Kirchberg schreibt Sportgeschichte

  29.06.2015 Aktuell, Sport, Region

Das Team des Trainerduos Hansres Brechbühler und Daniel Schoder hat mit der Promotion in die interregionale 2. Liga ein völliges neues Kapitel des 91-jährigen Fussballvereins geschrieben. Daneben zeichneten sich die Blau-Weissen aus Oberburg und der SC Burgdorf während der soeben zu Ende gegangenen Saison aus.
Der 1924 gegründete FC Kirchberg respektive die erste Mannschaft hat es nie geschafft, höher als in der 2. Liga zu spielen. Selbst als die regionale Wachtablösung mit dem SC Burgdorf in den 90er-Jahren stattfand. Umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass nun der Schritt aus der Anonymität des Fussballverbandes Berner / Jura ins nationale Fenster vollzogen werden konnte. Dies bedeutet für die Region, dass seit der Einführung der interregionalen 2.-Liga-Meisterschaft im Jahre 1999 erstmals ein Team in die dritthöchste Amateurklasse des Schweizer Fussballs Aufnahme fand. Bereits am kommenden Mittwoch, 24. Juni 2015, ab 19 Uhr, findet der Festakt der Gemeinde für die Promotion mit einem Festumzug zwischen dem Saalbau und dem «Birkenring», dem Wohnzimmer des FCK, statt.

Burgdorf und Blau-Weiss Oberburg mit guten Zukunftsperspektiven
In den Gruppen vier und fünf der 3. Liga verschafften sich vor allem die Burgdorfer und Oberburg grossen Respekt bei ihren Gegnern. Vor allem  das Team von Trainer Daniel Bögli vermochte in der gemischten Gruppe mit Teams aus dem Seeland und dem Berner Mittelland viele Akzente zu setzen. Dies nach einem für die Zähringer überaus schlechten Start. Doch letztlich zahlte sich, wie bereits mehrmals erwähnt, der Wechsel in allen fussballerischen Belangen aus. Gleiches, bis auf den Verbleib in der Gruppe vier, darf man auch den Blau-Weissen attes­tieren. Das Team von Trainer Christian Jud war hinter Leader Zollbrück lange Zeit die Nummer zwei des OEFV, bis dieses kurz vor Schluss noch von Roggwil ein- und überholt wurde.

Ersigen und Aufsteiger Utzenstorf etablierten sich im Mittelfeld
Aufsteiger Utzenstorf war mit dem aufgebrummten Startprogramm kaum zu beneiden. Doch die Bühler-Truppe wuchs, je länger die Saison dauerte, an den ihr gestellten Aufgaben und konnte letztlich problemlos den «Ligaerhalt» sicherstellen. Aber auch die Ersiger zeigten mehrmals auf, dass sie Trainer Stefan Schnyder, welcher auf Ende dieser Saison den Rücktritt gab und durch Marco Mosimann ersetzt wird, ein sehenswertes Abschiedsgeschenk mit dem Verbleib in der Liga bereiten wollten. Aber auch die zweite Mannschaft des FC Kirchberg sorgte mit einer beispiellosen Rückrunde für positive Schlagzeilen und schloss die Saison auf dem mehr als nur verdienten vierten Schlussrang ab.

Koppiger SV: Rückkehr in die 4. Liga
Trotz grossen Bemühungen erwischte es den Aufsteiger, Koppiger SV, zur Relegation in die 4. Liga. Sowohl Lars Bachofner als auch Simon Hunziker wussten, dass auch mit überdurchschnittlichen Leistungen der Spieler die Möglichkeit bestand, den Lift hinunter besteigen zu müssen. Trotz der guten Frühjahrsrunde schaffte es der KSV nicht, sodass dieser die neue Saison in der 4. Liga beginnt. Doch den absoluten Tiefschlag verpasste der in Burgdorf beheimatete FK Srbija dem Kreisverband. Nach der Winterpause wirkte sich der Konkurs dieses Vereins nachhaltig auf den Wettbewerb aus. Dass deshalb die Verbandsoberen in der Zukunft ihrer Sorgfalts- und Aufsichtspflicht besser nachkommen müssen, erklärt sich von selbst.
Wie aber beurteilen die Trainer den Ausgang der Saison 2014/15? Nachfolgend die erklärenden Aussagen dazu.

