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«Blind sehen» – eine spannende Maturaarbeit

| Mo, 29. Jul. 2013

HEIMISWIL: Im Rahmen ihrer Maturaarbeit hat Viviane Schneider über 60 Schüler/innen der 4. bis 9. Klasse in Heimiswil das Thema «blind sehen» in Form eines Projektmorgens näher gebracht. Ein Postenlauf half bei der Annäherung an das Thema. red

Im Rahmen ihrer Maturaarbeit hat Viviane Schneider über 60 Schüler/innen der 4. bis 9. Klasse in Heimiswil das Thema «Blind sehen» in Form eines Projektmorgens nähergebracht.

Im Vorfeld des Projektmorgens sind die Schüler/innen mit einem Film in das Leben von blinden Menschen eingetaucht. Sie lernten viele verschiedene Sehbehinderungen kennen, sodass am Projektmorgen bereits eine Basis an Wissen vorhanden war.

Ein spannender Projektmorgen
Voller Erwartung sitzen die Schüler mit ihren Lehrern im grossen Gemeinschaftsraum der Schule Heimiswil und lauschen gespannt dem blinden Gast, Jolanda Gehri, die mit Hund Hekla den Projektmorgen einleitet. Mit Witz erzählt die beeindruckende Frau, die seit Geburt vollständig blind ist, aus ihrem Leben. Die Schüler kleben an ihren Lippen und dürfen ihr Fragen stellen, die sie bereitwillig beantwortet: «Wissen Sie, welche Kleider Sie heute tragen?», wird beispielsweise gefragt. «Ja sicher, findest du, es passt?», lautet die schlagfertige Antwort. Doch Jolanda Gehri erzählt auch von den Schwierigkeiten, die ihr tagtäglich begegnen, wie zum Beispiel das Kochen. Alles muss in der Küche immer am gewohnten Platz sein, sonst ist die Suppe gesüsst und nicht gesalzen. Dies ist eher ein banales Beispiel, so würde sie niemals Geld an Automaten auf der Strasse beziehen. Das Risiko, beobachtet und anschliessend bestohlen zu werden, ohne es selber zu merken, wäre zu gross. Jolanda Gehri bringt deutlich zum Ausdruck, dass blinde Personen nicht anders sind als die Sehenden und sie sich wünschen, auch dementsprechend behandelt zu werden, und dass man auf blinde Menschen zugehen sollte. Hier ist Integration in einem anderen Zusammenhang gefragt, anders als bei den allseits bekannten Themen.

Integration als Hauptthema
Die Schüler auf die Integration von Sehbehinderten zu sensibilisieren, ist ein Hauptthema der Maturaarbeit von Viviane Schneider. Der Projektmorgen wurde in verschiedene Posten ge­gliedert, die von Kolleginnen von Viviane Schneider betreut wurden. Bei Posten eins durften die Teilnehmer den sogenannten Hilfsmittel-Koffer des Schweizerischen Zentralvereins für das Blindenwesen SZB erkunden. Viele verschiedene Dinge konnten bestaunt und ausprobiert werden. So gab es zum Beispiel eine sprechende Uhr, die auf Druck reagierte und die momentane Uhrzeit wiedergab, oder ein «Eile mit Weile», das speziell für sehbehinderte Menschen geschaffen wurde. Weiter lernten die Schüler bei Posten eins mit Hilfe von Jolanda Gehri die Blindenschrift kennen. Bei Posten zwei mussten sie einen Parcours blind mit Hilfe eines anderen Schülers durchlaufen. Ziel dieses Postens war, das gegenseitige Vertrauen zu finden, den Orientierungssinn zu trainieren und natürlich das eigentliche Erlebnis des Blindseins. Zum Schluss des Postens schrieb jede Schülerin und jeder Schüler blind einen Brief und die dazugehörige Adresse. Die Briefe wurden später via Post verschickt. Bei Posten drei lernten die Schüler verschiedene Sehbehinderungen kennen, die durch Verwendung von Hilfsmitteln, wie zum Beispiel einer Brille, simuliert werden konnten. Durch diese Brillen konnten die Teilnehmer eine Sehbehinderung am eigenen Leib erfahren. Mit den verschiedenen Brillen wurde gemeinsam Sitzball gespielt. Zum Schluss wurde das Erlebte diskutiert und man nahm Bezug auf das Thema Integration. Nach dem Absolvieren der einzelnen Posten konnten alle Schüler gemeinsam die Erfahrung machen, blind zu essen und zu trinken. Sie erlebten, wie stark der Geschmack von der visuellen Wahrnehmung abhängt. Viele hatten Mühe, das Gegessene auch nur einigermassen zu erkennen.

Interessante Fallbeispiele zum Abschluss
Nach dem erfolgreichen Projektmorgen mit der Schule Heimiswil war Viviane Schneider zu einem letzten Besuch bei den Klassen, um über das Erlebte zu diskutieren und das Ganze noch einmal zu reflektieren. Gemeinsam wurden Fotos vom Projektmorgen angeschaut und Fallbeispiele besprochen, wie zum Beispiel: «Was würdest du tun, wenn du als Florist im Blumenladen Heimiswil arbeitetest und ein sehbehinderter Mann Blumen für seine Frau kaufen möchte und dich nach dem Sortiment fragte?». Anschliessend zeigten sich die Schüler ihre Briefe, die sie am Projektmorgen blind verfasst hatten, zumindest jene, die auf Grund der Lesbarkeit der Adresse überhaupt angekommen waren.

Zum Schluss bedankte sich Viviane Schneider bei den Schülerinnen und Schülern für ihren tollen Einsatz und ihr grosses Interesse sowie der Lehrerschaft der Schule Heimiswil, den Helferinnen und der blinden Jolanda Gehri, die alle an ihrem Projekt aktiv mitwirkten.

zvg

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