Stimmen die hohen Verwaltungskosten?

  31.03.2014 Aktuell, Politik, Burgdorf, Gesellschaft

Burgdorf spart und die Parteivertreter von BDP, CVP, EDU, FDP, GLP und SVP schauen der Verwaltung ganz genau auf die Finger, respektive die ausgewiesenen Zahlen bei den Verwaltungskosten pro Einwohner.
Diese sind gemäss den Angaben der kantonalen Finanzstatistik «auffällig hoch» (Fr. 861.65). Langenthal weist nur halb so hohe Kosten (Fr. 422.46) aus.

Daher gelangen die Interpellanten am 16. Dezember 2013 mit folgenden Fragen an den Gemeinderat: Wie erklärt sich dieser die hohen Kosten? Wie ist der Kostensprung 2005/06 (mehr als eine Verdreifachung) zu erklären? Besteht ein direkter Zusammenhang mit der Einführung von NPM (New Public Management)? Falls die Werte als nicht vergleichbar taxiert werden: mit welchen Massnahmen kann ein Vergleich ermöglicht werden? Wo sieht der Gemeinderat mögliche Massnahmen, um diese Kosten auf ein kantonales Mittel zu senken?

Mit grosser Vorsicht interpretieren
In seiner Antwort verweist der Gemeinderat auf die publizierten Zahlen von Bern (minus Fr. 1.88), Biel (Fr. 1496.68) sowie Thun (Fr. 303.89), wobei diese Städte zusammen mit Burgdorf und Langenthal eine «riesige Bandbreite aufweisen, weshalb die Statistik mit grosser Vorsicht zu interpretieren ist». Diese funktionale Statistik werde in Burgdorf und anderen grossen Gemeinden nicht eingesetzt, weil «die Datenbasis ungenau ist und zuverlässige Vergleiche erschwert». Der Gemeinderat bestätigt, dass sich die Statistikzahlen für Burgdorf 2006 dras­tisch verändert haben, zeitgleich mit der Einführung von NPM. Doch das sei erklärbar, da die Finanzdirektion seit der Einführung von NPM dem Kanton völlig anders kalkulierte Zahlenangaben übermittelt habe als bis dahin. In der Burgdorfer Stadtverwaltung werde nicht mit den gleichen statistischen Vorgaben wie beim Kanton gearbeitet, weshalb die Verfälschung bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht bemerkt und auch nicht korrigiert worden sei. «Zudem muss berücksichtigt werden, dass Burgdorf eine der wenigen Gemeinden im Kanton Bern ist, die eine vollumfängliche Kostenrechnung einsetzt», so der Gemeinderat in seiner Antwort von gestern Abend im Stadtrat.
 
Neu nachgerechnet
Nachdem die Burgdorfer Finanzdirektion die Entwicklung des Nettoaufwandes pro Einwohner für die Verwaltung neu nachberechnet hat, können diese Zahlen der Jahre 2003 bis 2013 mit anderen Gemeinden direkt ver­glichen werden. Nun zeigt sich ein völlig anderes Bild: Die Kosten belaufen sich für 2003 auf Fr. 229.47, für 2004 auf Fr. 223.55, für 2009 auf 229.34, für 2011 auf Fr. 257.19 und für 2013 auf Fr. 248.76. Über elf Jahre ist der Nettoaufwand nominal um 8,4 Prozent gestiegen, und das bei einer Teuerung von 7,5 Prozent. Als wichtigsten in der Interpellation angesprochenen Vergleich bezeichnet der Gemeinderat denjenigen mit dem kantonalen Durchschnitt. 2012 weist die Statistik dafür Fr. 423.– pro Einwohner aus. Was den Gemeinderat zur erfreulichen Feststellung veranlasst: «Somit liegt Burgdorf mit Fr. 252.49 nicht deutlich über, sondern im Gegenteil deutlich unter dem kantonalen Mittelwert.»

Aufgrund weiterer publizierter Zahlen kommt der Gemeinderat zur Schlussfolgerung, dass «die Stadt Burgdorf über eine günstige und zugleich auch leistungsfähige Verwaltung verfügt». Das sei kein Zufall, sondern das Ergebnis der tiefgreifenden NPM-Reformen mit nachhaltigen Verbesserungen ab 2006 bis heute.

Gerti Binz


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