Fünf anerkannte Flüchtlingsfamilien aufnehmen
20.02.2016 Aktuell, Politik, Burgdorf, GesellschaftAn der letzten Stadtratssitzung von Anfang Februar wurde gemäss dem Antrag des Gemeinderates der SP-Vorstoss, die AMP-Truppenunterkunft mit den dortigen zahlreichen Betten als Asylunterkunft zu nutzen, erst überwiesen und zugleich abgeschrieben. Auf eine Anfrage des Burgdorfer Gemeinderates von letztem Herbst hatte Bundesrat Ueli Maurer, der damalige Vorsteher des Eidg. Departementes für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, mitgeteilt, bei der Armee bestehe Eigenbedarf. Das werde sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern.
Nägel mit Köpfen machen
beziehungsweise Betten bereitstellen Am Schluss der Ratssitzung reichte die SP-Fraktion einen neuen Vorstoss betreffend «Alternative Asylunterkünfte sowie Unterkünfte für Flüchtlingsfamilien» ein mit dem Wortlaut: «Der Gemeinderat wird aufgefordert, bis im Herbst 2016 mögliche Standorte für eine Asylunterkunft zu evaluieren sowie für mindestens fünf anerkannte Flüchtlingsfamilien Wohnmöglichkeiten bereitzustellen.»
Als Begründung führt die Partei an, dass das Durchgangszentrum in der Zivilschutzanlage Lindenfeld ursprünglich für 100 Asylbewerberinnen und -bewerber ausgelegt gewesen sei. Vergangenen Herbst haben in der Anlage bis zu 150 Personen gelebt, «weshalb der Platz somit eng ist und die Infrastruktur an ihre Grenzen gerät». Mit Blick auf eine mögliche Schliessung der Unterkunft Lindenfeld im Herbst 2016 solle der Gemeinderat dafür sorgen, dass Alternativen zur Verfügung stehen.
Fünf Familien unterbringen
Vor diesem Hintergrund fordert die SP-Stadtratsfraktion vom Gemeinderat, für mindestens fünf anerkannte Flüchtlingsfamilien Wohnmöglichkeiten bereitzustellen. Sie weist auf die aktuelle politische Situation in den Krisengebieten hin und betont, «dass sich die Konflikte in den Krisenherden weiter verschärfen und weitere Menschen zur Flucht gezwungen werden». Dieser Umstand kann täglich via Medien mitverfolgt werden, Zehntausende Männer, Frauen und Kinder verlassen ihre Heimat. Sofern die Türkei und Griechenland ihre Grenzen noch mehr abriegeln und dies auf der Landroute – wie derzeit bereits praktiziert – und künftig im östlichen Mittelmeer per EU-Schiffen durchgesetzt wird, ist mit einem Ausweichen der Flüchtlingsströme von der Balkanroute nach Europa neu über Italien und via Schweiz nach Nordeuropa zu rechnen. Wesentlich mehr Flüchtlinge werden versuchen, die Schweizer Grenze zu überwinden und hier um Asyl zu suchen. «Es ist also davon auszugehen, dass die Anzahl der Asylsuchenden weiter zunimmt», schreibt die SP und fährt fort: «Die Schweiz und somit die Gemeinde Burgdorf stehen in ihrer humanitären Tradition in der Verpflichtung.»
Mögliche Verlängerung?
Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch bestätigt, dass betreffend das Durchgangszentrum Lindenfeld «Verhandlungen mit Regierungsrat Hans-Jürg Käser, Polizei- und Militärdirektor des Kantons Bern, auf der Terminliste stehen. Es geht um eine eventuelle Weiterführung des Durchgangszentrums Lindenfeld über den seinerzeit vereinbarten Termin Ende September 2016 hinaus, denn der damalige Vertrag mit der Gemeinde Burgdorf war befristet. Aber bisher sind erst Gespräche ins Auge gefasst, für Entscheide ist es noch viel zu früh.» Sollte sich wirklich eine Verlängerung des Vertrages abzeichnen, wären die Modalitäten Gegenstand von Verhandlungen, betont Zäch.
Momentan leben im Durchgangszentrum wieder gegen 100 Personen, von einer Überbelegung kann derzeit also nicht gesprochen werden. Rückfragen in der Nachbarschaft haben ergeben, dass auch nach deren Meinung der Betrieb reibungslos läuft.
Die Stadtpräsidentin betont, dass die Stadt die Unterbringung von Flüchtlingsfamilien nicht im Handumdrehen bewerkstelligen könne: «Wir haben praktisch keine gemeindeeigenen Liegenschaften mehr, wo wir Familien einfach einquartieren können. Geeigneter Wohnraum für Familien ist einfach knapp.»
Gerti Binz

