Burgdorfer Jahrbuch 2017

  05.12.2016 Aktuell, Burgdorf, Kultur, Gesellschaft

An der Vernissage von vergangenem Sonntag stellt Trudi Aeschlimann kurz die Kapitel des neuen Jahrbuches vor, die wie immer ein breites Spektrum an Themen behandeln. Auch der 84. Band liest sich unterhaltsam und wird beim einen oder anderen Erinnerungen wachrufen. Ab sofort kann das Buch im Buchhandel oder direkt bei Haller & Jenzer AG bezogen werden; es eignet sich vorzüglich als Weihnachtsgeschenk.

Ofenkacheln mit Preislisten
Mit der ihr eigenen verschmitzten Erzählweise lädt sie die Anwesenden im «Schützenhaus» zur «Fuchsjagd» ein. Es handelt sich um ein satirisches Burgdorfer Gedicht im historischen Kalender «Der hinkende Bote» von 1824, auf das sie dank eines zufällig entdeckten Bildes an einer Brokante aufmerksam geworden ist. Auf der Rückseite des Blattes entdeckt sie die sieben letzten Strophen eines Spottgedichtes; den gesamten Text – wie jetzt publiziert – findet sie in der Bibliothek des Rittersaalvereins.
Was wir dem «Medium Kachelofen» an Wissenswertem entnehmen können, vermittelt Andreas Heege anhand zahlreicher Beispiele. Die Hafnerei Aeschlimann in Burgdorf fabriziert 1818 –1825 neben Meisterstücken und Leitungsrohren auch Ofenkacheln mit Lebensweisheiten, Preislisten und vielem mehr.
In einem Poesiealbum finden sich seit 1885 auf über hundert Seiten Gedichte, die während vieler Jahre von Mina Kneubühl selber stammen oder von Freunden und Bekannten ins Buch geschrieben worden sind.

Literaturskandal 1967
Das Buch «Gilgamesch» von Guido Bachmann ist in den Buchhandlungen frei käuflich, darf aber nicht an Jugendliche verkauft werden. Trotzdem führt es für Martin Schwander Anfang 1967 zum Rauswurf aus dem Burgdorfer Gymnasium. Erst im November 1966 hatten er und vier Gleichgesinnte die «Gruppe 67» gegründet, ein Forum für progressive Kunst. Nach zwei Lesungen treffen sich am 10. Januar 1967 35 Interessierte zur Lesung von Schriftsteller René E. Mueller. Bereits sind TV und Polizei mit von der Partie. In der folgenden Woche stellt Guido Bachmann – immer noch im gleichen Keller eines noch nicht bewohnten Hauses im Schlossmattquartier – sein Buch «Gilgamesch» vor. Schwander hat es bereits gelesen und anschliessend einigen Klassenkameraden zur Lektüre geliehen.
Nach vier Tagen werden die Gymnasiasten zu Rektor Leidig befohlen, verhört, auf ihr schamloses Verhalten aufmerksam gemacht und
Schwander wegen «Verbreitung pornografischer Literatur» des Gymnasiums verwiesen. Wochenlang berichten die Medien, vorab der «Blick», über den «Meinungsterror in Burgdorf». Beim Burgdorfer Tagblatt hagelt es Leserbriefe – pro und kontra. Max Frisch schickt Schwander einen aufmunternden Brief. Der Stadtbibliothekar Sergius Golowin, seit Langem eingesessenen Burgdorfern ein Dorn im Auge, zitiert den Jugendanwalt, gemäss dem sich «die Jugend sowieso zu extremen Kreisen wie Diggelmann und Golowin hingezogen fühlt». Schliesslich wird die Strafuntersuchung eingestellt und Schwander kehrt ans Gymnasium zurück.
Lesenswert ist auch die Maturaarbeit 2014 von Romina Stein über einen Schülerbesuch aus der Romandie sowie die «Burgdorfer Perspektiven», aktuelle Berichte der Museen und Kulturinstitutionen. Wie üblich beschliesst die Stadtchronik mit Nekrologen das Werk.Gerti Binz


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