Die Wahlen werfen schon heute ihre Schatten voraus
30.03.2015 Aktuell, Politik, BurgdorfAusgezeichnetes Arbeitsklima
Die sieben derzeitigen Mitglieder des Gemeinderates (inkl. die Stadtpräsidentin) betonen übereinstimmend das «sehr gute, kollegiale Zusammenarbeiten im Rat über die Parteigrenzen hinweg». Auch die zwei bei den letzten Wahlen neu dazugekommenen Mitglieder Charlotte Gübeli (BDP) und Martin Aeschlimann (EVP) hätten sich problemlos ins Team eingefügt.
Bei den nächsten Wahlen Ende 2016 sind gemäss heute bekannter Situation vier Sitze (inkl. Stapi-Sessel) neu zu bestellen. Peter Urech (FDP) und Hugo Kummer (SVP) treten infolge Amtszeitbeschränkung aus dem Gemeinderat aus. Andrea Probst (Grüne) verzichtet nach zwei Legislaturen auf eine erneute Kandidatur und Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch (SP) wird nach der gleichen Amtszeit ebenfalls nicht mehr antreten. Weiter im Gemeinderat tätig und daher für eine erneute Kandidatur entschieden haben sich: Annette Wisler-Albrecht (SP), die gerne eine dritte Amtsperiode absolvieren möchte, und die zwei zuletzt gewählten Martin Aeschlimann (EVP) und Charlotte Gübeli (BDP), die ebenfalls wieder antreten. Diese drei profitieren zweifellos vom «Bisherigen-Bonus», da sie ihre Aufgaben offensichtlich erfüllt haben.
Für viele zu früh
Die amtierende Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch ist vor gut sechs Jahren mit einem ausgezeichneten Resultat und den Stimmen aus allen Lagern glanzvoll auf den Stapi-Sessel gehoben worden. Nach einhelliger Meinung hat sie ihr Amt absolut partei-neutral und nur zum Wohl der Stadt Burgdorf ausgeführt, und das mit beträchtlichem Erfolg, wie ihr von allen Seiten und Parteien bestätigt wird. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Elisabeth Zäch, wie immer wieder kommuniziert, Ende 2016 von ihrem Amt zurücktreten wird. Neben ihrer früheren Tätigkeit im Stadtrat und als Gemeinderätin ist sie heute zusätzlich im Grossen Rat aktiv, und das mit bemerkenswertem Erfolg. Sie kämpft unermüdlich für den Erhalt der Berner Fachhochschule am Standort Burgdorf und setzt sich erfolgreich für die seit Jahrzehnten nötige verkehrsgerechte Zufahrt ins Emmental ein, für die kürzlich eine viertel Million Franken für die zwei Strassenprojekte Burgdorf und Aarwangen gesprochen worden ist.
Schon heute bedauern viele Burgdorfer den Entscheid ihrer Stadtpräsidentin, nach zwei Legislaturen den Stapi-Sessel zu räumen. Doch Elisabeth Zäch versichert immer wieder, dieser Entscheid sei nicht verhandelbar, auch wenn nicht wenige auf eine dritte Legislatur hoffen.
Andrea Probst
Sein Entscheid, nicht zur Wiederwahl anzutreten, ist gut überlegt: «Bis heute habe ich mindestens 30 Jahre für die Öffentlichkeit gearbeitet. Ich habe mich im Kirchgemeinderat (10 Jahre), bei den Gassenfesten, im Stadt- und Gemeinderat engagiert. Dem Stadtrat habe ich während drei Legislaturen (12 Jahre) und dem Gemeinderat während zwei (8 Jahre) angehört. Dieses Jahr werde ich 65-jährig. Wir haben einen Camper gekauft und werden auf Reisen gehen, weshalb ich am Montag an den Gemeinderatssitzungen nicht mehr anwesend sein werde. Das ist der Grund für mein Aufhören; ich werde andere Prioritäten setzen. Zudem ist mir die Verjüngung des Gemeinderates ein Anliegen. Jüngere bringen frischen Wind und neue Ideen in den Rat.»
Peter Urech
«Ich höre nach drei Legislaturen mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf; es war eine gute Zeit», sagt Peter Urech. «Mit 16 Jahren habe ich bei den Jungfreisinnigen angefangen, das wären jetzt insgesamt 45 Jahre politische Arbeit. Davon elf Jahre im Stadtrat und Ende 2016 zwölf Jahre im Gemeinderat.» Zwar fügt Urech bei, er habe nun «seinen politischen Einsatz erfüllt». Doch dann lächelt er bei der Frage, ob für ihn eine erneute Kandidatur für das Amt des Stadtpräsidenten (vor ca. 6 Jahren scheiterte er in der Ausmarchung für einen gemeinsamen bürgerlichen Stapi-Kandidaten) infrage kommt: «Dazu kann ich mich momentan noch nicht äussern.» Auch Urech wird hinter vorgehaltener Hand eine erneute Kandidatur zugetraut.
