Drei begeisternde Konzerte des Ad-hoc-Gospelchors Emmental
29.04.2013 Aktuell, Rüegsau, Region, KulturLange vor der Türöffnung stehteine lange Schlange von Besuchern vor der Kirche Rüegsau. Gedämpft hören sie den Chor beim Einsingen, leise klingt die Band durch die dicken Mauern der altehrwürdigen Kirche. Die Tore öffnen sich, dieMenge strömt hinein, Gemurmel setzt ein, gespannte Vorfreude herrscht.
Der 80-köpfige Chor stellt sich auf, schwarz gekleidet, mit einem bunten Halstuch: ein eindrucksvolles Bild. Mucksmäuschenstill wird es.
Ein perlendes Piano-Intro eröffnet das Konzert. «You make me sing», klingt es dann aus vollen Kehlen. Die Menschen sind von der Kraft
der Stimmen berührt, von der Kompaktheit des Chors, vom Strahlen in den Augen der Sängerinnen und Sänger.
Zum 14. Mal hat sich der Gospelchor Emmental Anfang Jahr zusammengefunden. Unter der Leitung der Rüegsauer Pfarrerin Regula Knuchel wurde intensiv geprobt und das Konzert mit 13 Songs vorbereitet.
«People get ready, macht euch bereit», ruft der Chor den Anwesenden zu für den Zug Richtung Paradies. Es braucht kein Gepäck, keine Fahrkarte: «Just get on board!»
«Okaana ka meme», «Baba Yetu»: Afrikanische Lieder gehören immer zu einem Konzert des Emmentaler Gospelchors – bilden mit den klingenden Sprachen Oshiwango oder Suaheli einen besonderen Akzent. Weiter gehts rockig, groovig und rollend: Gospel pur, voll Freude und Power!
Vor der Reformation gab es in Rüegsau ein Kloster – die Kirche zeugt noch davon. Ist die Zeit in der Renaissance stehen geblieben? A cappella singt der Chor die Motette «Ecce quomodo moritur», eine Komposition von Jacob Handl (1550 bis 1591) – und dann die Überraschung: Aus dem feierlichen, vierstimmigen Schlussakkord erklingt ein schwebender Orgelton, der Chor setzt ein, das Schlagzeug, der Solist: «Will You Be There» – ein bekannter Song von Michael Jackson.
«Hallelujah» – mit einer eindringlichen Zugabe geht ein wunderbares Konzert zu Ende. Verdienter Lohn für den engagierten Chor und die Band, für die Leiterin sowie die Solisten Manuela Käser und Jan Christen sind Standing Ovations und langer Applaus.
Werner Eichenberger

