Schweizer Interclub-Meisterschaften im Rollstuhl-Tennis
19.02.2014 Aktuell, Sport, Region, Burgdorf, GesellschaftBereits sind sie Geschichte, die Schweizer Interclub-Meisterschaften im Rollstuhl-Tennis vom 14. bis 16. Februar 2014. «Die guten Erfahrungen und die positiven Rückmeldungen nach der zweiten Austragung der SIM haben uns darin bestärkt, diesen Anlass ein weiteres Mal zu organisieren. Wir wollen den eingeschlagenen Weg, in Burgdorf den Rollstuhl-Tennissport aktiv zu fördern, fortsetzen», liess Jürg Lutz, Präsident des Organisationskomitees, im Vorfeld der Spiele wissen.
Am Ende des zweiten Spieltages herrscht gute Stimmung im Restaurant Treff in der Tennishalle Burgdorf. Die Spieler sitzen beieinander, plaudern, analysieren den Spielverlauf. Um 19.15 Uhr findet die offizielle Spielerversammlung statt. Danach ist das Gala-Diner angesagt: ein Vier-Gang-Menü für die Sportler und ihre Angehörigen. «Meine Frau wird anwesend sein», lässt der Utzenstorfer Matthias Hürlimann wissen. Auf den Tag genau vor vier Jahren ist es passiert: Zu Skiferienbeginn verunfallt Hürlimann im Funpark in Hasliberg. Seither sitzt er im Rollstuhl. «Den Rollstuhl-Tennissport habe ich einige Monate vor meinem Unfall kennengelernt. Ich spielte damals bereits Tennis. Seit dem Unfall trainiere ich zweimal pro Woche eine Doppelstunde: am Montag in Solothurn, am Donnerstag in der Tennishalle Burgdorf», so der für den Rollstuhl-Tennisclub Solothurn aktive Hürlimann. Auf die Frage, ob er gut in die Spiele in Burgdorf gestartet sei, antwortet Matthias Hürlimann freudestrahlend: «Ich habe es in den B-Final geschafft!»
Im Davis-Cup-System
Am Sonntagmorgen traf Matthias Hürlimann in seinem Einzel auf Stefan Both, Kanton Zug, spielend für den RTCA Youngsters+, den Rollstuhl-Tennisclub Aarau. Leider verlor der Lokalmatador in zwei Sätzen mit 2:6 und 5:7. Sein Trainings- und Teamkollege Jean-Bernard Veuthey, wohnhaft in Neuchâtel, musste gleichzeitig gegen die ausgezeichnet spielende Karin Suter-Erath antreten. Veuthey hatte gegen die ehemalige Olympiateilnehmerin keine Chance und wurde ebenfalls in zwei Sätzen bezwungen. Am Nachmittag erfolgte das B-Final-Spiel im Doppel. Hürlimann und sein Partner Veuthey gingen als Sieger vom Platz und sind nun Vize-Schweizermeister in der zweithöchsten Kategorie. – Zwölf Teams mit insgesamt 30 Spielern nahmen an den Schweizer Interclub-Meisterschaften 2014 in Burgdorf teil. In der höchsten Kategorie A waren es vier Teams, in Kat. B fünf und in Kat. C drei.
Exaktes Timing
Auf die Frage, welche Herausforderung besonders gross gewesen sei, vom normalen Tennis zum Rollstuhl-Tennis zu wechseln, liess Matthias Hürlimann wissen, dass es das Fahren mit dem Rollstuhl sei. Der Anfänger stehe nach seinem Schlag mit dem Racket still, anstatt mit dem Stuhl fortlaufend in der Rollbewegung zu bleiben. Das exakte Timing sei äusserst anspruchsvoll. Den Rollstuhl an die richtige Stelle zu fahren, das sei viel schwieriger, als den Körper mit Schritten zu steuern. – Übrigens: Im Rollstuhl-Tennis mitspielen kann, wer das ordentliche Tennis nicht mehr ausführen kann. Hürlimanns Teamkollege Veuthey stieg nach seinem Einzel aus dem Rollstuhl aus und holte sich zu Fuss ein Wasser. Er sei beinamputiert und gegenüber Paraplegikern im Rollstuhl-Tennis klar bevorteilt, war zu vernehmen. Trotzdem hat es ihm im Final-Einzel gegen Karin Suter-Erath nicht zum Sieg gereicht.
Barbara Schwarzwald

