Elektromobilität und Solarstrom im Fokus

Mo, 10. Apr. 2017

BURGDORF: Die Energiestadt Burgdorf und die Localnet AG organisieren am 20. Mai 2017 eine Ausstellung zum Thema «Elektromobilität und Solarstrom». Im Vorfeld waren die involvierten Branchenvertreter der Region Burgdorf/Emmental an die BFH zu drei Referaten und zum Networking eingeladen worden. ra

Die Energiestadt Burgdorf und die Localnet AG, Burgdorf, organisieren zusammen mit e’mobile, einer Fachgesellschaft von Electrosuisse, sowie mit zahlreichen weiteren Partnern am 20. Mai 2017 bei der Berner Fachhochschule Burgdorf eine Ausstellung zum Thema «Elektromobilität und Solarstrom». Im Vorfeld luden die Veranstalter die in das Thema involvierten Branchenvertreter der Region Burgdorf / Emmental an den Jlcoweg 1
ein. Diesen Info- und Netzwerk­anlass bereicherten die drei Referenten Urs Schwegler, e’mobile, Professor für Photovoltaik Urs Muntwyler, BFH Burgdorf, sowie Eike Johann, BKW, Bern. Elektromobilität und Solarstrom sind zwei wichtige Eckpfeiler der Energiestrategie des Bundes. Erdöl durch erneuerbare, einheimische Treibstoffe zu ersetzen, ist dabei ein Ziel. Zudem hat die Eigenverbrauchsoptimierung bei Besitzern von Photovoltaik-Anlagen hohe Priorität.

Batteriekapazität 60+ kWh
Urs Schwegler, Dipl. Ing. ETH / SVI und Projektleiter e’mobile, hatte sein Referat über die Elektromobilität in drei Bereiche unterteilt: Marktangebot, Marktnachfrage und Marktakteure. «Zu Letzteren gehören Sie alle in direkter oder indirekter Weise», wandte er sich an die zahlreichen Anwesenden im Saal. Batterie-Elektro-Autos BEV, Brennstoffzellen-­Autos FCV, Elektro-Autos mit Extended Range EREV (e-Autos mit Benzinmotor als Reichweitenverlängerung) und Plug-in-Hybrid-Elektro-Autos PHEV (können ab Steckdose geladen werden) stehen im Angebot. 2011 kam Mitsu­bishi als erster grosser Hersteller mit einem e-Auto auf den Markt. Danach ging es Schlag auf Schlag. Gegenwärtig finde eine Verlagerung hin zu PHEV statt. Vor allem die deutschen Autobauer setzten auf diese Technologie, liess Schwegler wissen. Eine rasante Entwicklung findet in der Batterietechnologie statt. «In den nächsten Monaten und Jahren kommen neue Elektro-Autos auf den Markt mit Batteriekapazitäten von 60 kWh und mehr (60+ kWh).» Das erste werde nicht das neue «Tesla Model C» sein, sondern der «Opel Ampera-e».  

7000 «Stecker»-Autos
«Im letzten Jahr haben wir etwa 7000 neue ‹Stecker›-Autos in der Schweiz eingeführt. Das entspricht bei 300 000 Neuwagen etwa zwei Prozent. Das ist noch nicht sehr viel. Wir sind erst am Anfang», so Schwegler. Der Hauptabsatz an Plug-in-PW findet in Westeuropa, in den USA, Japan, Kanada und China statt. «Was auffällt, ist die rasante Zunahme in China», liess der Referent wissen. Als Treiber in der Elektromobilität bezeichnete er unter anderem den Fahrspass, die CO2-Vorschriften für PW, die Energiewende sowie den Eigenverbrauch von Solarstrom. Als Hemmnisse führte er den Fahrzeugpreis (Batteriekosten), die begrenzte Reichweite, die Ladedauer, die Ungewissheit betreffend Ladetechnik, den bewährten Verbrennungsmotor und einige weitere Punkte mehr auf. «Die Zukunft der Elektromobilität ist offen, eine bessere Koopera­tion der involvierten Branchen nötig. Sie erhöht die Wirkung und spart Kosten», schloss er.

Disruptive Technologien
Urs Walter Muntwyler bildet an der BFH Studenten zu Elektroingenieuren aus, ist Professor für Photovoltaik, Leiter Photovoltaik-Labor BFH und Chair des Technical Collabora­tion Programms «Hybrid and Electric Vehicles» der internationalen Energie-Agentur IEA. Er referierte zum Thema «Photovoltaik und E-Mobile als disruptive Technologien». Disruptive Technologien sind neue Technologien, die die bewährten überflüssig machen. «12 TWh Photovoltaikstrom wott d Frou Leuthard mache. Das isch öppe grad 20 Prozänt im 2050. Mir si da bereits witer. Nach üs chönnt me das sicher bis 2035 mache», so Muntwyler. 1975 habe er sich erstmals für Photovoltaik interessiert. Damals habe man weltweit 40 kW Sonnenzellen produziert. Das seien zwei Drittel der Produktion der BFH-Anlage in Burgdorf. «Heute beträgt die Weltproduktion das 1,5-Millionen-Fache.»

Burgdorfer als Pioniere
Das erste Solarmobil-Rennen der Welt quer durch die Schweiz fand 1985 statt. «Wir haben die Solarmobile erfunden», so Muntwyler. «Später haben wir die netzgekoppelten Photovoltaikanlagen gefördert», ergänzte er. 1989 führte Burgdorf die kostendeckende Einspeisevergütung ein. «Burgdorf – PV-Capital of the World»: Dieses Transparent eingangs von Burgdorf im Stil Amerikas schwebt(e) Muntwyler vor. Sein Vorgänger Prof. Dr. H. Häberlin habe bereits 1993 eine PV-Anlage auf dem Jungfraujoch realisiert. Sie generiere einen sehr hohen Ertrag. Hochalpine Anlagen seien eine Möglichkeit für die Produktion von mehr Winterstrom. – Die Eigenverbrauchsoptimierung von Solarstrom nennt sich bei den BKW «Home Energy». Eike Johann brachte sie den Anwesenden näher. «Wir bieten den Kunden ein modulares Energiegesamtsystem an.» Die Steuerung ist das Herzstück. Sie verbindet Module und generiert neue Services. Eine Monitoring-App zeigt dem Kunden die Energieflüsse und die Energiebilanz auf. Strom, Wärme und Digitalisierung rücken näher zusammen. «Wie kann die E-Mobilität genutzt werden, um den Eigenverbrauch zu steigern?» ist eine der Fragen, die am 20. Mai 2017 bei der Ausstellung an der Berner Fachhochschule in Burgdorf gerne beantwortet wird.

Barbara Schwarzwald

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