«Hedda Gabler» von Henrik Ibsen

| Di, 19. Apr. 2016

JEGENSTORF: Regisseur Andreas Berger hat das Drama «Hedda Gabler» des norwegischen Autors Henrik Ibsen für die Remise Bühni ausgesucht. Die höchst unterschiedlichen Charaktere werden mit grosser Spielfreude dargestellt – ein Genuss für Theaterliebhaber. red

Ein Drama – geschrieben vom norwegischen Autor Henrik Ibsen und vor 125 Jahren uraufgeführt. Ausgerechnet ein Theaterstück mit eher düsteren Grundpfeilern hat sich der Regisseur Andreas Berger für die «Remise Bühni» ausgesucht, denkt man spontan. Gut, die letztjährige Vorstellung der Remise Bühni Jegenstorf war das Lustspiel «Liebeslust und Liebesfrust», vom Regisseur selbst geschrieben und inszeniert. Warum nicht wieder mal ernsteren Stoff dem Publikum präsentieren? Aber keine Angst! Berger hat Ibsens Gesellschaftsdrama dem 21. Jahrhundert angepasst und lässt die sieben Schauspielerinnen und Schauspieler die Dialoge im Dialekt sprechen. Bewusst möchte der Schreiber die genauen Details des Theaterstückes dem zukünftigen Publikum vorenthalten. Nur so viel: Mit grosser Spielfreude werden die höchst unterschiedlichen Charaktere dargestellt. Man ist schnell innerlich empört über die unsägliche Gefühlskälte und die perfiden Schachzüge der Hedda Gabler, eindrücklich gespielt von Rebekka Psota. Ebenso ausgiebig amüsieren oder nerven kann man sich über ihren pedantischen und eher weltfremden Ehemann Jörg Tesman (Michael Schoch).

Präzise und kalt orchestriert die frus-trierte Hedda ihr nahes Umfeld. Gnadenlos wird die naive Freundin Thea (Isabelle Steiner) benutzt, um den ehemaligen Liebhaber Ejlert (Simon Heiniger) ins Verderben zu stürzen. Verachtend behandelt die kaltherzige Ehefrau die von Ehemann Jörg hochgeschätzte Tante Juliane (Esther Weidmann). Doch beim windigen und süffisanten Hausfreund Richter Brack, glaubwürdig gespielt von Beda Affolter, findet Hedda eine Art Spiegelbild ihres höchst egoistischen Charakters.

Eindrücklich spielt das Ensemble das Drama über wohlbekannte menschliche Schwächen und Unzulänglichkeiten. So dramatisch dieser tödliche Reigen auch sein mag, für mehrere Lacher aus dem Publikum hat Regisseur Andreas Berger gleichwohl gesorgt. Trotz unterschiedlichen Erfahrungsjahren der Darstellerinnen und Darsteller sind keine markanten schauspielerischen Schwächen erkennbar, die beim Publikum irritierend wirken würden. Die Auswahl der Protagonisten für die entsprechende Rolle wurde offensichtlich mit grosser Sorgfalt getroffen. Beste Spannung und Unterhaltung in zwei Akten mit nur einem Bühnenbild – «Chapeau!».

Für den perfekten Theaterabend oder -sonntag erwartet das Publikum im «Restaurant Löwen» Jegenstorf zudem ein «Theatermenü» zum Vorteilspreis.

Henry Oehrli

Weitere Informationen: Aufführungen 2016: Mi, 20. April / Fr, 22. April / Sa, 23. April / Mi, 27. April / Fr, 29. April / Sa, 30. April / Mi, 4. Mai / Fr, 6. Mai / Sa, 7. Mai / So, 8. Mai / Mi, 11. Mai / Do, 12. Mai / Fr, 13. Mai / Mi, 18. Mai / Fr, 20. Mai / Sa, 21. Mai / So, 22. Mai / Mi, 25. Mai / Fr, 27. Mai / Sa, 28. Mai / Mi, 1. Juni / Do, 2. Juni / Fr, 3. Juni / Sa, 4. Juni.

Reservationen für Aufführungen (und Theatermenü): www.remise.ch, Telefon 0900 320 320 (CHF 1.– / min) während den Geschäftsöffnungszeiten.

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