Sonnenenergie lässt das Land erstrahlen

  28.11.2014 Aktuell, Politik, Region, Burgdorf

Es ist ein sachverständiges Publikum, vor dem zahlreiche Kapazitäten ihre Referate rund um die Entstehung und Entwicklung der Solarstrombörse sowie die Zukunftsperspektiven von erneuerbarer Energie halten. Professor Urs Muntwyler von der Berner Fachhochschule (vormals Tech) führt durch die Fachtagung und übergibt Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch das Wort für die offizielle Begrüssung.

 

 

Pionier der ersten Stunde
Als Vater des «Burgdorfer Modells» darf zu Recht der einheimische Elektroingenieur Hans Ulrich Flückiger – der an der Tagung als erster Referent sein damaliges Pionierprojekt vorstellen kann – genannt werden. In Fachkreisen ist unvergessen, dass der seinerzeitige Stadtrat der Freien Liste trotz Ablehnung durch den Gemeinderat an der Stadtratssitzung vom Mai 1989 seine Motion ohne eine einzige Gegenstimme durchbringt,
gemäss welcher die Industriellen Betriebe (heute Localnet) zu einer Übernahme der von Privaten mittels Photovoltaik erzeugten Energie verpflichtet werden. Und das noch zu dem damals unvorstellbar hohen Ansatz von Fr. 1.– pro Kilowattstunde.
Barbara Bay (Burgdorf) referiert über die Gründung und Entwicklung der Arbeitsgemeinschaft für dezentrale Energieversorgung (ADEV). Diese ist am 18. April 1985 in Liestal gegründet worden.

 

 

Hochkarätiger Fachmann
Mit Thomas Nordmann, Gründer und Geschäftsführer der TNC AG und Verwaltungsratspräsident zahlreicher Fachunternehmen, referiert eine Kapazität zum Thema «Rückblick, Augenblick und Ausblick». Er erläutert mittels zahlreicher Beispiele die Schweizer Bemühungen um die Entwicklung der Photovoltaik im Rahmen kostendeckender Einspeisevergütungen und spricht über seine Erfahrungen als Präsident des Sonnenenergie-Fachverbandes Schweiz. Nach seinem Vortrag fasst er gegenüber dieser Zeitung zusammen: «Burgdorf war unser Vorbild auf regionaler Gemeindeebene. Wir haben versucht, diese Idee aus Burgdorf auf gesamtschweizerischer Ebene umzusetzen. Das Projekt «Energie 2000» war ein Programm, mit dem solche Ziele erreicht werden sollten. Unsere Vorschläge wurden damals leider von der Elektrizitätswirtschaft nicht angenommen. Die Deutschen haben uns dann bei dieser Entwicklung überholt, indem sie das «Burgdorfer Modell» bundesweit lanciert haben. Später haben die Schweizer nachgezogen; heute ist das Rennen offen. Es geht nicht um die Frage ‹Photovoltaik Ja oder Nein›, sondern um ‹Was ist die Rolle der Schweiz?›»

 

 

Der Lorbeerkranz geht an...
Im Lauf der nächsten Stunden lassen rund ein Dutzend weitere Referenten die Anfänge und Entwicklungsphasen der Photovoltaik und deren Zukunftsperspektiven vor dem aus Fachleuten und Unternehmern bestehenden Publikum Revue passieren. Von «Eine Burgdorfer Idee geht um die Welt» (David Stückelberger/Swissolar) über «KEV in der Schweiz» (Nationalrat Eric Nussbaumer) zu «Umsetzung und Stand in der Schweiz» (Dr. Frank Rutschmann) und vielem mehr reichen die Themen, bis sich am Nachmittag Dr. h.c. Willy Michel von der Ypsomed Burgdorf zu «Anlagen KEV in der Gewerbezone Buchmatt» zu Wort meldet.
Diverse Redner verweisen auf die nach wie vor bestehende Pionierrolle von Burgdorf bei der Erstellung von Photovoltaik-Anlagen und Energie-Einspeisungen ins öffentliche Netz. Nicht wenig Erstaunen rufen die Ausführungen eines Fachmannes hervor, zumal in der englischsprachigen Variante von Wikipedia plötzlich Amerika als der Erfinder von «KEV» genannt wird: «Jimmy Carter liess 1978 (also ein Jahr vor Burgdorf) auf dem Weissen Haus Solarpanels installieren, die sein Nachfolger Ronald Reagan umgehend entfernen liess. Trotzdem reklamieren die Amerikaner auch diese Erfindung für sich.»

 

 

Abnahmesicherheit
Nach den anfänglich hohen Einspeisevergütungen geben heute in ganz Europa vor allem die stark reduzierten Vergütungen und Einmalbeiträge zu reden. Die Möglichkeit von Speicherkapazitäten muss weiterentwickelt und ausgebaut werden. Vordringlich ist, dass neue Anlagen so gebaut und betrieben werden, dass sie wenn möglich dann Strom ins Netz einspeisen, wenn die Nachfrage hoch ist. Alle Redner betonen, dass die Investoren genügend Sicherheit erhalten müssen, damit sie ihre Produkte auch verkaufen können.

 

Gerti Binz


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