Umnutzung von Schloss Burgdorf

| So, 06. Jan. 2013

BURGDORF: Der ursprünglich beabsichtigte Verkauf des Schlosses Burgdorf konnte erfolgreich verhindert werden. Die ehemals auf Ende 2012 erhoffte Finanzierung der nun geplanten Bauarbeiten soll bis Mitte 2013 zustande kommen. red

 

Jahrelang haben sich die Stadtbehörde von Burgdorf und verschiedene in diesem Kulturdenkmal beheimatete Institutionen vehement gegen den ursprünglich geplanten Verkauf des Schlosses Burgdorf an Dritte (Private oder Institutionen) gewehrt, als der Kanton Bern wegen der knappen Finanzen seine Schlösser «versilbert» hat. Die Proteste haben Erfolg gehabt, die aus dem 11. Jahrhundert stammende Hochadelsburg der Hohenstaufen bleibt der Bevölkerung erhalten.

 

Sechs Monate länger

Im Sommer 2012 hat Burgdorfs Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch noch gehofft, bis Ende letzten Jahres die nötigen Gelder in Höhe von 14,4 Mio. Franken zusammenbringen zu können. «Auch nach dem jetzigen Stand der Bauplanung rechnen wir noch immer mit den gleichen Investitionskosten wie früher», hält sie fest. Einiges ist auf gutem Weg, anderes erweist sich aufgrund der eher abflauenden Wirtschaftslage schwieriger als angenommen.

So haben die Verantwortlichen dem Lotteriefonds des Kantons Bern vor einiger Zeit ein Unterstützungsgesuch gestellt. Seitens der Stadt hofft man auf einen Beitrag aus dem Lotteriefonds in Höhe von mindestens 40 Prozent der Investitionskosten. «Die Beratung dieses Geschäftes im Grossen Rat kann erfolgen, sobald der Kostenvoranschlag BKP dreistellig vorliegt.» Dies dürfte in der zweiten Jahreshälfte 2013 der Fall sein.

Gleichzeitig mit dem Gesuch an den Lotteriefonds ist ein Gesuch für ein Infrastruktur-Darlehen im Rahmen des kantonalen Umsetzungsprogrammes NRP (Neue Regionalpolitik des Bundes) im Betrag von drei Millionen Franken gestellt worden. Es handelt sich um ein zinsloses Darlehen, das nach 25 Jahren zurückzuzahlen ist. Laut Zäch zeigen die vorhandenen Businesspläne für den Schlossbetrieb, dass diese Amortisation möglich sein wird.

 

Schwierige Sponsorensuche

Elisabeth Zäch weist darauf hin, dass «angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage auch in unserer Region die Suche nach Sponsoren als anspruchsvoll» bezeichnet werden muss. Sie verweist auf Erfolge, aber nicht in dem Umfang, wie sie es bis Ende 2012 erwartet hat. Zäch versichert, die Anstrengungen fortzusetzen, und hofft nun, bis spätestens Mitte 2013 sowohl über den Beitrag des Lotteriefonds als auch das NRP-Darlehen sowie über die weiteren finanziellen Zusicherungen zu verfügen.

Hier kommt die Bevölkerung ins Spiel. Laut Zäch ist es für die Initiatoren «ein wichtiges Anliegen, auch der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, sich mit wahrscheinlich bescheidenen Beiträgen an der Finanzierung dieses Projektes zu beteiligen». Die Bevölkerung ist aufgerufen, mit Ideen und Ratschlägen diesem Sponsoring zum Erfolg zu verhelfen.

Für potenzielle Sponsoren ist eine Broschüre herausgegeben worden, in der sich jeder über das Projekt, seine Ziele, die Sponsoring-Möglichkeiten sowie die Gegenleistungen informieren kann.

 

Passende Trägerschaft

Bereits 2011 haben Vertreter der Stadt Burgdorf und des Kantons Bern
(Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion, BVE) – Letzterer als Eigentümer des Schlosses – unter Federführung des ortsansässigen Notars Klaus Bürgi nach der richtigen Trägerschaft für den zukünftigen Betrieb auf dem Schloss gesucht. Gemeinsam ist man übereingekommen, eine «Stiftung Schloss Burgdorf» zu gründen, die nach gesicherter Finanzierung des Schlossumbaus dieses Kulturdenkmal vom Kanton Bern im Baurecht übernehmen soll.

Der Stiftungszweck ist bewusst sehr allgemein formuliert worden: «Die Stiftung bezweckt, das Schloss Burgdorf als schützenswertes Kulturgut von nationaler Bedeutung für zukünftige Generationen zu erhalten und der Nutzung durch die Öffentlichkeit und Private zugänglich zu machen.» Damit soll die ganzjährige Öffnung des Schlosses für die Bevölkerung gesichert sein.

 

9000 Übernachtungen

Die Belebung des Schlosses soll wie folgt aussehen: eine Jugendherberge mit rund 120 Betten, ein Gastronomiebetrieb mit 190 Plätzen innen und 56 Plätzen im Schlosshof, ein Schlossmuseum mit den drei Teilsammlungen Historisches Museum, Goldmuseum und Völkerkunde-Museum inklusive Museums-Pädagogik. Weiter sollen Seminare und Events durchgeführt werden und ein Trauungslokal zur Verfügung stehen.

Als die zwei Hauptnutzer vorgesehen sind die Schweizer Jugendherbergen und das Schlossmuseum, die bereits heute organisatorisch in der Interessengemeinschaft Kulturschloss zusammengefasst sind. Seitens der Schweizer Jugendherbergen rechnen die Verantwortlichen in Burgdorf mit etwa 9000 Logiernächten. «Diese werden voraussichtlich nicht nur die Altstadt beleben, sondern auch zu deren wirtschaftlicher Verbesserung beitragen», ist die Stadtpräsidentin überzeugt.

 

Nachholbedarf

Da bisher keine präzise Planaufnahme des Burgdorfer Schlosses existiert, erarbeitet das Burgdorfer Architekturbüro Atelier G+S diese Unterlagen. Auf der Basis dieser Planaufnahme wird bis Mitte März 2013 ein genauer Kostenvoranschlag (BKP dreistellig) erstellt, dessen nicht geringe Kosten die BVE übernimmt.

Die Raumaufteilung im Schloss zwischen den einzelnen Nutzern ist bereits erfolgt. Desgleichen hat man sich darauf einigen können, welche Schloss-räume von den Nutzern gemeinsam in Anspruch genommen werden dürfen.

 

Gerti Binz

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