Hugo Kummer
Auch für ihn bedeuten drei Legislaturen den gesetzlich vorgeschriebenen Abschied wegen Amtszeitbeschränkung aus dem Gemeinderat: «Ich möchte nicht aufhören, ich muss», schmunzelt er. Auch er kann «bestätigen, dass die Zusammenarbeit im Gemeinderat ausgezeichnet geklappt hat. Wir haben Sachpolitik gemacht, was für die Stadt nur von Vorteil gewesen ist.» Vorher hat er drei Legislaturen im Stadtrat absolviert. Für Kummer ist das Thema Politik endgültig abgeschlossen; er beendet noch die Grossrats-Legislatur – die dauert ab Juni 2015 noch weitere drei Jahre – und «dann ist nach acht Jahren Grossrat auch dieses Thema zu Ende.» Die Frage nach dem Stapi-Sessel ringt ihm nur ein müdes Lächeln ab.
Annette Wisler
Auf Befragen erklärt Annette Wisler, dass «sie sich natürlich schon Gedanken über eine erneute Wiederwahl gemacht hat. Nach zwei Legislaturen ist das möglich und würde mich auch reizen. So wie es heute aussieht, werde ich wohl nochmals kandidieren. Die Arbeit macht mir grosse Freude, die Kollegialität und die Zusammenarbeit im Rat sind ausgezeichnet. Zur Zeit ist das ein ‹Super-Gemeinderat›, der ausschliesslich zum Wohl der Stadt arbeitet. Alle sind voll motiviert, ich auch.» Sie betont, dass «ausschliesslich sachbezogen und nicht nach Parteibüchlein gearbeitet wird. Man muss schon sehr genau suchen, wenn man eine parteibezogene Entscheidung eines Ratsmitgliedes finden will.»
Martin Aeschlimann
Nach gut der Hälfte seiner ersten Legislatur ist ein erneutes Antreten zur Wiederwahl für ihn eine durchaus Erfolg versprechende Option, wie Aeschlimann betont: «Zusammen mit weiteren politischen Kreisen bin ich momentan im Gespräch. Hier gilt es, verschiedene Fragen seiner Partei EVP in der rot-grünen Mitte (dazu gehören SP und Grüne) zu klären. Ich selber für meine Person kläre derzeit die Mehrfachbelastung von eigenem Geschäft und den zwei Mandaten Gemeinderat und Grossrat ab.» Er betont, dass ihm die Arbeit im Gemeinderat «sehr viel Spass macht und spannend ist. Eigentlich würde ich gerne eine weitere Legislatur mitarbeiten.» Er wird zu gegebener Zeit den definitiven Entscheid mitteilen.
Charlotte Gübeli
Als promovierte Apothekerin hat sie schon durch die Übernahme der Sozialdirektion Bezugspunkte zu diesbezüglichen Arbeitsgebieten: «Ich hatte bereits Einblicke in die hier anfallenden Aufgaben. Teilweise ist es für mich ein Heimspiel», erklärt Charlotte Gübeli. Sie habe sich in diesen gut zwei Jahren seit Übernahme dieses Ressorts am 1. Januar 2013 sehr gut eingearbeitet, die Zusammenarbeit mit dem Ressortleiter Andreas Diggelmann klappe vorzüglich. Entsprechend wird sie als BDP-Politikerin für eine zweite Legislatur kandidieren und ist zuversichtlich, im Amt bestätigt zu werden. Die Zusammenarbeit im Gemeinderat funktioniere vorzüglich.
Bruno Rosser
Seit Anfang 2015 amtet Rosser (SVP, Jahrgang 1959) als Burgdorfer Stadtratspräsident und hat wiederholt bekannt gegeben, dass er Ende 2016 für den Gemeinderat kandidieren werde. Seine Partei hat ihn als einen von zwei Kandidaten offiziell ernannt und die Hauptversammlung hat sich für beide Kandidaturen Mitte letzter Woche ausgesprochen. «Wir hoffen, dass wir zwei nächstes Jahr in die Gemeinderatswahlen steigen können», sagt er und fährt fort: «Ich sehe mich bereits nach einem neuen Arbeitgeber um, denn als kantonaler Angestellter kann ich nicht im Gemeinderat mitarbeiten.»
