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«Der Standort Burgdorf hat ungemein viel zu bieten»

| Mo, 07. Nov. 2016

BURGDORF: «D'REGION» im Gespräch mit der Stapi-Kandidatin Cornelia Weber (parteilos).

«D’REGION»: Wann und weshalb haben Sie sich dazu entschlossen, Ihre Kandidatur für das Stadtpräsidium einzureichen?
Bereits vor vier Jahren spielte ich mit dem Gedanken, zu kandidieren. Ich bin seit jeher sehr an Politik interessiert; bereits in meiner Kindheit führten wir am Familientisch immer intensive politische Diskussionen. Der Gedanke, vom Kulturbereich in die Politik zu wechseln, um auf diesem Gebiet etwas zu bewirken, war also naheliegend.
Auf einer Wanderung in diesem Sommer entschied ich mich, nun definitiv zu den Stadtpräsidiumswahlen anzutreten. Der Zeitpunkt ist für mich ideal, da ich nach der zehnjährigen Leitung des Schweizer Schützenmuseums in Bern auf der Suche nach einer neuen Herausforderung bin. Mit den vielseitigen Kompetenzen, die ich mir in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn – unter anderem auch als Leiterin des Kornhausmuseums in Burgdorf – angeeignet habe, verfüge ich über das geeignete Instrumentarium, um mich als Stadtpräsidentin für das Wohl von Burgdorf zu engagieren. Ich besitze Führungs­erfahrung, bin in den Bereichen Kultur, Politik, Wirtschaft, Medien und Tourismus gut vernetzt und habe immer wieder bewiesen, dass ich Verantwortung übernehmen kann. Zudem bin ich überzeugt, dass man alles lernen kann. Wichtig ist, dass man sich mit Freude für eine Sache einsetzt.

«D’REGION»: Schlägt Ihr politisches Herz eher rechts oder eher links?
Ich bin bürgerlich orientiert und positioniere mich innerhalb des politischen Spektrums in der Mitte. Je nach Thema und Problemlage schlägt mein Herz eher links oder rechts. Deshalb bin ich auch in keiner Partei. Bei sozialen Fragen finden sich eher Berührungspunkte mit der Linken. Ich stehe aber für einen schlanken Staat ein – in diesem Bereich sind die Gemeinsamkeiten mit den rechten Parteien grösser. Mir geht es darum, ohne ideologische Scheuklappen den grössten gemeinsamen Nenner der verschiedenen Interessengruppen zu eruieren und anschliessend die beste Lösung zu erarbeiten.

«D’REGION»: Inwiefern würde sich die Stadtpräsidentin Cornelia Weber von ihrer Vorgängerin Elisabeth Zäch unterscheiden? Gibt es Bereiche, in welchen Sie definitiv andere Akzente setzen möchten?
Dies ist für mich schwierig zu beurteilen, da ich nicht hinter die Kulissen blicken kann. Zu den grossen Erfolgen von Elisabeth Zäch gehört sicherlich ihr unermüdliches Engagement für den Verbleib der Berner Fachhochschule in Burgdorf.

«D’REGION»: Bürgernähe ist ein Schlüsselslogan im politischen Diskurs. Sehen Sie in diesem Bereich bei der Stadtverwaltung von Burgdorf Optimierungsbedarf?
Ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Bei allen Fragen bezüglich meiner Kandidatur für das Stadtpräsidium erhielt ich von der Verwaltung stets kompetent und zuvorkommend Auskunft. Die Hilfsbereitschaft, die ich spürte, war enorm. Mehr Bürgernähe ist kaum möglich. Auch als Leiterin des Kornhauses erhielt ich von der Stadtverwaltung bei allen Projekten viel Unterstützung. Als Stadtpräsidentin würde ich mich auf die konstruktive Zusammenarbeit mit dem engagierten und hilfsbereiten Personal der Stadt freuen.

