«Suizid, ein Tabu?» – Ein Podiumsgespräch

| Fr, 14. Nov. 2014

BURGDORF: Im Rahmen der Berner Aktionstage «Psychische Gesundheit» organisiert die Selbsthilfe BE zusammen mit dem psychiatrischen Dienst des Spitals Emmental und dem Berner Bündnis gegen Depression ein Podium zum Thema: «Suizid, ein Tabu?». red

Jährlich begehen in der Schweiz ca. 1000 Menschen Suizid. Trotzdem wird das Thema Suizid in der Gesellschaft tabuisiert. Wie gehen die Hinterbliebenen mit dem Suizid eines Angehörigen um, wie kann man hinterbliebenen Betroffenen helfen und wie kann man mit Suizid-Drohungen umgehen?

Im Rahmen der Berner Aktionstage «Psychische Gesundheit» organisiert die Selbsthilfe BE in Zusammenarbeit mit dem psychiatrischen Dienst des Spitals Emmental und dem Berner Bündnis gegen Depression ein Podium zum Thema: «Suizid, ein Tabu?», an welchem über oben gestellte Fragen und noch vieles mehr diskutiert wird.

Bei dieser Podiumsveranstaltung werden drei hinterbliebene Angehörige, welche alle einen Elternteil durch Suizid verloren haben, zusammen mit Prof. Dr. med. Thomas Reisch, Ärztlicher Direktor Psychiatriezentrum Münsingen (PZM) und Präsident des Berner Bündnisses gegen Depression, Beatrice Graf, Pflegefachfrau HF Psychiatrie, Leiterin ambulante Pflege Psychiatrischer Dienst des Spitals Emmental, über das in unserer Gesellschaft tabuisierte Thema Suizid diskutieren.

Suizid: Gründe und Folgen
Die Statistik zeigt, dass die häufigsten Gründe für Suizide bei Frauen oftmals mit Problemen oder Ereignissen in Beziehungen verbunden sind wie zum Beispiel Konflikte mit dem Partner oder dessen Tod. Bei Männern sind neben Beziehungsproblematiken die Ursachen auch in schwierigen beruflichen oder finanziellen Situationen zu suchen. Suizid ist dann eine Generalkapitulation. Dazu kommt noch: Suizid ist ein Tabuthema.

In unserer Gesellschaft ist es nicht leicht, darüber zu sprechen, dass man suizidale Gedanken hat. Personen, welche solche Gedanken hegen, sind verzweifelt und wissen oft weder ein noch aus. Viele leiden an Depressionen. Sie erleben sich selbst als Last für andere und fühlen sich alleine, obwohl sie es oftmals gar nicht sind. Sie bilden eine Mauer um sich herum und sehen überall nur noch das Negative. Die Suizidbereitschaft kommt dann in den «Spitzen» der Verzweiflung. Die depressive Person entscheidet sich, ihrem Leben ein Ende zu setzen, und sieht darin die Lösung der Probleme.Begeht eine Person Suizid, so beginnt für die Angehörigen eine schwere Zeit. Frauen hintersinnen sich häufig und zerbrechen sich den Kopf darüber, was sie hätten tun können, sollen oder nicht sollen. Männer hingegen zeigen eher «mit dem Finger» auf andere, suchen die Gründe des Suizids eines Angehörigen dort, und versuchen so, mit der Situation umzugehen. In jedem Fall ist der Suizid eines Angehörigen für diese kaum zu ertragen. Bei der Selbsthilfe BE, im Beratungszentrum Bern, können sich Hinterbliebene im Rahmen einer Selbsthilfegruppe treffen.

Was in den meisten Fällen noch dazukommt, ist, dass das Umfeld der Hinterbliebenen nicht weiss, wie mit dieser Situation umzugehen ist – denn Suizid ist ein Tabuthema. Was macht man, wenn man die Tochter eines Menschen, der sich das Leben genommen hat, im Einkaufszentrum oder im Treppenhaus sieht? Spricht man sie darauf an? Versucht man so zu tun, als ob man sie nicht gesehen hätte? Spricht man sein Beileid aus und fragt sie, wie es ihr geht? Oder tut man so, als sei nichts passiert, und versucht, den Suizid einfach zu ignorieren?

Suizid kann verhindert werden
Glücklicherweise gibt es professionelle Hilfe wie beim psychiatrischen Dienst des Spitals Emmental oder zum Beispiel auf der neuen Kriseninterventionsstation des Psychiatriezentrums Münsingen, welche am 1. Dezember 2014 eröffnet wird. Zu den schwierigen Aufgaben von in Psychiatrie ausgebildeten Personen wie zum Beispiel Prof. Dr. med. Thomas Reisch oder Beatrice Graf gehören das Erkennen und Abfangen der «Spitzen» der Patienten und das Auffangen der Menschen in für sie in diesem Moment unerträglichen Situationen. Dies ist ein extrem schwieriges Unterfangen, welches nur zusammen mit dem Umfeld des Patienten sowie dem Hausarzt gelingen kann.
Suizidalität ist weder dauerhaft, noch stabil. Somit kann suizidgefährdeten Personen geholfen werden. Suizid muss und darf kein Tabuthema bleiben. Das Podiumsgespräch vom 18. November 2014 bietet eine einmalige Gelegenheit, mehr über den Umgang mit dem Thema Suizid und von den dadurch betroffenen Personen zu erfahren.

Felix Glauser

«Suizid, ein Tabu?»: Dienstag, 18. November 2014, 19.30 bis 21.00 Uhr, im Kirchgmeindehaus an der Lyssachstrasse 2, 3400 Burgdorf. Anschliessendes Apéro und Möglichkeit, Fragen zu stellen. Auskunft betreffend Anlass und Selbsthilfegruppen: Selbsthilfe BE, Beratungszentrum Burgdorf, 034 422 67 05, burgdorf@selbsthilfe-be.ch, www.selbsthilfe-be.ch

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