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Das Umbauprojekt «Bahnhof Wiler» erhitzt die Gemüter

| Mi, 16. Nov. 2016

WILER: An der Informationsveranstaltung informierten Peter Bobak (Bild), BLS-Gesamtprojektleiter, und André Schweizer, BLS-Leiter Bahnübergänge, über den Stand der Planungen. Die Baustelle wird sich über das gesamte Gemeindegebiet erstrecken. hkb

Der Gemeindepräsident von Wiler, Markus Schütte, begrüsste die Anwesenden zur Informationsveranstaltung. Der grosse Aufmarsch, ungefähr ein Sechstel der Wiler Stimmberechtigten, liess erahnen, dass an diesem Abend ein brisantes Thema in der Agenda stand.
Peter Bobak, Gesamtprojektleiter der BLS, erklärte die Gründe für den geplanten Umbau. Der Bahnhof Wiler sei veraltet und entspreche den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes nicht mehr. Beim Umbau werden gleichzeitig die Perrons verlängert, die Zugänge verbessert und die Perronüberdachung erneuert. Bushalte­stelle und Parkplätze bleiben erhalten, der Velounterstand wird erneuert und nicht mehr benötigte Schienen und Weichen werden entfernt. Auf der Seite Gerlafingen wird ab der Höhe Carbagas eine durchgehende Doppelspur erstellt, im Bahnhof selber von drei auf zwei Stationsgleise reduziert. Zudem sind Anpassungen für die Gleisanlage Zufahrt Papierfabrik Utzenstorf nötig, die Brücke Dorfbach wird neu gebaut und der Bahnübergang Frechterstrasse aufgehoben.
Die Baustelle wird sich vom Industrieareal Carbagas bis zur Papierfabrik Utzenstorf erstrecken. Durch die veränderten Anforderungen im Güterverkehr werden auch dort nötige Anpassungen erfolgen. «Das Nutzungskonzept hat lange Schliessungszeiten der Bahnschranken zur Folge», erklärte der BLS-Leiter Bahnübergänge, André Schweizer, anhand einer Animation des Rangiervorganges. Aus diesem Grund sei die Aufhebung des Bahnübergangs Frechterstrasse geplant. Ansonsten wäre das Bahnhofprojekt nicht gesetzeskonform realisierbar. Die BLS hätte in den letzten sieben Jahren 110 Bahnschranken aufgehoben und damit für ihre Firma und für die Gemeinden beträchtliche Kosteneinsparungen gemacht. Diese Lösung bringe zahlreiche Vorteile, denn weiterhin seien alle Zugänge zu den Parzellen sichergestellt, eine kurvenarme Erschliessungsstrasse mit Asphaltbelag geplant und eine höhere betriebliche Flexibilität für weitere Cargo-Kunden möglich.

Gemeinderat steht hinter dem Umbau
Der Gemeindepräsident Markus Schütte erläuterte die Sicht des Gemeinderates, der hinter dem Umbau des Bahnhofes steht, jedoch mit der Aufhebung des Bahnübergangs Frechterstrasse nicht einverstanden ist. Zwar wäre diese Lösung finanziell interessant, doch der Übergang sei mit ungefähr 350 Querungen pro Tag stark genutzt und zudem Teil des Schulweges. Nach diesen Ausführungen kam die Wiler Bevölkerung zu Wort.
Zahlreiche Bürger waren aufgebracht, weil sie kein Mitspracherecht hätten. Neben diversen Abklärungen ihrerseits hätten sie über hundert Unterschriften gegen die Aufhebung gesammelt und diese an die BLS geschickt – keine Reaktion. Die Bevölkerung sei äusserst schlecht informiert und nicht angehört worden, was auch der Gemeinderat bestätigte. Lärmemissionen seien unzumutbar. Andere Anwohner schlugen vor, das Cargodrom als bestehende Infrastruktur zu nutzen, statt neue Gleise für den Güterverkehr zu erstellen. Sie erwähnten die Tatsache, dass lediglich zweimal pro Tag rangiert werde. Aufgebrachte Anstösser ärgerten sich über den Neubau der Strasse, die gleichzeitig Platz für Lastwagen, Auto, Traktoren und Fussgänger bieten solle und für den Langsamverkehr ein Risiko darstelle.
Die BLS-Verantwortlichen gaben auf die meisten Bedenken der Bewohner eine Antwort und konnten sich auf Rahmenvorgaben, gesetzliche Grundlagen und Umweltgesetze berufen. Einige Fragen müssen nachträglich abgeklärt werden. Fakt ist jedoch, dass die Kommunikation zwischen der Bevölkerung und der BLS erschwert ist. Die Wiueler sind enttäuscht und aufgebracht. Sie hätten mindestens zwei Varianten gewünscht.
Aktuell steht das Projekt laut BLS vor der Einreichung ins Plangenehmigungsverfahren. Dort wird es vom Bundesamt für Verkehr geprüft, beurteilt und vermutlich bewilligt werden. Die öffentliche Auflage, welche für Anfang 2017 erwartet wird, erfolgt mit Publikationen im Amtsblatt und im amtlichen Anzeiger. Ein Dossier geht dann an die Gemeinde Wiler zur Einsichtnahme durch die Bevölkerung. Betroffene haben danach die Möglichkeit, Einsprache zu erheben. Im besten Fall kann Anfang 2018 mit dem Bau gestartet werden. Gerechnet wird mit einer Bauzeit von ungefähr eineinhalb Jahren.
Trotz heftigsten Diskussionen und vielen Vorwürfen bedankte sich Bobak bei den Anwesenden für das Anhören seiner Erklärungen und hofft, schlussendlich eine akzeptable Lösung präsentieren zu können.

Helen Käser

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