen im Gehirn führt. Dies bewirkt ein Absterben kleinster Hirngebiete bei kleinen Infarkten oder gar ganzer Hirnareale.
Demenzerkrankten mit Achtung und Respekt begegnen
«Die Krankheit nimmt von Fall zu Fall einen anderen Verlauf», erläuterte Gfeller. «So unterschiedlich wie wir Menschen sind, so unterschiedlich äussert sich auch die Krankheit.» Sie forderte dazu auf, den Erkrankten mit Respekt und Achtung zu begegnen: «Bei Demenzerkrankten gerät das Denken durcheinander, die Gefühle aber bleiben bestehen.» Man müsse respektieren, dass die Betroffenen sich oftmals in einer anderen Welt befänden, dass für sie die Vergangenheit zur Gegenwart werde: «Eine direkte Konfrontation des Betroffenen mit seinen Defiziten bringt keine Vorteile, sondern zerstört das Selbstwertgefühl der Getadelten. Stattdessen gilt es im Umgang mit Demenzerkrankten, die Aufmerksamkeit auf diejenigen Themen und Ereignisse zu richten, die ihnen noch präsent sind. Es ist wichtig, dass Angehörige und Pflegende ihnen zuhören und für sie da sind. Oftmals sind die Geschichten aus der Vergangenheit äusserst spannend.» Hektik, Lärm, radikale Veränderungen und Stress sollten nach Möglichkeit vermieden, Geduld dagegen grossgeschrieben werden: «Eine gewisse Langsamkeit und Ruhe kann in unserer hektischen und schnelllebigen Zeit auch für die Angehörigen einen positiven, wohltuenden Effekt haben. Zudem gelangt man mit einem geduldigen Vorgehen oft schneller zum Ziel.» Spaziergänge, Bewegung oder Gesang haben gemäss Gfeller einen positiven Effekt auf die Betroffenen. «Auch wenn es schwer fällt: Spass und Humor sollten nicht zu kurz kommen. Entscheidend ist, dass die Erkrankten von ihrem sozialen Umfeld nicht sich allein überlassen werden. Für sie sind Besuche von Angehörigen, Freunden oder Bekannten das Fenster zur Welt.» Gfeller beendete ihr Referat mit einem Zitat von Klaus Dörner: «Die Schwachen und Kranken zu achten und zu schützen, ist die Würde der Gesunden.»
Nach dem Referat wartete auf die Zuhörerinnen und Zuhörer ein reichhaltiges Apéro.
Der «Brain-Bus» – eine mobile Ausstellung über die Funktionsweise des Gehirns
Angesichts dieser Entwicklung erstaunt es kaum, dass die Veranstaltung in Burgdorf auf grosses Interesse stiess. Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher hatten während des ganzen Tages die Gelegenheit, eine mobile Ausstellung zu den Funktionen und allfälligen Störungen des Gehirns zu besichtigen und in die Welt der Neurowissenschaften einzutauchen. Der sogenannte «Brain-Bus», der an verschiedenen Orten in der ganzen Schweiz Halt macht, präsentierte eine Fülle an Informationen auf eine spannende Weise. Multimedia- und Computerpräsentationen, Filme, Modelle, Experimente und Spiele zeigten auf anschauliche und leicht verständliche Weise, wie das Gehirn – das komplexeste Organ des menschlichen Körpers – aufgebaut ist und inwiefern Alzheimer und andere Krankheiten die Wirkungsweise beeinträchtigen.
«Demenz verstehen – Leitfaden für die Praxis»
Am Nachmittag präsentierte Beat Fellmann, CEO der Senevita AG, den neu erschienenen Bildungsordner «Demenz verstehen – Leitfaden für die Praxis», der auf rund 400 Seiten das Know-how von 40 Experten aus den verschiedensten Bereichen bündelt. «Die von der Krankheit Betroffenen haben das Recht auf ein würdevolles Leben und eine kompetente, einfühlsame Betreuung», erklärte Fellmann. «Um dies zu gewährleisten, braucht es Empathie und Wissen. Mit dem in leicht verständlicher Sprache verfassten Leitfaden wollen Senevita und ihre Partnerorganisationen SeneCura und Sonnweid ihre aus der Praxis gewonnenen Erfahrungen und aktuellen Forschungsergebnisse weitergeben. Der Leitfaden richtet sich ebenso an Laien, die privat mit dem Thema konfrontiert werden, wie an Fachleute, die sich beruflich mit Demenz auseinandersetzen. Für den Umgang mit der Krankheit gibt es kein Patentrezept. Dennoch zeigen die Erfahrungen aus der Praxis auf wertvolle Weise auf, wie Menschen mit Demenz in bereichernder Weise begleitet werden können.»
