Lehrer und Lehrmeister am «runden Tisch»
28.10.2013 Aktuell, Wynigen, Bildung / Schule
Die Lehrkräfte der Wyniger Oberstufe legen sich mächtig ins Zeug, um ihren Schulabgängern möglichst optimale Voraussetzungen zu verschaffen, damit sie bei der Lehrstellensuche erfolgreich sind. Nachdem vor zwei Jahren die Eltern und letztes Jahr ehemalige Lernende mittels elektronischem Fragebogen über die Qualität der Wyniger Schule befragt wurden, entschied das Lehrerteam, direkt mit Lehrmeisterinnen und Lehrmeistern ins Gespräch zu kommen.
Schulleiter Fritz Stalder verlieh seiner Freude Ausdruck, dass Vertreter/innen aus neun Lehrbetrieben, welche schon Schüler/innen von Wynigen ausgebildet haben oder noch ausbilden, sich die Zeit nahmen, um sich mit Lehrkräften und Mitgliedern der Bildungskommission zum Meinungsaustausch zu treffen. In der Runde standen verschiedene Punkte zur Diskussion, etwa: Sind die Lehrlinge / Lehrtöchter selbständig, interessiert, aufmerksam, exakt, pünktlich und zuverlässig? Stellen die Lehrpersonen schulische Defizite in einzelnen Fächern oder spezielle Lücken in der Berufswahlvorbereitung fest, auf die mehr geachtet werden sollte? Gibt es spezielle Aspekte, welche die Schule generell verbessern könnten?
Interessante Fragen, die auch eine interessante Diskussion zur Folge hatten. Dass die Umstellung vom Schulalltag ins Berufsleben schon immer wie ein Sprung ins kalte Wasser war und immer bleiben wird, wird wohl niemand bestreiten. Jene Ausbildner, die sich auch als Fachlehrer an Berufsschulen betätigen, stellen fest, dass sich schulische Defizite vor allem in den Fächern Deutsch und Mathematik zeigen. Der in der Schriftsprache gang und gäbe gewordene SMS-Schreibstil in Dialektform trägt dazu bei, dass es den Jugendlichen schwerfällt, Mitteilungen in korrekter, verständlicher Form zu Papier zu bringen. In Mathematik wird das Defizit am allgemeinen Zahlenverständnis zum grossen Teil dem Gebrauch des Taschenrechners zugeschrieben, zum andern dem Streichen von immer mehr Lektionen, die den Kindern die notwendige Übungszeit ermöglichen würden. Das trifft vor allem die lernschwächeren Schüler/innen.
Optimaler Zeitpunkt zum Schnuppern
Äusserst aktuell ist das Thema Berufswahl – inklusive Schnupperlehren – bei den Achtklässlern. Die Lehrmeis-ter/innen sind sich einig, dass dies der optimale Zeitpunkt ist. Die meis-ten schätzen es, wenn die Schüler/innen eine ganze Woche schnuppern kommen, denn die Schnupperlehren gewichten bis zu 80% beim Entscheid für oder gegen eine Lehrstelle.
Ganz deutlich kam zum Ausdruck, dass auch heute noch Pünktlichkeit, Anstand und Höflichkeit, ein sympathisches Erscheinungsbild ausschlaggebend sein können für den Erhalt einer Lehrstelle. Diese Faktoren sollten auf keinen Fall unterschätzt werden. Anhand des Zeugnisses könne lediglich festgestellt werden, ob der Bewerber oder die Bewerberin den Anforderungen für diesen Beruf schulisch gewachsen sei. Lehrbetriebe wünschen, dass nicht die Eltern, sondern die Schüler selbst sich um Schnuppermöglichkeiten bemühen. Später, wenn es um die Bewerbung geht, haben Lehrmeister/innen klare Vorstellungen. Das Dossier muss vor allem echt sein, das heisst, vom Bewerber oder der Bewerberin selbst verfasst und nicht von der Mutter oder der Schwester. Ein handgeschriebenes Dokument wird stets positiv bewertet.
Die Schulvertreter wie auch die Gäste verliessen den «runden Tisch» bereichert durch den interessanten Meinungsaustausch. Die anwesenden Ausbildner/innen könnten sich sogar vorstellen, die Klassen zu besuchen. Und sicher ist auch, dass weitere solche Treffen stattfinden werden. Das Ziel der Schule Wynigen ist es natürlich, dabei möglichst viele Vertreter der regionalen Lehrbetriebe begrüssen zu können.
Beim anschliessenden Apéro mit feinen, selbstgebackenen Produkten der Achtklässler konnte lebhaft weiterdiskutiert werden.
Rosmarie Stalder

