Altersvorsorge 2020 im Gespräch

| Mo, 11. Sep. 2017

Burgdorf: Am Podium zur Abstimmung am 24. September diskutierten Nationalrat Corrado Pardini und Ständerat Roberto Zanetti mit Nationalrätin Christa Markwalder und Elias Maier, Parteipräsident der FDP Burgdorf. hkb

 

Am Anlass zum Thema Altersvorsorge 2020 folgte das interessierte Publikum den Voten der Gegner und Befürworter. Am Podium nahmen Nationalrat Corrado Pardini und Ständerat Roberto Zanetti auf der Pro-Seite teil, auf der Contra-Seite Nationalrätin Christa Markwalder und Elias Maier als Parteipräsident der FDP Burgdorf.
Als Einstieg ins Thema sprach Adrian Muster, BEKB, über die Bedeutung der AHV und über die Wichtigkeit, sich spätestens ab fünfzig Jahren Gedanken über die Pensionierung zu machen.
Unter kundiger Moderation des ehemaligen Bundeshausredaktors Georges Wüthrich kreuzten die engagierten und sachkundigen Redner danach die Klingen. In einem Punkt waren sie sich einig: Die Abstimmung über die Altersvorsorge 2020 ist eine der wichtigsten Abstimmungen der vergangenen Jahre. Zanetti betonte gleich zu Beginn, dass ein zweifaches JA ein erster Schritt zu einer nachhaltigen AHV-Sanierung sei. Es müssten weitere Schritte folgen, die den Veränderungen der Gesellschaft Rechnung trügen. Wenn jetzt nicht reagiert würde, sei die Verschuldung der AHV kaum mehr aufzuhalten.
Maier wehrte sich als junger Bürger für seine Rechte: «Wenn wir ein doppeltes JA einwerfen, so hat das finanzielle Auswirkungen auf uns Junge. Wir gehören nicht zu den 45-Jährigen, die eine Rentengarantie erhalten, müssen also mit Rentenkürzungen rechnen. Auch die 70 Franken werden vermutlich nicht mehr ausbezahlt, wenn ich ins Rentenalter komme. Ich rechne sogar mit einer Rentenalter-Erhöhung.» Darauf betonte Zanetti, diese Revision sei der erste Schritt der Reform und nicht der letzte. Die Erfahrung zeige, dass ungefähr alle zehn Jahre eine Reform stattfinde. Markwalder appellierte an die SP-Vertreter, dass sie bis jetzt verschiedene Revisionen mit ähnlichen Inhalten abgelehnt hätten.
Pardini bestätigte diese Aussage und bekräftigte, dass er als Gewerkschafter einige seiner Grundsätze für diese wichtige Sache ignorieren musste. Jede Partei, jeder Bürger und jede Bürgerin müssten bei dieser Revision Kompromissbereitschaft zeigen, denn die AHV sei ein wichtiger Pfeiler unserer Gesellschaft und dürfe keinesfalls aufs Spiel gesetzt werden. Die AHV soll ein Leben in Würde ermöglichen, auch nach der Pension.

Die Diskussion lief hitzig und die Referierenden zeigten grosses Sachwissen
Es bleibt jedoch unbestreitbar, dass Stimmvorlagen immer komplexer und schwieriger zu verstehen sind. So wurden Zahlen und Statistiken präsentiert und diskutiert. Die einen betonten, die heutigen Rentner seien die Verlierer, die andern erklärten, dass deren Renten stabil blieben und nicht nach dem tieferen Umwandlungssatz berechnet würden. Nur diejenigen, die ihre Rente mit Einbussen in der Pensionskasse erhalten, bekämen von der AHV zusätzlich jeden Monat als Einzelpersonen 70 Franken oder den Ehepaarzuschlag. Die FDP-Vertretenden bekämpften diese Rentenanpassung mit dem Argument, eine Rentenerhöhung sei in einer finanziellen Krise nicht angebracht. Die Jungen müssten später die Zeche bezahlen. Darauf ergänzten die SP-Vertreter, dass die Rente aufgrund des Umwandlungssatzes in der zweiten Säule von 6,8 auf 6,0 Prozent tiefer ausfalle. Der monatliche Zuschlag sei lediglich eine kleine Verbesserung.
Bei der neuen Vorlage gab auch die Erhöhung der Mehrwertsteuer (MwSt.) um 0,3 Prozentpunkte zu reden, die bis jetzt in die IV flossen und nun vollumfänglich der AHV zugutekommen sollen. Ab 2021 würde die Mehrwertsteuer um weitere 0,3 Prozentpunkte erhöht, was jährlich zwei Milliarden Franken an Mehreinnahmen ausmacht. Wird die Abstimmung abgelehnt, gehen jährlich mehrere Milliarden Franken der Kasse verloren, sagt die SP. Und Maier kontert, er müsse als Junger auch hier die Zeche bezahlen, nämlich die höhere Mehrwertsteuer. «Und wer hat euch Jungen euer Leben bis jetzt finanziert, Schulen, Universitäten und vieles mehr?», meinte Pardini lakonisch. «Jeder und jede muss seinen Beitrag leisten für das Fundament unserer Gesellschaft. Es geht hier um Solidarität.»
Beim Rentenalter der Frauen, das auf 65 Jahre angehoben werden soll, mussten die SP-Vertreter über ihren eigenen Schatten springen. Zanetti meinte: «Wenn die AHV ein Brunnen wäre und das Geld, das hineinfliesst das Wasser, so müsste bei einem stärkeren Wasserabfluss (geburtenstarke Jahrgänge gehen in Pension) der Wasserhahn aufgedreht werden, es muss mehr Geld hineinfliessen. Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die AHV als Solidaritätsfonds zu erhalten.»
Es entstand der Eindruck, dass jeder und jede das Haar in der Suppe sucht, anstatt selber zum Wohle des Ganzen ein wenig Haar zu lassen.
Die Diskussionen gingen beim anschliessenden Apéro weiter und bewiesen einmal mehr, dass Menschen unterschiedlicher Ideen und Vorstellungen auch nach hitzigen Gesprächen wieder einen Konsens finden – hoffentlich auch in Sachen AHV.
Helen Käser

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