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Ein Volksfest auf dem Mühle-Areal

| Mi, 04. Jun. 2014

RÜEGSBACH: Am schweizerischen Mühlentag 2014 stellten sich Katja Stalder, neue Geschäftsführerin der Mühle Kleeb AG, und ihr Ehemann Urs Stalder vor. Zusammen mit der gesamten Kleeb-Belegschaft führte sie durch die Räume des Mühlebetriebes. red

Für Katja Stalder, seit 1. April 2014 neue Geschäftsführerin der Mühle Kleeb AG in Rüegsbach, und ihren Ehemann Urs Stalder, Präsident des Kleeb-Verwaltungsrates, bietet der Mühlentag die willkommene Gelegenheit, sich den in Scharen eintreffenden Besucherinnen und Besuchern persönlich vorzustellen und sie mit den Vorbesitzern Hanni und Ueli Kleeb sowie den neun Mitarbeitenden in die Geheimnisse eines gut funktionierenden Mühlebetriebes einzuführen, der jährlich 600 Tonnen Getreide der Sorten Weizen, Roggen und Dinkel erst einlagert und dann im Verlauf der Monate zu ganz unterschiedlichen Endprodukten verarbeitet.

Ein Besuch lohnt sich
Die in Scharen eintreffenden Männer, Frauen und Kinder, vielfach ganze Familienverbände mit Grosseltern, Eltern und Kindern, Freunden, Verwandten und Bekannten, stürmen regelrecht das Kleeb-Gelände. Sie werden in Gruppen unter kundiger Führung durch die Stationen der Mühle geführt, erfahren Wissenswertes über Getreidesorten, Lagermöglichkeiten, Verarbeitungsschritte und können verfolgen, wie gemahlen wird. Im Verkaufsladen herrscht fröhliches Gedränge, geduldig warten Kaufwillige jeden Alters, bis sie ihr Spezialmehl oder einen der rund tausend angebotenen Artikel aus dem grossen Mühle-Sortiment erstehen können.

Zahlreiche Festbänke laden zum Verweilen ein; während der Mittagszeit verwöhnt der Landfrauenverein Rüegsbach die Gäste in der Festwirtschaft. Die weitherum bekannten Dinkelteigwaren aus eigener Produktion werden nicht nur verkauft, sondern auch mit Sauce Bolognaise oder Pesto sowie verschiedenen Getränken und Desserts serviert. Am Verkaufsstand für Backwaren drängen sich die Besucher/innen.

Am Stand für die Jüngsten besteht die Möglichkeit, unter kundiger Anleitung selbst kreierte Backwaren herzustellen, welche die stolzen Knaben und Mädchen mit nach Hause nehmen dürfen.

Tradition wird grossgeschrieben
Nachdem sich Katja Stalder im September 2013 für die Übernahme der Mühle Kleeb AG entschieden hat, findet ein zweitägiges Schnuppern im Betrieb statt: «Wir mussten abklären, ob die gesamte Belegschaft und ich zusammenpassen», blickt sie zurück. Es hat gepasst, alle Mitarbeitenden hat sie am 1. April 2014 übernehmen können.

Voller Stolz berichtet sie vom erfolgreichen Werdegang der im Jahr 1840 von Johann und Hansulrich Mühlemann erbauten Mühle, zu der auch eine Bäckerei und eine kleine Landwirtschaft gehört haben. Es folgen verschiedene Inhaberwechsel, bis 1878 Friedrich Hauerter die Mühle kauft. «Kinder aus zwei Ehen sorgten für Turbulenzen; die Kinder aus erster Ehe verliessen die Mühle», steht in der Chronik.

1900 geht die Mühle Konkurs und wird in der benachbarten «Krone» versteigert. Ulrich Kleeb kauft sie und erweitert sie mit einem Stöckli, in dem die Bäckerei mit Laden und eine Wohnung Platz finden. 1929 übernimmt der Sohn Johann die Mühle in zweiter, 1953 dessen Sohn Hans in dritter Generation. Laufend finden bauliche und technische Verbesserungen statt. 1976 übernimmt Ulrich Kleeb, tatkräftig unterstützt von seiner Ehefrau Hanni, die Mühle in vierter Generation. 1982 erfolgt der Umbau der Futtermühle (Würfelpresse, Melassieranlage, Loseverlad- und Absackzellen, Umbau der Getreidereinigung, Umzug der Rollanlage von der Mühle ins Silo).

In den folgenden Jahrzehnten passt Ulrich Kleeb den Familienbetrieb laufend modernsten Anforderungen an, erweitert den Wagenpark, erschliesst neue Absatzmärkte, baut den Mühleladen aus und verkauft sein Sortiment, zu dem mittlerweile auch Bio-Produkte gehören, in der ganzen Schweiz. Da sich unter den eigenen Kindern kein Nachfolger findet, übernimmt Katja Stalder per 1. April 2014 die Mühle Kleeb AG und die gesamte Belegschaft.

«Sprung in die Mühle»
Katja Stalder, geboren 1965, bezeichnet im Gespräch mit der «D’REGION»  ihren Entschluss, die Mühle Kleeb käuflich zu erwerben, nicht «als Sprung ins kalte Wasser, sondern in einen gut funktionierenden Mühlebetrieb. Ich war schon länger Kleeb-Kundin, habe das Angebot gekannt und komme als gelernte Drogistin im weitesten Sinne auch aus der Lebensmittelbranche, weshalb mir gute Produkte und nachhaltige und gesunde Ernährung ein Herzensanliegen sind.»

Verwurzelt in der Region
Sie weist darauf hin, dass der vorbildlich geführte Mühletrieb seit Jahren die Region stärke, da die abgelieferten 600 Tonnen Getreide von zirka 50 regio­nalen Produzenten stammen und in der Mühle zu ganz unterschiedlichen Mehl- und Griesssorten, zu Flocken und anderem wie beispielsweise Kissenfüllungen verarbeitet werden. Stolz betont sie, dass in der Mühle weder Zusatzstoffe noch Chemie verwendet werden.

Derweil wird das Gedränge im Mühleladen über die Mittagszeit immer grösser. Während die einen mehrere Kilogebinde der verschiedenen Mehlsorten Weiss-, Halbweiss- oder Ruchmehl sowie anderes aus dem umfangreichen Angebot zur Kasse tragen, schleppen vor allem Männer grosse Mehlsäcke zu ihren Autos. Auch Züpfemehl findet reissenden Absatz, wobei natürlich alle Rezepturen gut gehütete Geheimnisse sind. Teilweise kommen die Kunden von weit her, die Autokennzeichen verraten es.

Gerti Binz

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