Im Hofgut wird gebaut
20.09.2016 Aktuell, Burgdorf, GesellschaftEs dauert Monate, bis ein Bauprojekt wie die geplante Überbauung am Ludwig-Schläfli-Weg in Burgdorf publiziert werden kann. Dann hagelt es Einsprachen seitens der Quartierbevölkerung, die mit dem Projekt überhaupt nicht einverstanden ist.
Streitpunkt Parkplätze
Einer der viel diskutierten Streitpunkte ist die auffallend niedrige Anzahl vorgesehener Parkplätze für künftige Bewohner/innen und Besucher/innen. Die Begründung, hier würden künftig umweltbewusste Fussgänger/innen und Velofahrer/innen wohnen und zu Besuch kommen, lassen die Grenznachbarn nicht gelten.
«Sie werden auf unseren Parkplätzen stehen und die Quartierstrassen verstopfen», lautet nur eine der vehement vorgetragenen Beschwerden. Architekt Martin Zulauf von der Architektengemeinschaft / Ateliergenossenschaft Werkgruppe AGW in Bern erinnert sich, dass «wir seinerzeit ganz widersprüchliche Rückmeldungen bezüglich der Parkplätze erhalten haben: Die einen sprachen von zu vielen, die anderen von zu wenigen Parkplätzen. Jetzt halten wir uns genau an die gesetzlichen Vorgaben und planen 0,5 Parkplätze je Wohneinheit».
Zulauf kommt auf «die seinerzeit falschen Voraussetzungen in der Planung» zu sprechen, weil «die baulichen Grundlagen unklar formuliert und interpretiert worden sind. Nach dem Kauf des Areals wussten wir von der 65 Jahre alten Aufschüttung, auf welcher die nun abzureissenden Gebäude stehen. Aber für unser Projekt zählt nicht dieser Untergrund, sondern das sich darunter befindliche Terrain. Das wiederum hat eine massive Anpassung unseres Gesamtprojektes bedeutet.» Entsprechend haben die Bauverantwortlichen gemäss Zulauf «die ursprünglich 90 m und 25 m langen Gebäude neu als zwei von etwa gleicher Länge geplant und die Gebäudehöhen um etwa 1,20 m reduziert».
Arbeiten beginnen Mitte Januar 2017
Das alles gehört der Vergangenheit an. In den vergangenen drei Jahren arbeiten die Verantwortlichen der Arge Reinhardpartner AG / Werkgruppe AGW Bern ein neues Projekt mit zwei redimensionierten Gebäuden aus; weniger lang und weniger hoch. Doch erneut gilt es, Einsprachen zu bearbeiten und Fristen zu beachten. Nachdem die Beschwerdefrist für Weiterzüge der Baueinsprachen an die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern letzten Monat ungenutzt verstrichen ist, verfügt die Bauherrschaft endlich über eine gültige Baubewilligung und plant den Baubeginn für Frühjahr 2017. Voraussichtlich können die vorgesehenen 52 Wohnungen zwei Jahre nach Baubeginn bezogen werden.
Um das Areal entlang der BLS- Bahngleise vorbereiten zu können, müssen die alten Schuppen des früheren kantonalen Werkhofes abgerissen werden. Auch hierfür liegt die Bewilligung jetzt vor, der Beginn der Abrissarbeiten soll laut Zulauf Mitte Januar 2017 starten.