Thomas Gerber
Auch er bestätigt seine Kandidatur Ende 2016 für einen SVP-Sitz im Gemeinderat, wobei allerdings die formelle Nomination noch durch eine kommende Parteiversammlung im Verlauf von diesem Jahr erfolgen wird.
Grün-Liberale Partei
Stadtrat Michael Ritter von der GLP (Grün-Liberale Partei) erklärt auf Anfrage: «Unsere Partei überlegt sich tatsächlich, ob sie zu den Gemeinderatswahlen im Herbst 2016 antreten will. Wir möchten als Neuling im Stadtrat und als Kleinpartei nicht vorpreschen und eine Kandidatur als erste Partei bekannt geben, das wäre nicht angemessen. Wir gehen das relativ sachte an und geben erst im Herbst 2015 nähere Einzelheiten bekannt.» Er lacht und räumt ein, das mögliche Feld der Kandidaten «sei nicht sehr gross».
SP Burgdorf
Co-Präsident Nadaw Penner erklärt auf Nachfrage zu Kandidaturen für den Gemeinderat oder das Amt des Stadtpräsidenten, dass «in der SP derzeit intensive Gespräche und die Vorbereitungen für die Wahlen stattfinden und man zu gegebener Zeit über die nominierten Personen informieren werde». Die offizielle SP als bisheriger Bündnispartner von Links-Grün-Mitte hält sich wie andere zurück, obgleich seit Monaten von links bis rechts der Name Stefan Berger laut genannt wird. Sogar Stadtratskollegen anderer Parteien wissen von einer beabsichtigten Kandidatur für den Gemeinderat und den Stapi-Sessel.
BDP Burgdorf
Francesco Rappa räumt als neuer BDP-Präsident (Bürgerlich-Demokratische Partei) «durchaus persönliches Interesse an einer erneuten Kandidatur für den Gemeinderat ein, wo ich einen Sitz bei der letzten Wahl nur um 12 Stimmen verpasst habe». Er bestätigt, dass parteiintern über die Wahlen diskutiert wird, aber noch keine Entscheide gefallen sind. Für das Amt des Stadtpräsidenten werde er nicht mehr kandidieren. Daneben bestehen nach seinen Ausführungen noch zu viele Unklarheiten bezüglich der anderen bürgerlichen Parteien, wie und mit welchen Kandidaten / Kandidatinnen diese in die Wahlen gehen werden, wie viele sie aufstellen usw. «Das wird sich im Verlauf der nächsten Wochen und Monate klären, dann sehen wir weiter. Bisher steht alles in den Sternen.»
FDP Burgdorf
Mitte letzte Woche hat die FDP an einer Vorstandssitzung erstmal über die Wahlen von Herbst 2016 diskutiert. «Personelle Entscheide sind noch keine gefallen», erklärt Adrian Muster, Parteipräsident der FDP Burgdorf. An der Hauptversammlung vom 23. April 2015 wird er wie bei der Übernahme angekündigt von seinem Amt zurücktreten, doch schon heute zeichnet sich ab, dass er bis zu den Wahlen 2016 der offizielle FDP-Ansprechpartner bleiben wird. «Da Peter Urech wegen Amtszeitbeschränkung aus dem Gemeinderat austreten muss, wird die FDP ihren Anspruch auf einen Sitz sicher aufrechterhalten. Im Moment ist noch kein Kandidat, keine Kandidatin im Gespräch. Voraussichtlich nennt die FDP Anfang 2016 erste Namen.»
CVP Burgdorf
CVP-Stadtrat Urs Pfister absolviert derzeit seine zweite Legislatur und hat sich bisher auf alle möglichen Listen setzen lassen, um Stimmen zu sammeln und die CVP ins Gespräch zu bringen. Für 2016 schliesst er eine Kandidatur für den Gemeinderat grundsätzlich nicht aus. Auf die Frage, ob er mit einer eigenen Kandidatur nicht – einige wenige – bürgerliche Stimmen binde, die sonst den gemeinsamen bürgerlichen Gemeinderatskandidaten zufallen würden, erklärt er: Falls eine bürgerliche Allianz von SVP, FDP, BDP und GLP für ihn akzeptable gemeinsame Kandidaten aufstellen würde, könnte er gegebenenfalls auf eine eigene Kandidatur verzichten. Genaueres sei 2016 zu erfahren.
Gerti Binz

