Grosse Ehre für grossartige Verdienste

  24.09.2014 Aktuell, Region, Burgdorf, Kultur

Der Saal im «Schützenhaus» ist bis auf den letzten Platz besetzt; zahlreiche Prominenz aus Kultur, Politik und Wirtschaft gibt sich für diesen Anlass – der gleichzeitig eine beeindruckende Würdigung der jahrzehntelangen Tätigkeit von Trudi Aeschlimann ist – ein Stelldichein. Der Anlass wird von drei Musikern der türkischen Formation «Ruhefzâ» (alttürkisch: die Seele verjüngen, berühren) in brillanter Weise begleitet.

 



Chronik als Herzstück
Bevor Edith Müller, Vorsitzende der Kulturkommission, namens der Burgergemeinde den mit 15 000 Franken dotierten 6. Kulturpreis der Präsidentin Aeschlimann zuhanden des Vereins Burgdorfer Jahrbuch übergibt, erinnert sie an das Leitbild der Donatorin: «Im Rahmen ihrer Kulturpolitik engagiert sich die Burgergemeinde aktiv am kulturellen Geschehen in der Region Burgdorf.»
Edith Müller kommt auf Vorgaben des jährlich erscheinenden Werkes zu sprechen, das sein hohes Niveau durchgehend halten kann: «Das erstmals 1934 herausgegebene Burgdorfer Jahrbuch versorgt ein breites Publikum mit interessanten, sachkundigen und unterhaltsamen Informationen über Vergangenheit und Gegenwart der Stadt Burgdorf.» Neben Beiträgen aus Kultur, Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft und Natur kann mit Fug und Recht die fortlaufende Chronik über das gesamte Geschehen in der Stadt als «Herzstück» eines jeden Bandes bezeichnet werden.

 



Preise sammeln macht Freude
Im ersten Jahrbuch 1934 wird der Wunsch festgehalten, dass «die Bevölkerung der Stadt das Ihre dazu beitragen möge, dass der Versuch (ein erstes Jahrbuch herauszugeben) gelingen möge und diesem weitere folgen können.» Dieser Versuch ist geglückt, das Jahrbuch ist aus der Stadt nicht mehr wegzudenken.
Die Burgerliche Kulturkommission betrachtet «das Burgdorfer Jahrbuch als wichtigen Pfeiler in Kultur und Geschichte der Stadt Burgdorf; der Verein hat diesen Preis wirklich verdient.» Ende November 2014 erscheint mit dem Burgdorfer Jahrbuch 2015 der 82. Band.
Trudi Aeschlimann nimmt den Check über 15 000 Franken sowie die Blumen entgegen und betont in ihrer Dankesrede, dass ihr das Entgegennehmen von Ehrungen und Preisen eigentlich immer noch gefällt: «Es verleidet mir ganz und gar nicht.» Allerdings hält sie fest, dass sie 31 Jahre im Vorstand und davon nur 23 Jahre als Präsidentin gewirkt hat. Der Applaus fällt so oder so überzeugend aus.

 


Vergangenheit und Gegenwart
Es spricht für die Bedeutung von Trudi Aechlimanns langjähriger erfolgreicher Tätigkeit in verschiedenen Ämtern und für die Wertschätzung des Burgdorfer Jahrbuchs, dass Christian Lüthi, Präsident des Historischen Vereins des Kantons Bern und Leiter Abteilung Ressourcen der Universitätsbibliothek Bern, die Laudatio hält. Es freut ihn «ganz besonders, dass eine stark historisch-landeskundlich ausgerichtete Zeitschrift diesen Preis bekommt». Die Zielsetzung der Gründer lautet: «Die politische und kulturelle Geschichte unserer Kleinstadt ist reich an unerforschten Gebieten, die Archive sind voll von ungehobenen Schätzen. Eine bessere Kenntnis der Vergangenheit könnte die Lösung mancher Frage der Gegenwart erleichtern. Aber auch die Gegenwart selbst mit ihrem drängenden geistigen und wirtschaftlichen Leben ist es wert, in ihrer Entwicklung festgehalten zu werden.» Entsprechend diesem Leitgedanken haben die Verantwortlichen in den folgenden Jahrzehnten ihre Jahrbücher konzipiert.
Lüthi kommt auf die Schriftleitung zu sprechen, deren Mitglieder mit der Gründungsequipe identisch gewesen sind und die selber zahlreiche Beiträge verfasst haben. «Diese Personen bildeten einen schönen Querschnitt durch das Bildungsbürgertum von Burgdorf in dieser Zeit», führt er aus. Selbstverständlich waren dazumal nur Männer in diesem erlauchten Kreis zu finden. Er weist noch auf die Digitalisierung der Jahrbücher hin, die in der Universitätsbibliothek Bern abrufbereit sind.

 


Noch echte Abenteurer
Im Jahrbuch 2015 finden sich Reiseberichte unternehmungsfreudiger Männer und Frauen, die es schon Ende des 19. Jahrhunderts in die Ferne gezogen hat. Michael Soom liest aus dem Reisebericht seines Urgrossvaters Friedrich Soom, der mit anderen Wanderburschen 1894 nach Rom und Neapel aufgebrochen ist. Rolf Richterich und Trudi Aeschlimann lesen Erlebnisse eines Pferdehändlers und einer Burgdorferin, die 1887 und 1907 von Europa mit dem Schiff nach Konstantinopel gesegelt sind und viel Ausserordentliches für die damalige Zeit zu erzählen haben.
Abschliessend ergreift der neue Präsident des Vereins Burgdorfer Jahrbuch, der Historiker Kai-Bernhard Trachsel, das Wort und betont, dass die scheidende Präsidentin «zu Recht den Kulturpreis am Ende ihrer erfolgreichen Laufbahn entgegennimmt». Die letzte Ausgabe 2015 sei noch unter ihrer Ägide entstanden. Er selber beabsichtige, Vergangenes in die Gegenwart zu bringen und für die Zukunft bereitzustellen. Er zeigt sich erfreut, dass Trudi Aeschlimann nach ihrem Rücktritt als Präsidentin weiterhin im Vorstand mitarbeiten wird, dem sie bereits 31 Jahre angehört.
Beim anschliessend reichhaltigen Apéro bleibt viel Zeit für ausführliche Gespräche.

 

Gerti Binz


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