«D’REGION»: Die Stadt Bern fordert gegenwärtig von der Landschaft eine bessere Abgeltung der Zentrumslas­ten. Wie beurteilen Sie das Verhältnis und die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Burgdorf und den ländlichen Gemeinden im Emmental?
Als Stadtpräsidentin würde ich das Verhältnis zwischen der Stadt und der Region genauer analysieren. Je mehr Zentrumsfunktionen Burgdorf wahrnimmt, desto stärker profitieren die umliegenden Gemeinden. Im Gegenzug wirken sich auch die Entwicklungen in der Region wie die Neueröffnung des Gewerbeparks in Hasle positiv für Burgdorf aus.
Meiner Wahrnehmung zufolge funktioniert die gegenwärtige Zusammenarbeit zwischen der Stadt und den Gemeinden des Emmentals reibungslos und konstruktiv. Diese Partnerschaft muss weiterhin gepflegt werden, da viele Projekte nicht vor Gemeindegrenzen Halt machen. Nur wenn Stadt und Gemeinden am gleichen Strick ziehen und zusammen für ihre Interessen einstehen, kann unsere Region erfolgreich sein und positive Akzente setzen.

«D’REGION»: Die Stadtpräsidentin von Burgdorf verdient jährlich rund 234 000 Franken – weitaus mehr als die Stadtpräsidenten von Bern oder Luzern. Alt Stadtpräsident Peter Trachsel bezog einst nur die Hälfte des Lohnes, den Rest spendete er alleinerziehenden Müttern. Müsste der Lohn des Stapi angesichts des Spardrucks, der auf der Emmestadt lastet, reduziert werden?
Ich bin der Ansicht, dass über die Lohnhöhe definitiv diskutiert werden darf. Das Einkommen als Stadtpräsidentin spielte bei meinem Entschluss, mich für das Amt zu bewerben, keine Rolle. Der schweizweite Durchschnitt der Präsidenten liegt gemäss einer Studie der «Sonntagszeitung» bei knapp 200 000 Franken. Ich denke, dass sich der Lohn gut auf diesem Niveau einpendeln könnte. Allerdings müssen zunächst diverse Fragen geklärt werden. Die konkrete Entschädigungspraxis muss genauso wie der Arbeitsaufwand genauer analysiert und anschliessend mit Löhnen in Städten ähnlicher Grössenordnung verglichen werden.

«D’REGION»: Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Situation in der Altstadt? Ist es gelungen, den Negativ­trend zu stoppen? Und mit welchen Rezepten soll der historische Stadtteil weiter belebt werden?
Die Altstadt ist heute alles andere als eine Geisterstadt. Seit der schwierigen Phase, die mit dem Wegzug des Kaufhauses Strauss einsetzte, sind immense Anstrengungen unternommen worden, um die Situation zu verbessern. Positiv werte ich, dass heute praktisch alle Ladenlokale wieder besetzt sind. Dennoch muss die Altstadt noch stärker belebt werden. Eine grosse Chance stellt sicherlich das Projekt «Üses Schloss» dar. Meine Vision sieht vor, Schloss und Altstadt als Gesamt­paket zu vermarkten – inklusive dem Museum Franz Gertsch und dem Alten Schlachthaus. Ich möchte Burgdorf als Ausflugsdestination besser positionieren und den touristischen Attraktionen mehr Schlagkraft verleihen. Der Standort Burgdorf, der architektonisch, kulturell, landschaftlich, wirtschaftlich und historisch ungemein viel zu bieten hat, soll aufgewertet werden. Mir schwebt weiter vor, das Angebot an Stadtführungen auszuweiten.
Aus der Geschichte der Entwicklung der Altstadt ist die Lehre zu ziehen, wie ungemein wichtig eine gute Verkehrserschliessung und eine befriedigende Parkplatzsituation sind. Als Stadtpräsidentin würde ich betreffend Parkplätze dafür sorgen, dass die Fehler, die in der Altstadt gemacht wurden, in der Unterstadt nicht wiederholt werden.

