Elizabeth Neuenschwander gab sich in der Mezwan die Ehre
27.03.2014 Aktuell, Oberburg, KulturAnlässlich eines Benefizanlasses für das Hilfswerk und die Stiftung von zwei grossen Emmentaler Persönlichkeiten unter dem Motto: «Wurzeln in Schangnau» würdigte das Trio Ämmegrien in der Mezwan Oberburg das Wirken von Elizabeth Neuenschwander und Hans Ulrich Schwaar.
Einsatz für Hilflose in Krisen- und Kriegsgebieten
«Man suchte Frauen, um zu helfen, also sagte ich zu und ging.» Für Elizabeth Neuenschwander war der Einsatz für Hilflose in Krisen- und Kriegsgebieten Afrikas und Asiens selbstverständlich. In ihrem Vortrag in Oberburg erzählte die in Schangnau aufgewachsene Entwicklungshelferin von ihrer Arbeit in Ländern wie Pakistan und Afghanistan. Die gelernte Damenschneiderin lehrte dort rund 7200 Frauen das Nähen, Lesen und Schreiben.
Seit ihrer Pensionierung wohnt die heute 84-Jährige in Bern und leitet von dort aus eigene Entwicklungsprojekte in Afghanistan und Pakistan: eine Schule für weit über tausend Mädchen und Buben, Nähkurse für Männer und junge Frauen sowie Unterricht in Gesundheitspflege, Lesen und Schreiben.
Trio-Ämmegrien-Leiter Hans Schmidiger betonte, Elizabeth Neuenschwanders Arbeit könne angesichts der zahlreichen Asylsuchenden in Westeuropa als wegweisend gelten. Er unterstrich dies mit einem Zitat des französischen Philosophen Denis Diderot: «Es wäre besser, an der Verhütung des Elends zu arbeiten, als die Zufluchtsplätze für die Elenden zu vermehren.»
Die Politik könne von Elizabeth Neuenschwander viel lernen, sagte die Oberburger Gemeindepräsidentin Rita Sampogna: «Bescheidenheit, offen sein gegenüber fremden Kulturen, sich für andere einsetzen, von anderen lernen, hartnäckig ein Ziel verfolgen und trotzdem das nötige Fingerspitzengefühl entwickeln.»
Kunst auf dem Land
«Ich habe Freude, wenn ich mit guten Bildern, guter Kunst leben kann; ich will nicht nur an einer Ausstellung Kunstwerke sehen.» Monika Keller als Vertreterin der Stiftung Schwaar stellte dieses Zitat des kürzlich in Finnland verstorbenen Hans Ulrich Schwaar an den Anfang ihres Referats. Aus dieser Erkenntnis heraus habe Hans Ulrich Schwaar schon in jungen Jahren mit dem Sammeln von Kunstwerken begonnen. Im Jahr 1985 entschloss er sich, seine Kunstschätze öffentlich zugänglich zu machen, und errichtete eine Stiftung mit Sitz in Langnau. Das Stiftungsgut umfasst heute über 2500 Werke von Künstlern des 20. Jahrhunderts.
Der Zweck der Stiftung ist, die Kunstwerke möglichst oft der Bevölkerung auf dem Lande zu zeigen. Mit regelmässigen Ausstellungen kam der Stiftungsrat dieser Bestimmung von Anfang an nach. Zurzeit ist er daran, ein Ausleihprojekt zu verwirklichen. Die Kunstwerke der Stiftung Schwaar sollen künftig nicht nur ausgestellt, sondern gegen eine Gebühr an Interessierte ausgeliehen werden können. «Wenn der Kunstschatz dem Emmental erhalten bleiben soll, braucht die Stiftung Geld», fasste Monika Keller zusammen. Um zu überleben, sei die Stiftung auf Spenden angewiesen.
Der Schangnauer Gemeindepräsident Ueli Gfeller (SVP) äusserte sich am Schluss der Veranstaltung sehr zufrieden. Man habe heute Nachmittag vieles erlebt: Lehrreiches, Nachdenkliches, Fröhliches und Lustiges, wie zum Beispiel die musikalischen Vorträge und Mundartlesungen des Trios Ämmegrien. «Alles in allem ein sehr gelungener und eindrücklicher Anlass.»

