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Traditionen wie den Hühnersuppenball unbedingt erhalten

| Di, 03. Feb. 2015

BURGDORF: Einmal mehr drehte sich beim Hühnersuppenball alles ums Huhn, sei es auf dem Teller, bei der Dekoration oder einfach bei der Freude über den gelungenen Anlass. Und zwischendurch wurde eifrig das Tanzbein geschwungen. red

Schon beim Apéro, der – genau wie all die Jahrzehnte vorher – im Foyer des Stadthauses gereicht wird, kommt sich die festlich gekleidete Besucherschar näher. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, besuchen doch viele der Anwesenden den kurz «Hühnersuppe» genannten Anlass seit Jahrzehnten und kennen sich vielfach auch seit vielen Jahren. «Es ist schön, am Fest alte Bekannte zu treffen und mit ihnen zu plaudern», heisst es entsprechend.

Verschoben und gelobt
In seiner Begrüssungsansprache erläutert Thomas Jann, der zusammen mit seiner Verlobten Marianne Aebi als Gastgeber fungiert, das um eine Woche vorverlegte Durchführungsdatum: «Viele Interessenten haben extra angerufen und erklärt, dass sie wegen der Burgdorfer Sportwoche am ersten Samstag im Februar nicht teilnehmen können. Daher findet die Hühnersuppe künftig am letzten Samstag im Januar statt.» Nur die Grippewelle habe kein Einsehen gehabt, daher einige Abmeldungen. «Bleibt gesund, mindes­tens heute Abend, und geniesst den Rest des Jahres 2015.»
Er stellt das für die musikalische Umrandung des Balls zuständige Duo «Sound-Set», das schon früher an der Hühnersuppe aufgespielt hat, vor und wünscht viel Vergnügen. Der einheimische Künstler Andreas Althaus schwingt den Federkiel und kreiert kleine und grosse Postkarten rund um die Themen Huhn, Suppe und Ball, welche die Anwesenden vor Ort kaufen können. Küchenchef Christian Bolliger brilliert in der Küche und zaubert ein köstliches – diesmal nicht ausschliesslich aufs Huhn fokussiertes – Viergang-Menü, das allgemeines Lob erhält.

Jann weist noch auf die «abgeschnittenen Hühner» aus Stahl hin, die gefüllt mit farblich assortierten Frühlingsblumen, Wachteleiern und Federn inmitten dezenter Stroharrangements auf den Tischen wahre Kunstwerke der Floristen Thomas Wyder und Stefan Fankhauser darstellen.

Aller Anfang ist schwer
Nach dem Entré «Lachsvariationen ohne Geflügel» fackeln die Gastgeber Jann und Aebi nicht lange und schreiten zum Tanz. Ein kurzes Zögern im Saal, dann folgen die nächsten Paare. Und so bleibt es für die folgenden Stunden. Zwischen den Gängen wird fleissig das Tanzbein geschwungen, neben den Jungen zeigen auch die älteren Semester, dass Tanzen jung hält. Der von Gastgeber Jann als ältes­ter Ball-Teilnehmer vorgestellte langjährige Stadthaus-Kunde Adolf Gerber (geb. 30. April 1920) überzeugt verschiedene Damen von seinen nach wie vor tadellosen Tanzkünsten und seiner bewundernswerten Ausdauer.

Natürlich fehlt sie nicht, die traditionelle Burgdorfer Hühnersuppe mit Gemüse und Geflügeleinlage als zweitem Gang. Dann wird wieder getanzt, diesmal wird es schon enger auf der Tanzfläche und die Drehungen schneller. Viel Zeit nimmt sich die Festgesellschaft für den Hauptgang: Rindsfilet mit Gänseleber und entsprechend köstlichen Beilagen. Die Zeit vergeht wie im Flug, beim Zeichner Althaus drängen sich die Besucher. Zwischendurch setzt sich jemand auf einen gerade frei gewordenen Stuhl und plaudert an einem anderen Tisch, es gibt immer viel zu erzählen. Beim Dessert läuft das Küchenpersonal nochmals zu Höchstform auf, worauf Jann die gesamte Küchen- und Service-Crew auf die Tanzfläche bittet, alle einzeln mit Funktion vorstellt und diese den verdienten anhaltenden Applaus erhalten.

Auch Junge sind begeistert
Nicht wenige der jüngeren Gäste bestätigen, dass «die Hühnersuppe keinesfalls nur ein Fest für Ältere oder Alte ist». Bereits beim Apéro kommt man sich näher, redet miteinander, lernt sich kennen. Für «eingesessene» Burgdorfer und langjährige Ballbesucher aus der Agglomeration ist klar, dass «man einfach hingeht». Für Junge könnte es ein Highlight in den Jahresveranstaltungen werden, auch wenn mehr traditionelle Musik statt Hip-Hop und Ähnlichem gespielt wird. Für diese ist ab 22.30 Uhr der Besuch der Chicken-Party im Stadthaus-Keller mit DJ Gallo am Mischpult angesagt.

Gerti Binz

 

Adolf Gerber
Stadthaus-Wirt Jann stellt Adolf Gerber persönlich vor: «Mit seinen fast 95 Jahren ist er einer meiner liebs­ten Gäste, weshalb ich ihn heute eingeladen habe.» Der rüs­tige Herr erregt mit seinen Tanzkünsten bei Jung und Alt Bewunderung, führt er die Damen an seinem Tisch doch der Reihe nach auf die Tanzfläche und meistert auch modernere Tänze mit Bravour. «Ich bin viele Jahre mit meiner verstorbenen Ehefrau an die Hühnersuppe gegangen», erinnert er sich. «Es war immer schön, ein Erlebnis.» Einmal habe sie für diesen Anlass der Schwiegertochter, die Europameisterin im Turniertanz war, ein Ballkleid mit 165 m Stoff genäht: «Federleicht, es war ein Traum.»

Vanessa Wirz
Die junge Frau mit ihrer Lockenpracht gehört zu den jüngsten Ball-Teilnehmerinnen. Zusammen mit ihrem Ehemann Marco nimmt sie erstmals an der Hühnersuppe teil. Vanessa Wirz (geb. 1980) findet den Anlass «lässig, obgleich nicht sehr viele Junge anwesend sind». Sie ist begeistert von der Offenheit der Besucher: «Schon beim Apéro sind Unbekannte auf mich zugekommen, haben sich vorgestellt und mit mir gesprochen. Das gefällt mir. Ich fühle mich wohl heute Abend.» Ihr gefällt, dass sich die Anwesenden herausgeputzt und offensichtlich Spass haben: «Die Gäs­te hier sind wirklich lieb», erklärt sie mit einem charmanten Lächeln.

Daisy Schick-Manz
«Schon meine Eltern Marianne und Ruedi Manz sind Jahr für Jahr ins Stadthaus zu Lydia und Franz Scheuerer zum Hühnerball gegangen», erinnert sich Daisy Schick geb. Manz. «Ich habe fasziniert zugesehen, wie sich meine Eltern für diesen Anlass herausgeputzt und am nächsten Tag von dem schönen Fest erzählt haben.» Ab ihrem 24. Lebensjahr war sie auch dabei und ist dem Anlass treu geblieben: «Es ist einfach ein toller Anlass, wir tanzen gern.» Ihr ist durchaus bewusst, dass sich der Rahmen im Lauf der Zeit geändert hat: «Aber trotzdem ist es immer wieder schön. Alle sind immer begeistert. Die Hühnersuppe darf keinesfalls zu Ende gehen.»

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