«Schrecken und Faszination Gefängnis»
29.10.2012 Aktuell, Burgdorf, Kultur«Während in Museen, die sich mit dem Thema Strafvollzug auseinandersetzen, oftmals in aufwändiger Manier Gefängniszellen rekonstruiert werden müssen, hatten wir das Glück, für unsere Ausstellung das ehemalige Regionalgefängnis im Schloss nutzen zu können», erzählt Gugger. «Ein authentischerer Ausstellungsort kann es gar nicht geben. Die grosse Herausforderung bestand darin, die einzigartige Atmosphäre voll zur Geltung zu bringen und nicht durch eine Überinszenierung zu zerstören. Die Ausstellung soll den Besucherinnen und Besuchern ein Gefühl vom Alltag im Gefängnis vermitteln, vom Leben auf kleinstem Raum mit seinem eintönigen und straffen Tagesablauf, aus dem man nicht ausbrechen kann; vom Schrecken, sich nicht mehr frei bewegen zu können, kein selbstbestimmtes Leben mehr zu führen, vom Horror, eingesperrt zu sein.»
Tatsächlich beschleicht die Besucher/innen, die das ehemalige Regionalgefängnis betreten, unweigerlich ein beklemmendes Gefühl. Ein langer, schmaler Korridor führt zu den einzelnen Zellen. Türschnapper bewirken, dass die Zellentüren immer wieder – wie von Geisterhand – zufallen. Die Zellen selbst – Klaustrophobiker seien vorgewarnt – sind alles andere als geräumig: eng, klein, stickig, mit vergitterten Fenstern, frei stehenden Toiletten. Jede ist einem unterschiedlichen Thema gewidmet. Als Grundlage für die Installationen und Dokumentationen dienten ausführliche Gespräche mit ehemaligen Gefangenenwärtern des Schlosses Burgdorf. Die Ausstellung setzt sich mit der Problematik der Zeit, die nicht vergehen will, dem Gefühl der Isolation, den Wünschen und Träumen der Gefangenen, mit Fluchtversuchen und der permanenten Überwachung auseinander. Das Thema «Verzweiflung» wird anhand eines Zitats aus C.A. Looslis «Die Schattmattbauern» illustriert, welches die unterschiedlichsten Emotionen eines Eingesperrten – wie Wut und Hass, Trostlosigkeit und Resignation – widerspiegelt. Die Ausstellung liefert aber auch Informationen über das alltägliche Leben im Knast, über die Arbeit, welche die Häftlinge verrichten, den Wert von Zigaretten, die als eigentliche Gefängniswährung fungieren und deren Bedeutung kaum unterschätzt werden kann.
Auch die Geschichte des Strafvollzugs wird gestreift. Im Schloss Burgdorf wurden seit dem 12. Jahrhundert in Verliesen stets Menschen eingesperrt, die gegen allgemeingültige Normen und Gesetze verstossen hatten. Im 18. Jahrhundert wandelte sich im Zuge der Aufklärung der Umgang mit straffällig gewordenen Menschen. Die Strafe wurde zunehmend als Mittel erachtet, das nicht nur der Abschreckung dienen, sondern auch zur Besserung des Delinquenten beitragen sollte. Im 19. Jahrhundert wurden im Schloss Burgdorf elf Zellen für 12 bis 17 Häftlinge eingebaut. Diese hat man im Laufe der Jahre immer wieder den neuen Bedürfnissen angepasst. «Erst im April 2012 wurde das Regionalgefängnis, das längst nicht mehr den Anforderungen eines modernen Strafvollzugs entsprach, in das neugebaute kantonale Verwaltungszentrum Neumatt an der Kirchbergstrasse verlegt», führt Beat Gugger aus. Ihm und seinem Team – Unterstützung erhielt er u.a. von Heinz Egger, Sabine Käch und Raff Fluri – ist es gelungen, eine «schaurig-schöne Ausstellung» auf die Beine zu stellen, deren Besuch sich lohnt.
Öffnungszeiten: Montag–Freitag: 17.00–20.00 Uhr; Samstag/Sonntag: 11.00 –17.00 Uhr.
www.krimitage.ch
Markus Hofer