Homogenes Kollektiv – der Schlüssel zur Promotion!
«Wir werden auch in der interregio-nalen 2. Liga den Charakter einer Dorfmannschaft beibehalten. Schon jetzt steht fest, dass es keine grossen Veränderungen geben wird. Wir sind auf der Suche nach Verstärkungen, sind aber nicht in der Lage, finanziell aus dem Vollen zu schöpfen.» Zur Saison meinte Co-Trainer Daniel Schoder: «Die Mannschaft ist während der Meisterschaft gereift und hat viel an Charakterstärke dazugewonnen. Das homogene, jederzeit an sich glaubende Kollektiv war letztlich der Schlüssel zum kaum zu erwartenden Erfolg.
Oftmals mussten wir auch das Wettkampfglück in Anspruch nehmen. Doch in den letzten vier Partien zeigten uns die Spieler mit ihren Leistungen auf, wohin es in der Saison 15 / 16 hingehen sollte: in die interregionale 2. Liga!»

Gruppenwechsel zahlte sich aus
Noch vor der Saison 2014 / 15 wurden im Umfeld der ersten Mannschaft des SC Burgdorf Rufe laut, dass die Zähringer mit dem gewünschten Wechsel in die Gruppe vier der 3. Liga ein Extrazüglein fahren wollten. Doch das Team von Trainer Daniel Bögli strafte die Besserwisser mit einer tollen Leistung und dem letztlich mehr als nur vierten Schlussrang. Dazu der in Oberburg arbeitende, verheiratete Familienvater: «Mein Team hat weitere, deutlich sichtbare Fortschritte auf dem Weg in eine erfolgversprechende Zukunft gemacht. Vor allem haben meine jungen Spieler an Reife und Charakter gewonnen, sodass es uns gelungen ist, eine sehr gute Frühjahrsrunde zu absolvieren.» Weiter meinte der ehemalige Kaderspieler der ersten Mannschaft des SCB, dass sich das Team den nötigen Respekt bei den neuen Gegnern verschaffte. Zudem stuft Bögli die Gruppe fünf der Liga stärker als die Gruppe vier.

Jeder geht für jeden!
Diese einfache Formel gab Blau-Weiss-Trainer Christian Jud bei der Analyse zur Saison 14 / 15 zu Protokoll. Dieser sagte: «Durch den knappen Kader, bedingt durch viele verletzte und abwesende Spieler, wuchs mein Team zu einer verschworenen und an sich glaubenden Einheit zusammen. Vor allem der Einbau von eigenen, hungrigen Junioren – unsere Klubphilosophie – hat sich bewährt, respektive wir werden dies auch in der neuen Meisterschaft weiter vorantreiben. Mit den 49 erspielten Punkten gelang uns ein Vereinsrekord auf Stufe 3. Liga!» Weiter betonte Jud, dass Gruppensieger Zollbrück jedem anderen Team der Gruppe physisch überlegen war, sich aber nicht in einer anderen Liga befand. Daniele Nocera, kein Unbekannter in der regionalen Fussballszene, wird das Team auf die neue Saison hin von Christian Jud übernehmen. Dieser wird den neuen Chef an der Seitenlinie der Blau-Weissen mit seinem Wissen unterstützen.

