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«Sexualität und Alter – ein Widerspruch?»

| So, 27. Nov. 2016

BURGDORF: Mut und Zeitgeist bewies Lucia Schenk, stv. Geschäftsleitung des «Zentrum Schlossmatt». Mit der Einladung zur Information und Diskussion über das Thema «Sexualität und Alter – ein Widerspruch?» griff sie ein Thema auf, das immer noch als «Tabu»-Thema gilt. smo

Mut und Sinn für den Zeitgeist bewies Lucia Schenk, stellvertretende Geschäftsleiterin des Zentrums Schlossmatt. Mit der Einladung zur Information und Diskussion über das Thema «Sexualität und Alter – ein Widerspruch?» griff sie ein Thema auf, das immer noch als Tabuthema gilt.
Dies auch in Pflegeheimen, wie die Erfahrungsberichte der Referentinnen zeigten. Einführend und einfühlend berichtete Ursula Wyss, Paar- und Eheberaterin und Theologin, aus ihrem Berufsalltag. In den Gesprächen mit ihren Klienten ist auch Sexualität ein Thema, und Ursula Wyss spürt immer wieder die Verhaltenheit dazu.

Umgang mit Veränderung
Mit 60 oder 70 hat sich verlieben eine neue Qualität. Vertrauen, Fürsorge, Zärtlichkeit und Geborgenheit stellen Drang und Zwang in den Hintergrund. «Die Spielarten der Liebe im Alter sind vielfältig, wichtig ist die Vertrautheit, das Reden miteinander», ist sich Ursula Wyss sicher. Der Verlust der Libido kann durch Fantasie wettgemacht werden. «Ein Rezept für das Liebesleben gibt es nicht, ebenso kein Wörterbuch für diesbezügliche Wünsche», meinte die Referentin. Helfend wirke hier das offene und ehrliche Gespräch, denn Nähe in Geist und Seele lasse in der Folge auch körperliche Nähe zu. Den Ausführungen der Referentin war zu entnehmen, dass Vertrauen und das Äussern von Bedürfnissen wichtig sind für ein Sexualleben, und zwar in jedem Alter. Zärtlichkeit und menschliche Zuwendung prägten das seelisch-geis­tige Band zwischen den Partnern.

Intimität
Diesen wichtigen Aspekt betonte Referentin Helen Vogel in ihrer Diplomarbeit zur Ausbildung als Aktivierungsfachfrau HF.
Die Vorstellung, dass alte Menschen, zum Beispiel Vater und Mutter, noch Intimitäten miteinander austauschen, wird von vielen Jungen als peinlich empfunden. Pflegende sind oft mit den sexuellen Bedürnissen der Bewohnenden überfordert und empfinden Berührungen durch Bewohner als Übergriff. Die Pflegenden sind oft in Situationen, die als intim gelten. Hier den richtigen Mix zwischen professionellem und persönlichem Handeln zu finden, steht zuoberst auf der Prioritätenliste der Aktivierungsfachfrau. Es gibt bis anhin keinen Leitfaden für das Verhalten, kein Konzept im Umgang mit den zu Betreuenden, zu Sexualität und Körperlichkeit.
Das Bedürfnis nach sexueller Nähe gehöre doch zum Leben der Alten wie der Gedanke an den Tod, äusserte eine Zuhörerin. «Nicht die Frage, was gewünscht wird, sondern was wir zu gewähren bereit sind», ist der Auslöser zur Grundsatzdiskussion im Heim, hielt Pflegefachfrau Lucia Schenk fest, und sie weiss: «Was zu einem Thema wird, ist plötzlich nicht mehr natürlich». Im Zentrum Schlossmatt, versicherte Helen Vogel, «werden die Menschen in ihren Bedürfnissen ernst genommen, auch wenn es noch (oder überhaupt) kein Patentrezept gibt. Schrittmacher für ein neues Sexualverständnis in Heimen und Pflegeinstitutionen sind allen voran die Befreiung von Vorurteilen, aber auch die Begleitung von Pflegenden aller Altersgruppen.
Sylvia Mosimann

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