Auswirkung der Frankenstärke auf die regionale Wald- und Holzwirtschaft
26.10.2015 Aktuell, Lützelflüh, KulturDie Waldbesitzer stehen seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses vor sehr grossen Herausforderungen. Die einheimische Produktion ist gegenüber dem Ausland noch einmal teurer geworden, was zu einem Rückgang der Rundholzpreise von 10 bis 15 Prozent führte. Die schon vor diesem Entscheid angespannte wirtschaftliche Situation der Waldbesitzer ist dadurch noch schwieriger geworden. Die Kostendeckung von Holzschlägen, insbesondere in topografisch schwierigem Gelände, ist seither noch schlechter. Dies bedeutet insbesondere auch für die zukünftige Pflege und Bewirtschaftung der Wälder grosse Probleme. Ein so düsteres Bild zeichnete Beat Zaugg, Geschäftsführer der Emmentaler Wald und Holz GmbH, an einer Pressekonferenz. Der Wald schützt vor Hochwasser und er ist der Ort, an dem Erholungssuchende auftanken können. «Doch unseren Schutz bieten nicht Wälder in Deutschland, Österreich oder Rumänien», gab er zu bedenken. Wem an den Schutzfunktionen des hiesigen Waldes gelegen sei, müsse konsequent Schweizer Holz verwenden, sagte er weiter.
Billige Holzprodukte überfluten den Schweizer Holzmarkt
Wie bereits erwähnt wird im Bauwesen zunehmend mit Holz gebaut. Doch dieses stammt meistens mit unbekannter Herkunft aus dem näheren und weiteren Ausland – oftmals sogar aus Raubbau. Zaugg sieht aber auch noch ein anderes Problem: «Private wie auch öffentliche Bauherrschaften werden vom lokalen Holzbauer nicht informiert, dass dieser die Balken und Bretter aus dem Ausland bezieht. Mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat sich dieser Trend noch verstärkt. Der Absatz für einheimische Schnittwaren ist rückläufig.»
Die Situation für die Waldbesitzer
Die öffentlichen Interessen am Wald können aber nur sichergestellt werden, wenn die Waldbesitzer ihn weiterhin bewirtschaften. In unserer Region hat die Wald- und Holzwirtschaft zudem auch eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung, hängen doch etliche Arbeitsplätze direkt und indirekt davon ab. Die Waldbesitzer müssen ihre Wälder weiterhin pflegen und bewirtschaften, denn nur so kann sich der Wald verjüngen und dauerhaft seine Schutzfunktion erfüllen. Auch für die zunehmende Zahl von Erholungssuchenden bietet nur ein bewirtschafteter Wald die nötigen Voraussetzungen. Dies ist eine schwierige Situation, doch die Waldbesitzer sind gewillt, diese Krise zu meistern. Sie suchen nach Lösungen und wollen sämtliche betrieblichen und organisatorischen Möglichkeiten zur Kostensenkung ausschöpfen. Im Weiteren sollten auch einschränkende Rahmenbedingungen wie Gewichtsbeschränkungen für die Holzabfuhr oder Auflagen bezüglich Räumung von Gewässern bei der Holzernte gelockert werden.
Auswirkungen für die Holzindustrie
Die Preissituation durch den schlechten Eurokurs ist erdrückend. «Der Preis für fertige Schnittwaren im Bereich gewisser Massensortimente nähert sich dem Preis, den wir für den Rohstoff bezahlen. Diese Marktverzerrung ist für die Branche ruinös», betonte Zaugg. Seit Jahren ist in der Branche eine tiefgreifende Strukturbereinigung im Gange. Diese Tatsache wird sich in nächster Zukunft noch beschleunigen. Demgegenüber haben die verbleibenden Betriebe mit namhaften Investitionen ihre Produktivität erhöht. Aber auch Anstrengungen im Bereich Marketing und Produktentwicklung wurden erfolgreich lanciert. Holz entwickelt sich zusehends zu einem Hightechmaterial. Die Endverarbeiter in der Schweiz stellen erwiesenermassen hohen Anspruch an Qualität, Masshaltigkeit und Lieferbereitschaft von Schnittwaren. «Die Stärke unserer mittelständischen Sägereibetriebe liegt in der Flexibilität und Innovationstätigkeit. Nur so ist es möglich, den Kundenwünschen gerecht zu werden und nur so können wir uns gegenüber ausländischen Produkten abheben», sagte Zaugg.
Markus Jutzi