«D’REGION»: Alle Parteien predigen einen haushälterischen Umgang mit den Finanzen. Gibt es konkrete Projekte, bei denen Sie aus Spargründen am liebsten die Notbremse ziehen würden?
Aus meiner Optik sind alle Projekte, die in letzter Zeit zugunsten der Stadtentwicklung lanciert wurden, nützlich und wertvoll für Burgdorf. Allerdings gilt es, Planung und Finanzlage der einzelnen Projekte mit den Verantwortlichen im Detail anzuschauen. In all meinen Tätigkeiten achtete ich bisher darauf, ein ausgeglichenes Budget vorzulegen. Als Stadtpräsidentin hätte die Analyse der finanziellen Situation gemeinsam mit den zuständigen Gremien sicherlich Priorität.

«D’REGION»: Von rechts bis links ist man sich einig, dass der Wirtschaftsstandort Burgdorf gestärkt werden muss. Wie erreicht man dieses Ziel?
Es muss eruiert werden, aus welchen Gründen Firmen wie Roche oder 3M dem Standort Burgdorf den Rücken kehrten. Weiter gilt es abzuklären, welche Qualitäten die bei uns angesiedelten Unternehmen besonders schätzen, und diese dann systematisch weiterzuentwickeln. Ich setze mich für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung ein. Die Rahmenbedingungen in Burgdorf sollen für die Firmen stimmen. Eine Stadt, welche ein breites Kulturangebot und attraktive Dienstleistungen anbieten will, ist auf Wachstum und gute Steuerzahler angewiesen. Seriöse, langfristige Beziehungen zu den Partnern aus der Wirtschaft zahlen sich aus. Gewisse Regeln sind aber unumgänglich: Es darf nicht vorkommen, dass ein Konzern mit Vergüns­tigungen nach Burgdorf gelockt wird und er die Emmestadt nach wenigen Jahren wieder verlässt. Als Stadtpräsidentin würde ich die Zusammenarbeit mit dem Verein «Gesundheitswirtschaft Burgdorf» («B. for HEALTH»), vorantreiben, der sich zum Ziel setzt, Burgdorf als attraktiven Wirtschaftsstandort zu präsentieren. Dabei sind die wichtigsten Argumente unsere gute Gesundheitsversorgung, das attraktive Naherholungsgebiet sowie unsere vielfältigen Sportanlagen.

«D’REGION»: Glauben Sie, dass sich mit der Variante «Null plus» in Burgdorf und den Umfahrungen in Oberburg und Hasle b. B. das Verkehrsproblem im Emmental lösen lässt oder hätten Sie persönlich die Umfahrungsvariante in Burgdorf favorisiert?
Die Umfahrung Burgdorf durch das Landwirtschaftsgebiet Meienmoos lehnte ich ab. Auch eine Umfahrung durch den Schlosshügel hätte ich mir nur schwerlich vorstellen können. Die vom Regierungsrat ausgearbeitete Lösung, welche die Ersetzung der beiden Bahnübergänge in Burgdorf durch Unterführungen und die Umfahrung von Oberburg und Hasle b.B. vorsieht, trägt sicherlich viel zur Verbesserung der gegenwärtigen Situation bei. Nun gilt es, sich bei der Ausarbeitung des Projekts einzubringen. Wichtig ist, dass endlich etwas unternommen wird und die Verkehrssanierung voranschreitet.

«D’REGION»: In vielen Städten wird das Angebot an günstigem Wohnraum immer knapper. Besteht in Burgdorf Handlungsbedarf? Und welche politischen Steuerungsmöglichkeiten gibt es?
In Burgdorf sind zahlreiche neue Siedlungen entstanden, welche für verschiedene Bedürfnisse konzipiert sind. Die Durchmischung von günstigem und teurem Wohnraum scheint zu stimmen. Allerdings müsste ich mich im Fall meiner Wahl eingehender mit der Situation befassen.
Interview: Markus Hofer

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