Ein Vorzeigebetrieb punkto Lehrlingsbetreuung
28.03.2016 Aktuell, Wirtschaft, OberburgIn den letzten Jahren gaben in der Gebäudetechnikbranche die hohen Durchfallquoten bei den Lehrabschlussprüfungen zu reden. So haben beispielsweise im Jahr 2015 28% der Heizungsinstallateure/-innen und 23% der Sanitärinstallateure/-innen die Abschlussprüfungen nicht bestanden. Mögliche Gründe dafür liegen in der mangelnden praktischen und schulischen Betreuung der Lehrlinge durch den Lehrbetrieb während der Lehrzeit. Ein weiterer Grund kann die zu wenig gezielt durchgeführte Auswahl der Lehrlinge sein. Diese sollte konsequent nach speziellen Eignungskriterien erfolgen, damit sichergestellt werden kann, dass die Lehrlinge die nötigen Fähigkeiten mitbringen.
Ein Vorzeigebetrieb
Die Daniel Jutzi AG beschäftigt rund 50 Personen an zwei Standorten. Sieben davon sind Lernende – drei Heizungsinstallateure, drei Sanitärinstallateure und ein Lehrling, welcher die Zusatzausbildung zum Planer absolviert. «Uns ist es sehr wichtig, dass sich alle unsere Mitarbeiter in der Firma wohlfühlen. Um dies zu gewährleisten, halten wir jede Woche eine Teamsitzung ab, an der alle Mitarbeitenden teilnehmen. Im Vordergrund stehen dabei der Austausch von Informationen, das Lösen von allfälligen Problemen sowie die Weitergabe von positiven und negativen Rückmeldungen unserer Kundinnen und Kunden. Zudem haben wir eine Ideenbox, in die Anregungen zu Verbesserungen in irgendeinem Bereich des Betriebs eingeworfen werden können», erklärt Christof Geiser, Lehrlingsverantwortlicher der Daniel Jutzi AG. Dank der Ideenbox existiere beispielsweise ein Handcremenspender: «Dies wurde übrigens durch einen Lehrling angeregt!»
Als ausgezeichneter «Toplehrbetrieb» unternimmt das Oberburger Unternehmen so einiges, um seine Lehrlinge in allen Bereichen zu unterstützen und so im Endeffekt optimal auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten. In der speziell eingerichteten Lehrlingswerkstatt können die Lernenden ihre Fertigkeiten im praktischen Bereich verfeinern. Wer in der Berufsschule Mühe hat, kann alle zwei Wochen von einer kostenlosen Aufgabenhilfe profitieren. Als Vorbereitung auf die überbetrieblichen Kurse finden jeweils auch interne Kurse statt, in denen es beispielsweise um Materialkunde und das Herstellen von Werkstücken geht. Um den Lehrlingen ein breiteres Verständnis der betrieblichen Abläufe zu vermitteln, dürfen sie eine Baustelle von A bis Z, also von der Planung bis zur Abgabe, mitverfolgen. Zudem findet ein Mal pro Jahr ein Lehrlingsausflug statt – und alle zwei Monate eine Lehrlingssitzung, an welcher allfällige Probleme angesprochen werden können. «Bis jetzt bin ich mit meinem Lehrbetrieb zufrieden, es ist ein guter Betrieb. Mir gefällt auch, dass Probleme schnell angeschaut werden», meint Cyrill Walser, Sanitärinstallateurlehrling im ersten Lehrjahr.
«Es ist schwierig, gute Lehrlinge zu finden»
«Das Klischee der Sanitärinstallateure ist, dass sie den ganzen Tag nur Toiletten entstopfen und in Abwasserrohren herumkrabbeln. Das stimmt aber nicht. Es ist eine sehr abwechslungsreiche Lehre und man hat mit verschiedenen Leitungen für Gas, Abwasser, Druckluft oder Warm- und Kaltwasser zu tun», erklärt Cyrill Walser. Besonders das handwerkliche Arbeiten gefällt ihm am Beruf des Sanitärinstallateurs. Die Schattenseiten des Jobs seien, dass man manchmal draussen arbeiten müsse, wenn es regnet oder schneit, umgekehrt dann aber drinnen, wenn das Wetter schön wäre – Murphy lässt da wohl grüssen…
«In der heutigen Zeit ist es schwierig, gute Sanitär- oder Heizungsinstallateurlehrlinge zu finden. Um den Jugendlichen diese spannenden Berufe möglichst näherzubringen, informieren wir regelmässig in Schulen oder an den diversen Berufsmessen in der Region», erläutert Christof Geiser. Gefragt seien vor allem gute zeichnerische und mathematische Fähigkeiten sowie ein solides räumliches Vorstellungsvermögen. «Während einer Schnupperlehre kann relativ gut abgeschätzt werden, ob jemand die nötigen Voraussetzungen für die entsprechende Lehre mitbringt oder nicht», so Geiser.
Übrigens hat die Daniel Jutzi AG auch am Lehrstellenmarkt vom Mittwoch, 30. März, von 14.00 bis 16.00 Uhr im BIZ Burgdorf einen Informationsstand.
Felix Glauser

