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Grosstier-Rettungsdienst Schweiz und Liechtenstein

| Mi, 12. Dez. 2012

REGION: Seit Anfang 2012 ist der Stützpunkt der Grosstierretter des Kantons Bern in Niederösch eingerichtet. Die Helden vom Grosstier-Rettungsdienst sind rund um die Uhr erreichbar. Nähere Infos sind unter www.gtrd.ch / info@gtrd.ch erhältlich. red
 

Simon Moor ist 365 Tage im Jahr Tag und Nacht immer erreichbar. Auf Pikett sind auch die anderen drei Gross­tierretter des Stützpunktes Kanton Bern, der seit Anfang 2012 in Niederösch eingerichtet ist. «Mit durchschnittlich vier Stunden pro Einsatz ist die Tätigkeit als Grosstierretter sehr zeitintensiv. Hinzu kommen die anschliessende Reinigung und Retablierung des Einsatzmaterials, allfällige Reparaturen sowie Wartungsarbeiten», erläutert Simon Moor, der seit zwei Jahren für den Grosstier-Rettungsdienst Schweiz und Liechtenstein (GTRD) im Einsatz steht.

15 Jahre Bergungen, Notfalltransporte und Spezialeinsätze
Pro Jahr wird der GTRD Bern durchschnittlich zu acht Einsätzen gerufen. «Unser Einsatzgebiet reicht von der Land- über die Wasser- bis zur Luftrettung», erläutert Moor. Die Helfer sind für eine breite Arbeitstätigkeit gerüs­tet: Ihre Zuständigkeit umfasst von der Grosstier-Unfallrettung, der Bergung von beispielsweise in Jauchegruben gefallenen Tieren, Tierkrankentransporten, vom Einfangen freilaufender Tiere bis zur Hilfeleistung bei verletzten Tieren in den Bergen eine grosse Bandbreite an Funktionen. Anrufe auf den GTRD-Notruf 079 700 70 70 werden in die Einsatzzentrale von «Schutz & Rettung» Zürich am Standort Flughafen umgeleitet. Von dort aus wird der GTRD über Konferenzgespräch per Handy aufgeboten. Dabei wird in der Regel zuerst die Kommandogruppe alarmiert und danach der betreffende Stützpunkt.

Gegründet wurde der Grosstier-Rettungsdienst Schweiz und Liechtenstein 1997 vom passionierten Reiter und Pferdefan Ruedi Keller. Das Projekt entstand nicht aus der Not, sondern auf Anregung von Professor von Salis, der damals den Verein für Pferdesamariter und Pferderettungswesen gegründet hat. Diese Idee hat Ruedi Keller begeistert. So entwickelte er in Anlehnung an jenen hochstehenden Service, den die Rettungsteams des Notrufs 144 für Menschen bieten, die Idee eines professionellen Sanitätsdienstes für Grosstiere.

Gefährdeter GTRD
Heute, fünfzehn Jahre nach der Gründung, schaut der GTRD dank der intensiven Zusammenarbeit mit der Pferdeklinik in Zürich und vielen anderen Tierärzten, Tierkliniken, der Feuerwehr, Polizei, Helikopter-, Kran­unternehmen und anderen Rettungsorganisationen schweizweit auf über 2000 Einsätze zurück. Inzwischen ist der GTRD mit Stützpunkten in Zürich, Graubünden, Bern, Aargau und im Tessin in der ganzen Schweiz vertreten. Dazu gehört seit vier Jahren auch der Stützpunkt im Kanton Bern, der unter der Leitung des 36-jährigen Simon Moor steht. Ein sechster Stützpunkt ist in der Region Lausanne/Genf im Aufbau. «Noch ist es aber ein langer Weg bis zur schweizweit flächendeckenden Präsenz des GTRD. Zum einen fehlt es an Geld», weiss Moor, der als Betriebsmechaniker bei Emmi arbeitet. Zwar seien die Einsätze für den Tierhalter kostenpflichtig (lediglich Pferde geniessen Versicherungsschutz). Doch für die aufwendigen Einsätze ist der GTRD auch auf Spender und Gönner angewiesen. So strebt der Rettungsdienst derzeit die Anschaffung einer weiteren den speziellen Bedürfnissen angepassten Tierambulanz an. «Momentan sind für die fünf Stützpunkte in fünf Kantonen drei Ambulanzen im Einsatz – viel zu wenig», erzählt Moor. Das Ziel, notleidenden Tieren, die zwischen 30 und 1200 Kilogramm wiegen, nach den neusten medizinischen und technischen Erkenntnissen Hilfe leisten und professionelle, schonende und fachgerechte Rettungen durchführen zu können, sei mit enormem Aufwand verbunden.

Das grösste Problem aber sei, dass es an Mitarbeitenden fehle. Die Stützpunkte im Rheintal (GR) und in der Zentralschweiz seien aufgrund der fehlenden professionellen Verstärkung ernsthaft gefährdet. «Wir brauchen dringend mehr aktive Personen im GTRD, die sich zum Grosstier-Rettungssanitäter ausbilden lassen und gerne Einsätze für in Not geratene Grosstiere leisten wollen», appelliert Moor auch an die Tierfreunde in der Region Emmental.

Die Hürden für Helfer, die ihre Freizeit dem GTRD widmen wollen, sind hoch: «Ein Gespür für den Umgang mit grossen Tieren und die Bereitschaft, für die Grosstiere ausserordentlichen Einsatz zu leisten, muss sein – was auch immer dies für das Privatleben bedeutet.» Die Helfer des GTRD arbeiten für einen Milizfeuerwehrsold von 50 Franken pro Stunde und kommen in Genuss eines mehrjährigen Ausbildungsganges an der Pferdeklinik der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich (Tierspital Zürich). Weitere Informationen unter www.gtrd.ch und info@gtrd.ch. nwb

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