Wichtiger Meilenstein in luftiger Höhe
23.10.2013 Aktuell, Burgdorf, Gesellschaft
Vor rund drei Jahren haben Hans Ulrich Flückiger, Inhaber der Energietechnikfirma Febacom AG Burgdorf, und Unternehmer Willi Michel, Inhaber Ypsomed AG Burgdorf, im Zusammenhang mit der sich abzeichnenden Energiewende Möglichkeiten alternativer Stromproduktion geprüft. Dies nicht zuletzt deshalb, weil die Preise für die benötigten Panels in den letzten Jahren stark gesunken sind.
Grosses Potenzial
Flückiger, der das ihm gehörende Kleinwasserkraftwerk in der Schlossmatt mit beträchtlichem finanziellem Aufwand auf den neuesten Stand gebracht hat und auch hier Strom produziert, verfügt als Energiefachmann über fundiertes Wissen bezüglich Energieproduktion mittels Wasser und Sonne. Er kann als Financier und Generalunternehmer den anfangs skeptischen Michel laut dessen eigenen Worten «von der zukunftsträchtigen Idee eines Solarparks auf den Industriebauten in der Buchmatt überzeugen, wo sich knapp 40 Gebäude mit teils beeindruckend grossen Flachdächern (total ca. 70 000 m2) für die Energiegewinnung befinden». Einige Liegenschaftsbesitzer befassen sich bereits mit entsprechenden Projekten.
Vertraglich hat Michel der Anlage-eigentümerin Febacom AG von Flückiger die Dachnutzung zugesichert. Nach lediglich eineinhalb Monaten Bauzeit liefert die auf dem rund ein Drittel Hektar grossen Dach des Ypsomed-Zentrallagers erstellte Fotovoltaikanlage BU 100 seit dem 23. September 2013 Strom ins Burgdorfer Netz, was derzeit für 59 und später für 110 Haushaltungen pro Jahr ausreichen würde. Die prognostizierte Jahresleistung beziffert Flückiger mit 430 000 Kilowattstunden. Rund 800 000 Franken hat die Anlage gekostet, früher wären laut Flückiger «x-Millionen nötig gewesen. Die Anlage ist bereits geprüft und als voll funktionstüchtig abgenommen worden.» 20 Rappen pro ins Burgdorfer Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde wird die Localnet AG voraussichtlich während drei Jahren vergüten.
Stromproduktion auch bei Wolken
Rund 35 geladene Gäste aus Wirtschaft und Politik besichtigen anlässlich des Einweihungs-Apéros die «dachdeckende» Solaranlage, wobei laut Michel «auch der Liftanbau mit Kollektoren bestückt worden ist. Insgesamt wurden 2800 m2 Sonnenkollektoren montiert.»
Obgleich der Himmel wolkenverhangen ist, produzieren die nach Ost-West ausgerichteten Kollektoren gemäss den insgesamt acht Wechselrichtern ca. 20 Kilowatt Strom. «Entgegen der Faustregel, Kollektoren prinzipiell nach Süden auszurichten, haben wir uns bewusst für eine Ost-West-Variante entschieden, was zu einer verlängerten Stromgewinnung führt», erläutert Michel.
«Der Sonneneinfall beginnt früher, über Mittag sind 90 Prozent der Kollektoren aktiv, und gegen Abend nehmen die nach Westen ausgerichteten Elemente die Restsonne auf. Daher konnten wir die Anlage wesentlich dichter verlegen und haben gegenüber der herkömmlichen Südausrichtung rund ein Drittel Fläche gewonnen.»
Heftige Windböen fegen über die Solaranlage: «Kein Grund zur Sorge, sie hält mindestens Windstärken bis 160 Stundenkilometer aus», beruhigt Michel. Aus Burgdorf haben folgende Unternehmen an der Pionieranlage mit 1708 Modulen mitgearbeitet: Bering AG, Resiq AG, Pauli Elektro AG, Localnet AG, Dachdeckerarbeiten Aeschlimann AG.
Herausforderungen bewältigen
Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch gratuliert Flückiger und Michel zu ihrer Pionieranlage und bekräftigt, dass «unsere Gesellschaft vor gewaltigen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Energiewende steht». Entsprechend sei der Solarpark BE 100 ein Schritt in die richtige Richtung: «Die Zukunft gehört der erneuerbaren Energie, niemand will AKWs und deren Müll. Die nun ans Netz genommene Anlage ist ein wichtiges Signal für andere Firmen. Mehrere Projekte sind in Planung bzw. vor der Realisation.» Elisabeth Zäch wertet den Solarpark als «schönes Zeichen für das Image von Burgdorf, der Stadt, die sich bekanntlich als Energie-Pionierin positioniert hat». Zäch versichert, dass die Stadtverwaltung alle Bestrebungen, in der Buchmatt auf den dortigen Flachdächern einen Solarpark zu realisieren, vollumfänglich unterstützen werde. Die Anwesenden fordert sie auf, die von Flückiger und Michel ausgehenden Impulse aufzunehmen und umzusetzen. Beiden spricht sie unter Applaus der Anwesenden Dank und Anerkennung aus.
Gerti Binz

