Kunst soll ehrlich sein

  21.02.2014 Aktuell, Burgdorf, Kultur

 

«Wenn man’s kann, ist’s keine Kunst, wenn man’s nicht kann, ist’s auch keine Kunst.» Ein treffender Spruch. Er ist bei Ruth Wirth daheim an einer Zimmertüre angebracht. Neben Hausarbeiten beschäftigt sich die gelernte Kauffrau seit längerem mit bildnerischem Gestalten. Nun sind Werke ihres Schaffens in der Praxis 15 an der Bahnhofstrasse ausgestellt.

Nach einer Idee des Ärzteteams der Gemeinschaftspraxis 15 werden hier zweimal jährlich Bilder von Künstlern einem breiteren Publikum vorgestellt. Die aktuelle Ausstellung ist bereits die vierte ihrer Art. Empfangsraum und Wartzimmer der Arztpraxis erscheinen in künstlerischer Atmosphäre und bieten den Patienten Zeitvertreib, vielleicht gar Ablenkung von ihren Sorgen und Ängsten, vor allem auch Möglichkeit zu Betrachtungen und Interpretationen. Besucher ohne Arzttermin sind während den Bürozeiten ebenso willkommen. Die Bilder sind käuflich, vor Ort liegt eine Preisliste auf.

Ruth Wirth ist in Burgdorf aufgewachsen, war über 40 Jahre in Ostermundigen wohnhaft und ist seit 2003 wieder zurück.

Sie habe sich schon immer für bildnerisches Schaffen interessiert, sich aber stets wenig zugetraut, erklärt sie. Zu ihrem 60. Geburtstag erhielt sie von ihren Angehörigen einen Malkurs in der Toskana geschenkt. Nach schüchternen Erstversuchen habe sie – auch unter kundiger Anleitung – Selbstvertrauen gewonnen und widmet sich nun vor allem Collagen und Mischtechnik. Dazu ist Handgeschick neben Ideenreichtum und Spürsinn gefragt. Mit Kleistergrund, Spachteln, Einbezug von bereits bedruckten Unterlagen und Farbe entstehen so Bilder, die sowohl gegenständlich wie auch abstrakt sein können. Als Mitglied in der Kufo, dem Kunstforum Ostermundigen, bietet sich ihr immer wieder Gelegenheit zu Anregungen unter Gleichgesinnten.

Ruth Wirth möchte mit ihrem Schaffen den Betrachter motivieren, nicht provozieren, wie sie betont. Abstrakte Malerei sei besonders anspruchsvoll, dies vielleicht entgegen landläufiger Meinung. Es gelte, Sinn für Farbe und Formen zu entwickeln, sorgsam zu gewichten, den Gesamteindruck im Auge zu behalten und sogar das Nichtgemalte einzubeziehen. Zufälliges hat auch Platz. Ruth Wirth wünscht sich, «dass die Kunst ehrlich ist, für den Betrachter lesbar bleibt und ihm viel Interpretationsspielraum lässt». So hat Goethe in seinen Äusserungen über Kunst mal geschrieben: Den Gehalt findet nur der, welcher etwas dazu zu tun hat.

Otto Hofer

Die Ausstellung dauert noch bis Ende April 2014, Praxis 15, Bahnhofstrasse 15, 3400 Burgdorf, 8.00–12.00 Uhr / 14.00–17.00 Uhr,  ohne Donnerstag und Wochenenden, Tel. 034 422 39 64.

 


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