Ausschliesslich Mietwohnungen
Gemäss Zulauf handelt es sich bei den 52 Wohneinheiten «um zeitgemässe Wohnungen mit entsprechendem Ausbau und trotzdem günstigen Mieten, da die Bauträgerschaft gemeinnützigen Vorschriften verpflichtet ist und mit der Stadt Burgdorf einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hat». Natürlich weiss er, dass Burgdorf wie auch andere Berner Gemeinden dringend bezahlbaren Wohnraum benötigen. «Deshalb sind wir zuversichtlich, dass wir unsere grosszügig bemessenen Wohnungen wie beispielsweise eine Dreieinhalbzimmerwohnung von 95 m² für Fr. 1450.– im Monat gut vermieten können. Die Erstmieter können in die Raumgestaltung und anderes mehr miteinbezogen werden und aus einem Katalog von Möglichkeiten ihre gewünschten Änderungen anregen.» Vorgesehen sind folgende Wohngrössen: 2-mal 1,5 Zimmer, 12-mal 2,5 Zimmer, 16-mal 3,5 Zimmer, 15-mal 4,5 Zimmer und 7-mal 5,5 Zimmer; zudem ein Gemeinschaftsraum und fünf Ateliers. «Wir würden gerne eine Kita integrieren», führt Zulauf weiter aus, «dementsprechend wären es dann ein bis zwei Wohnungen weniger».
Die zwei Wohnblöcke sind in Einheiten von 6,30 m Länge mal 15 m Tiefe ausgerichtet. Das bedeutet, dass ein über dieses Raumangebot hinausgehender Zimmerbedarf durch einen oder zwei Räume im Unter- oder Obergeschoss gedeckt werden kann, die mittels interner Treppe von der jeweiligen Etage aus erreicht werden.
Minergie-P-Standard
Beide Wohnblöcke werden im Minergie-P-Standard erstellt, was eine ausgezeichnete Isolation und Luftundurchlässigkeit garantiert. Dadurch kann Wärmeverlust reduziert beziehungsweise fast ausgeschlossen werden. Eine Komfortlüftung sorgt für permanente Frischluftzufuhr und das gleichzeitige Abführen der verbrauchten Luft, wobei die Wärmerückgewinnung garantiert ist. Trotzdem können künftige Bewohner/innen bei Bedarf sämtliche Fenster öffnen. Diese Bauweise spart laut Zulauf einen Drittel bis einen Viertel der Heizenergie im Vergleich zu Bauten vor zehn Jahren.
Zulauf weist auf das «Laubenhaus» in Bümpliz hin, das ähnliche Merkmale wie die künftige WOK Hofguet AG aufweist. «WOK steht für Wohnen/Kultur und ist nach den Projekten ‹Lorraine› und ‹Burgunder› das dritte derartige Bauprojekt. Im Lorraineprojekt sind seinerzeit die hier ansässigen Künstlerateliers in die spätere Überbauung integriert worden, was den Namen erklärt. Zudem bestehen Wohngemeinschaften für grössere Personenkreise älterer Jahrgänge.»
Alle Fragen mit BLS geklärt
Seit Jahren arbeiten die BLS-Bauverantwortlichen an den Plänen für die Verschiebung des Bahnhofs Steinhof Richtung Oberburg. Gemäss den Erklärungen von Zulauf bestehen hier keine Probleme, wenn Anfang 2017 die Arbeiten für die zwei Wohnblöcke beginnen. «Voraussichtlich im Oktober 2016 wird die BLS über den Stand ihrer Planung und den Baubeginn informieren», weiss er. «Da die BLS beabsichtigt, ihr Industriegeleise aufzuheben, steht genügend Platz auf eigenem Terrain für die künftige Haltestelle zur Verfügung. Wir müssen keinesfalls Land abtreten. Eventuell geht es anders herum: Wir erhalten zusätzlichen Boden und können die Vorgärten erweitern.»
Auf die Frage, warum nicht beide Bauprojekte gleichzeitig realisiert werden, verweist Zulauf auf «voraussichtlich noch einige Jahre, welche die BLS für ihr Projekt bis zum Baubeginn benötigt».
Die Homepage von Werkgruppe AGW wird derzeit überarbeitet und ist ab Dezember 2016 mit Details zur WOK Hofguet AG wieder aufgeschaltet. Mietinteressenten gibt Martin Zulauf persönlich Auskunft (031 388 00 88).
Gerti Binz

