«Al Quds – The Workshop» von Raff Fluri in den Berner Kinos

  26.10.2015 Aktuell, Politik, Region, Burgdorf, Kultur

Dass aus dem filmischen Material schliesslich «Al Quds – The Workshop» entstehen würde, das hat Fluri nicht gedacht. Dass er es in die «Sélection» des Berner Filmpreis Festivals schafft, erst recht nicht. Der Film ist nun ab 22. Oktober in den Berner Kinos zu sehen.
«Es war ein Sprung ins kalte Wasser», sagt Fluri über den Workshop. Der Burgdorfer Operateur erhielt die Anfrage, ob er jemanden kenne, der an einem Filmvorführerkurs in Jerusalem unterrichten könnte. Zwei Wochen später reiste Fluri selber nach Palästina, im Gepäck Projektorlampen, die auf Englisch übersetzten Kursunterlagen und eine Kamera. Diese hatte Raff Fluri mitgenommen, um die Kursinhalte zu dokumentieren und sie damit für die Teilnehmenden auch zu einem späteren Zeitpunkt einsehbar zu machen. Am Ende hielt sie aber weit mehr als nur den Unterricht fest. Sie begleitete die Gruppe in die verschiedenen Quartiere Jerusalems und am letzten Tag auf die Reise nach Jenin. Dort steht seit einigen Monaten eine digitale Anlage. Der Ausflug sollte für die Operateure eine Vorbereitung sein auf die Digitalisierung des Kinos – wurde aber zu einem abenteuerlichen Unternehmen.
Zurück in der Schweiz hat Fluri das Filmmaterial zu einem Reisebericht verarbeitet, quasi als kleines Erinnerungsstück für sich und die Gruppe. Bei seinem zweiten Besuch in Palästina ein Jahr später beschloss die Gruppe, den Film mit weiteren Aufnahmen und Interviews zu ergänzen.
Nach seiner Fertigstellung stiess der Film auf breiteres Interesse als erwartet: Die Premiere fand am 7. Mai in der bis auf den letzten Platz besetzten Kinemathek Lichtspiel in Bern statt. Darauf folgten weitere Vorführungen. Nun ist er in der «Sélection» des Berner Filmpreis Festivals für den Zuschauerpreis nominiert und vom 22. bis 31. Oktober in verschiedenen Berner Kinos zu sehen.

Mehr als nur ein Dokumentarfilm
«Al Quds – The Workshop» ist mehr als ein Dokumentarfilm über den Kurs für Operateure. Er nimmt den Workshop als Ausgangspunkt, gibt aber vielmehr einen Einblick in die sozial-politische Situation in der Heiligen Stadt, wird zu einem Zeugnis einer gesellschaftlichen Realität in Jerusalem. Raff Fluri lässt im Film Raum für die Kursteilnehmenden und lässt sie zu Wort kommen. Allen voran die palästinensischen Filmemacher Rima Issa und Ramzi Hazboun, die u. a. über ihre Arbeit und ihr Leben in Palästina berichten.
«Ich hatte keine Ahnung über das Land und seine politische Situation», sagt Fluri. Seine Verbindung zu Paläs­tina sei heute dennoch vor allem eine emotionale und keine politische. «Es sind die Menschen, die mir geblieben sind.» Mit einigen der neun Kursteilnehmenden stehe er noch in engem Kontakt, etwa mit Sayel Jarrar aus Nazareth, technischer Manager des «Cinema Jenin» in Palästina. Nur dank der Bewilligung für den Workshop konnte Jarrar überhaupt in Jerusalem einreisen. Laut Fluri war dies eine der grössten Schwierigkeiten, gleichzeitig aber auch das Ziel: alle Teilnehmenden in der Heiligen Stadt zusammenzubringen. Einige Teilnehmer seien das erste Mal überhaupt in Jerusalem gewesen. «Sie fanden sich als Touristen im eigenen Land wieder», so Fluri.
Vanessa Simili

«Al Quds – The Workshop», vom 22. bis 31. Oktober in den Berner Kinos zu sehen. www.bernerfilmpreisfestival.ch.
Am Freitag, 23. Oktober, 18.00 Uhr wird der Film im Kino Krone in Burgdorf gespielt.


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