Der Wald mit seinen Freuden und Leiden
27.08.2012 Aktuell, Bildung, Burgdorf, GesellschaftDie jährlich vom burgerlichen Oberförster Werner Kugler organisierten Waldgänge in den verschiedenen Burgerwäldern haben Tradition. Letzten Donnerstag traf man sich im Pleerwald zu einem zweistündigen Rundgang, bei dem vier Fachleute Probleme und Fragestellungen rund um den Wald dem Publikum näherbrachten.
Natürliche Dezimierung
Alle vier verstehen es, das Thema Jagd aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Unbestritten ist, dass die Jagd notwendig bleibt und Jungjäger angeworben und ausgebildet werden müssen, weil heute die natürlichen Feinde des Wildes fehlen. Beim Rehwild wäre das der Luchs, der in den hiesigen Wäldern nur noch sehr sporadisch anzutreffen ist. Er zieht manchmal durch die burgerlichen Wälder, aber seine Präsenz reicht bei Weitem nicht aus, um die Rehpopulation in vernünftigem Masse zu regeln. Den Anwesenden ist nicht bekannt, dass jährlich in der hiesigen Region 250 bis 300 Rehe dem Strassenverkehr zum Opfer fallen.
Kugler hält fest, dass «im burgerlichen Wald eine zu hohe Rehpopulation besteht und daher die Bäume vor Verbiss zu schützen sind». Rehe ernähren sich von Blättern, Astknospen und allem, was zart, jung und grün ist; laut Kugler sind sie «Nascher». Allein im Pleerwald (250 bis 300 Hektaren) schätzt er die Anzahl der Rehe auf 25 bis 30 Tiere.
«Zu hoch für eine solche Fläche», weiss Kugler und schiebt sogleich die Erklärung nach: «Der Pleerwald ist schwer zu bejagen. Zu jeder Tageszeit trifft man Spaziergänger, Jogger, Velofahrer, Biker sowie Pilz- und Beerensammler. Jäger schiessen natürlich ungern unter solchen Bedingungen.» Trotzdem können die Anwesenden einen geschossenen Dachs und einen verendeten Rehbock aus der Nähe betrachten. Zudem haben die Jäger ausgestopfte Tiere in natürlicher Umgebung platziert, so ein Rehkitz, einen Dachs, zwei Wildsau-Frischlinge und einen Rehbock.
Intakte Wälder
Neben Werner Kugler vermitteln Gerhard Friedli, Präsident des Wild- und Jagdschutzvereins Burgdorf, Wildhüter Simon Quinche (Aufsichtskreis 7) und Revierförster Simon Rieben sowie Hilfskräfte fundierte Einblicke in unterschiedliche Interessenkreise. Alle betonen, dass die hiesigen Wälder in gutem Zustand sind und beachtliches Erholungspotenzial bieten. Der Wildbestand ist gross und kann gut beobachtet werden. Neben Rehen leben hier Füchse, Dachse, Baummarder, Igel, Eichhörnchen, Mäuse, Waldkäuze sowie viele Vogelsorten. «Im Binzbergwald und Unterbergental sind bereits Hirsche gesichtet worden, die ich lieber im Oberland sehe. Sie verursachen grosse Schäden im Wald und sind sehr schwer zu jagen. Sie sind intelligenter als Rehwild und weniger standorttreu», sagt Kugler.
Beim gemeinsamen Nachtessen auf der Rothöhe steigt die Teilnehmerzahl auf rund 110 Personen, die das köstliche Buffet zu schätzen wissen. Gerti Binz