Das Saisonziel erreicht!
Noch vor der Rückrunde stapelte Roger Ammann, der Trainer der zweiten Mannschaft der Kirchberger, mit dem erstrebten Ligaerhalt tief! Dieser meinte zum ausgezeichneten vierten Platz: «Dies war insgeheim unser erklärtes Saisonziel! Dieses konnten wir nur durch ein knallhartes Wintertraining und den damit verbundenen Erfolgen realisieren. Meinem Team gelang eine sensationelle Rückrunde. Negativ musste ich feststellen, dass einige meiner Spieler zwar gerne Fussball spielen, aber daneben auch andere Freizeitaktivitäten pflegten, sodass eine noch grössere Steigerung ausblieb. Ich durfte aber auch feststellen, dass der Hunger nach mehr noch längst nicht gestillt ist. Abschliessend kann und darf ich mit der Leistung meines Teams zufrieden sein.»
Utzenstorf: Turnaround nach desolater Vorrunde Kaum jemand in den Reihen des Aufsteigers ging davon aus, dass die erste Mannschaft unter Trainer Alex Bühler sich in der ersten Saison in der 3. Liga den Ligaerhalt nicht erst ganz am Schluss erspielte. Dazu meinte der in Bätterkinden wohnhafte Übungsleiter: «Um das vorerwähnte Ziel zu erreichen, habe ich von meinen Spielern viel verlangt. Dies besonders nach der überaus desolaten Vorrunde, welche wir mit lediglich acht Punkten abschlossen. Wir zogen gemeinsam die Lehren daraus, konnten uns stetig verbessern.» Weiter meinte der Trainer, dass sich die Spieler zu keinem Zeitpunkt der Meisterschaft arrogant gegenüber den anderen Teams verhielten und damit diesen auch keine Gründe lieferten, den Aufsteiger zu unterschätzen. Dabei zahlte sich aus, dass sich der Einbau von eigenen Junioren, trotz der kassierten Niederlagen, als lohnende Investition für die Zukunft herausstellte. An dieser Situation wird sich auch für die kommende Meisterschaft rein gar nichts ändern. Mit dem Sieg am Schluss gegen Sumiswald haben die Utzenstorfer die Zuversicht gewonnen, sich mittelfristig in der Liga etablieren zu können.

Ende gut, alles gut beim SC Ersigen!
Dieses Fazit zog Stefan Schnyder, der scheidende Trainer, und meinte dazu: «Angesichts der schlechten Vorbereitungsphase sowie der daraus resultierenden schlechten Trainingspräsenz meiner Spieler darf ich nicht mit dem erreichten Schlussrang zufrieden sein, obschon wir Achte wurden. In meinem Team ist viel mehr Potenzial, als in dieser Saison gezeigt wurde, vorhanden. Wir haben des Öftern die wichtigen Spiele gegen Konkurrenten um den Abstieg verloren, dafür aber einige der unwichtigen gewonnen. An der Seitenlinie durchlebte ich stets ein Wechselbad der Gefühle, das heisst Hochs und Tiefs wechselten sich in regelmässiger Folge ab, oder anders gesagt: meine Mannschaft spielte zu unbeständig, da einige meiner Spieler den Fokus nicht zu 100 Prozent auf den Fussball richteten.» Marco Mosimann, sein Nachfolger, hat bereits das Team übernommen. Schnyder macht jetzt einen Schritt zurück und wird nur noch das Amt des Sportchefs der Ersiger wahrnehmen. Er steht aber dem Cheftrainer mit Rat und Tat zur Seite.

Wiederabstieg vermeidbar?
Fünf Runden vor Meisterschaftsschluss übernahm Simon Hunziker das Amt des Cheftrainers von Lars Bachofner als Übergangslösung beim Koppiger SV. Doch letztlich sprachen die Resultate zuungunsten des Aufsteigers, gleichbedeutend mit dem sofortigen Wiederabstieg in die anonyme 4. Liga. Warum die Relegation? Dazu Hunziker, welcher das Team TOBE als Trainer verlassen wird: «Offensiv hatten wir nicht die nötige Durchschlagskraft. Vor allem bemängle ich den dürftigen Trainingsbesuch; damit verbunden durfte ich feststellen, dass die für die Meisterschaft notwendige Konzentration wie auch die physische Verfassung nicht den Ansprüchen einer 3.-Liga-Mannschaft genügten.» Hunziker, welcher in Aarau wohnhaft ist, wird in der kommenden Vorrunde die Hauptverantwortung für die Geschicke der Koppiger tragen respektive übernehmen.

Roland Jungi


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