Ursache für körperliche Beschwerden oder nur Angstmacherei?
23.12.2012 Aktuell, OberburgElektrischer Strom ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Durch die Nutzung von Elektrizität entstehen aber zwangsläufig künstliche elektrische und magnetische Felder, die nahezu allgegenwärtig sind – Elektrosmog.
Der Begriff «Elektrosmog» polarisiert stark. Während die einen davor warnen, behaupten andere, alles sei harmlos. Zumindest eines ist aber sicher: Elektrosmog ist in unserem Alltag ein ständiger Begleiter, dem man kaum entgehen kann. «D’REGION» unterhielt sich mit Daniel Wyss, Geschäftsführer der im Jahr 2002 gegründeten EM Electrocontrol AG, über Quellen von Elektrosmog und Tipps für die Reduktion der individuellen Belastung.
«D’REGION»: Herr Wyss, was genau versteht man unter Elektrosmog?
Wenn im Alltag von «Elektrosmog» – der Begriff «Smog» ist aus dem englischen «smoke» für Rauch und «fog» für Nebel zusammengesetzt – gesprochen wird, sind technisch erzeugte elektrische und magnetische Felder gemeint.
«D’REGION»: Wo genau entstehen diese Felder?
Elektrische Felder entstehen an sämtlichen Stromkabeln von Elektrogeräten, egal, ob Strom fliesst oder nicht. Sobald Strom fliesst, baut sich zusätzlich ein magnetisches Feld auf. Die auf uns einwirkende elektromagnetische Gesamtbelastung setzt sich aus den von aussen einwirkenden Feldern, beispielsweise erzeugt durch Hochspannungsleitungen, Oberleitungen von Bahnlinien oder durch Radio-, Fernseh- oder Mobilfunksender, und den von uns selbst im Haushalt oder Büro verursachten Feldern zusammen.
«D’REGION»: Wo liegen die Gefahren von Elektrosmog?
Panische Angst vor Elektrosmog ist unbegründet. Doch eine Risikominimierung ist auf alle Fälle sinnvoll. Und die ist denkbar einfach. Denn statistische Erhebungen zeigen folgende Tatsache: Hausgemachte Felder stellen die grössere Belastung dar als solche, welche ausserhalb unseres Einflussbereiches liegen.
«D’REGION»: Wie kann jeder seine persönliche Belastung so gering wie möglich halten?
Obwohl nach dem heutigen Stand des Wissens die Felder, denen man üblicherweise in einer Wohnung ausgesetzt ist, kein Gesundheitsrisiko darstellen, sind wir mit dem Prinzip «vermeiden, was vermeidbar ist» auf der sicheren Seite. Besonders gilt es, unnötige Belastungen zu vermeiden, die durch ungeeignet angeordnete Elektroinstallationen oder im Stand-by-Betrieb laufender Haushaltgeräte, aber auch zum Beispiel durch einen scheinbar harmlosen Radiowecker oder ein schnurloses Telefon entstehen. Es geht also immer um eine Reduktion im individuell machbaren Rahmen. Hierzu bietet sich die AAA-Regel an:
– Ausschalten: Schalten Sie nicht benötigte Elektrogeräte ganz aus. Belassen Sie diese nicht im Stand-by-Betrieb, welcher nutzlos Energie verschwendet. Stromsparmäuse und Steckerleisten erleichtern Ihnen das Ausschalten ganzer Gerätegruppen.
– Ausziehen: Lassen Sie Strahlung gar nicht erst entstehen und ziehen Sie bei unbenutzten Geräten das Kabel heraus.
– Abstand halten: Magnetische Felder lassen sich schlecht abschirmen. Halten Sie allgemein zirka einen Meter, im Schlafbereich sogar zwei Meter Abstand zu Elektroverteilern, Elektroheizungen, Elektroboilern, Geräten mit Netzteilen oder Transformatoren.
«D’REGION»: Ein kritischer Punkt ist das Schlafzimmer, wo wir einen Drittel unserer Lebenszeit verbringen. Wie kann man den Schlafplatz möglichst frei von Elektrosmog halten?
Es ist gut, an Plätzen, wo man sich lange aufhält, vorsichtig zu sein – so sicherlich auch im Schlafzimmer. Elektrische Geräte und Kabel im Umkreis von ein bis zwei Metern ums Bett sollten während des Schlafes spannungsfrei sein. Das beginnt bei der Nachttischlampe: Die zieht man aus der Steckdose oder koppelt sie mit einem sogenannten Netzfreischalter vom Stromkreis ab. Generell sollten zum Schutz der Gesundheit vor allem permanent betriebene Geräte nicht in der Nähe von Stellen platziert sein, wo sich Personen stundenlang aufhalten.
Auswirkungen auf die Gesundheit
In allen Diskussionen um die Wirkungen von Elektrosmog muss klar zwischen einem biologischen Effekt und einer negativen gesundheitlichen Auswirkung unterschieden werden. Als biologische Effekte bezeichnet man Körperreaktionen (z.B. Erwärmung des Körpergewebes), die durch eine äussere oder innere Ursache ausgelöst werden. Wenn wissenschaftliche Studien biologische Effekte feststellen, ist damit nicht gesagt, dass diese Effekte das Wohlbefinden oder gar die Gesundheit dauerhaft beeinträchtigen. Nach allem, was bisher bekannt ist, handelt es sich bei allen Wirkungen von Elektrosmog um kleine Wirkungen. Schwache oder kleine Effekte im Körper sind schwer nachzuweisen – der eine Forscher findet welche, der andere nicht. Zudem ist es schwierig, die Entstehung von schwachen biologischen Effekten eindeutig einer einzigen Ursache zuzuordnen.
Die EM Electrocontrol AG ist regionaler Marktführer in den Bereichen Messungen und Kontrollen rund um elektrischen Strom. Das Unternehmen wurde am 25. März 2002 im Hinblick auf das Inkrafttreten der Niederspannungs-Installationsverordnung vom 7. November 2001 durch mehrere Firmen der Installations- und Elektrobranche mit Sitz in Bern gegründet. Die EM Electrocontrol AG führt keine Installationen aus, sondern ist vielmehr unabhängiger Experte. Das Tätigkeitsgebiet des Unternehmens erstreckt sich über die ganze Schweiz.
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