Bäckerei Aeschbacher schliesst auf Ende Juni 2014

  31.05.2014 Aktuell, Rüegsau, Gesellschaft

Während mehr als 40 Jahren führten Hanspeter und Elisabeth Aeschbacher in Rüegsau, vis-à-vis des Gasthofs Bären, die Bäckerei mit Verkaufsladen. Auch wenn ihnen das Loslassen nicht ganz leicht fällt, sind sie überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt da ist, das Geschäft zu schliessen. Trat Hanspeter einst in die Fussstapfen seines Vaters, ist ihm seit Langem klar, dass es für das Geschäft keine familieninterne Nachfolgeregelung gibt. Die beiden Söhne haben beruflich andere Wege eingeschlagen. Nach einem Nachfolger für ihre Bäckerei haben Aeschbachers auch gar nicht erst gesucht, einerseits weil das Haus mit der Bäckerei zugleich ihr Wohnhaus ist und andererseits weil sich die Strukturen im Dorf stark verändert haben. «In Rüegsau wurden in den letzten Jahren Post und Schule geschlossen und wir sind als letztes von einst sieben Verkaufsgeschäften übrig geblieben», erzählt der nun bald in den Ruhestand tretende Bäcker.

Wie alles begann...
Der Duft von frischem Brot war von Geburt an Hanspeter Aeschbachers Element. Er ist in der Bäckerei seiner Eltern in Rüegsau aufgewachsen und bei Eichenberger in Langnau lernte er danach nicht nur das Handwerk als Bäcker und Konditor, sondern gleich auch noch seine zukünftige Frau Elisabeth kennen. Sie arbeitete im selben Geschäft als Ladentochter – beste Voraussetzungen also für ihre nachfolgende, jahrzehntelange Teamarbeit im eigenen Geschäft. Bis 1979 wurde in Rüegsau noch in einem Holzofen gebacken, der heute die Aussenwand des Gebäudes, neben der Eingangstür zum Laden, ziert. Nachdem sie die Backstube mit modernen Geräten ausgestattet hatten, gestalteten Aeschbachers Anfang der Achtzigerjahre auch den Laden neu.

Nähe zur Kundschaft
Anstelle der einst viel begehrten, währschaften Vierpfünder füllten fortan vermehrt kleinere Brote und auch eine Auswahl an Spezialbroten und feinen Züpfen die neuen Regale. Gewandelt hat sich die Vorliebe der Kundschaft auch in Sachen Süssigkeiten – von kalorienreichen Buttercremetorten hin zu Quarktorten und leichteren Köstlichkeiten. «Das Erfüllen von speziellen Kundenwünschen, sei es eine extra grosse Züpfe, eine Torte für einen besonderen Anlass, sternförmige Pastetchen für ein Weihnachts­menü oder was auch immer gewünscht wurde, bereitete mir immer ein besonderes Vergnügen», stellt Hanspeter Aeschbacher rückblickend fest. So wie aus diesen Worten die pure Begeisterung für sein Handwerk klingt, zeugen sie auch von seiner Nähe zur Kundschaft, die eben nicht nur im Laden gepflegt wurde. Persönlich führte er nämlich die Tradition der Hauslieferung weiter, die früher als «auf den Kehr gehen» bezeichnet wurde, und nun, im «Internet-Zeitalter», schon wieder im Trend ist.
Ausgehen und ausschlafen?

«Sicherlich werden wir unsere Tätigkeiten und vor allem die regelmässigen Kontakte mit unseren Kundinnen und Kunden vermissen, uns aber über spontane Begegnungen, wo immer sie auch stattfinden werden, sehr freuen», sagen Elisabeth und Hanspeter Aeschbacher. War das Kapitel ihres gemeinsamen Berufslebens mit «Früh ins Bett – früh aufstehen» überschrieben, sind sie selber nun gespannt, wie sich der sogenannte «Ruhestand» anfühlen wird. Ob das nächste Kapitel wohl «Ausgehen und ausschlafen» heisst?

«Als Erstes freuen wir uns natürlich auf die Ferien und darauf, als Zuschauer bei Triathlon-Wettkämpfen und Marathonläufen unserer Söhne dabei zu sein und fremde Städte erkunden zu können», verraten sie etwas von ihren Plänen. Mit Vergnügen, so sagen sie, würden sie ganz bestimmt und bewusst auch Abende im Freundeskreis oder schlicht einen Fernsehabend – natürlich jetzt dann bis zum Ende des Films – zu Hause geniessen.

Elisabeth Pfäffli-Feldmann


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