Referat zum Thema «Demenz und Demenzpflege»
Im Anschluss an die Vorstellung des Leitfadens referierte die Pflegefachfrau Marianne Gfeller, die sich seit 15 Jahren intensiv mit der Krankheit auseinandersetzt, zum Thema «Demenz und Demenzpflege». «Als meine Mutter mit zunehmendem Alter immer vergesslicher wurde, begann ich mich mit der Krankheit zu beschäftigen. Seither hat mich das Thema nicht mehr losgelassen.» Gfeller erklärte, dass der Oberbegriff Demenz eine Schädigung des Hirngewebes bezeichne, die eine Beeinträchtigung der Hirnleistungsfähigkeit zur Folge habe. Unterschieden wird zwischen zwei verschiedenen Demenzformen. Die Alzheimer-Demenz wird durch einen fortschreitenden Verlust von Zellen im Gehirn ausgelöst. Ganze Gruppen von Nervenzellen verlieren allmählich ihre Funktionsfähigkeit und sterben schliesslich ab. Bei der vaskulären Demenz dagegen verändern sich die Hirngefässe, was zu Durchblutungsstörungen im Gehirn führt. Dies bewirkt ein Absterben kleinster Hirngebiete bei kleinen Infarkten oder gar ganzer Hirnareale.
Demenzerkrankten mit Achtung und Respekt begegnen
«Die Krankheit nimmt von Fall zu Fall einen anderen Verlauf», erläuterte Gfeller. «So unterschiedlich wie wir Menschen sind, so unterschiedlich äussert sich auch die Krankheit.» Sie forderte dazu auf, den Erkrankten mit Respekt und Achtung zu begegnen: «Bei Demenzerkrankten gerät das Denken durcheinander, die Gefühle aber bleiben bestehen.» Man müsse respektieren, dass die Betroffenen sich oftmals in einer anderen Welt befänden, dass für sie die Vergangenheit zur Gegenwart werde: «Eine direkte Konfrontation des Betroffenen mit seinen Defiziten bringt keine Vorteile, sondern zerstört das Selbstwertgefühl der Getadelten. Stattdessen gilt es im Umgang mit Demenzerkrankten, die Aufmerksamkeit auf diejenigen Themen und Ereignisse zu richten, die ihnen noch präsent sind. Es ist wichtig, dass Angehörige und Pflegende ihnen zuhören und für sie da sind. Oftmals sind die Geschichten aus der Vergangenheit äusserst spannend.» Hektik, Lärm, radikale Veränderungen und Stress sollten nach Möglichkeit vermieden, Geduld dagegen grossgeschrieben werden: «Eine gewisse Langsamkeit und Ruhe kann in unserer hektischen und schnelllebigen Zeit auch für die Angehörigen einen positiven, wohltuenden Effekt haben. Zudem gelangt man mit einem geduldigen Vorgehen oft schneller zum Ziel.» Spaziergänge, Bewegung oder Gesang haben gemäss Gfeller einen positiven Effekt auf die Betroffenen. «Auch wenn es schwer fällt: Spass und Humor sollten nicht zu kurz kommen. Entscheidend ist, dass die Erkrankten von ihrem sozialen Umfeld nicht sich allein überlassen werden. Für sie sind Besuche von Angehörigen, Freunden oder Bekannten das Fenster zur Welt.» Gfeller beendete ihr Referat mit einem Zitat von Klaus Dörner: «Die Schwachen und Kranken zu achten und zu schützen, ist die Würde der Gesunden.»
Nach dem Referat wartete auf die Zuhörerinnen und Zuhörer ein reichhaltiges Apéro.
Markus Hofer
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