banner

Das «Tech» geht, ein Bildungscampus kommt

| Mo, 19. Feb. 2018

Das Technikum in Burgdorf schliesst seine Tore. Geplant ist an dessen Standort eine Erweiterung des Gymnasiums Burgdorf, das schon lange über akute Platznote klagt. Aus den beiden Arealen soll in Zukunft ein «Bildungscampus Burgdorf» entstehen. red

Viele Jahre haben sich die Burgdorfer Behörden und interessierte Wirtschaftskreise für den Erhalt der Berner Fachhochschule (BFH) in den mehrfach erweiterten Gebäuden des Technikums auf dem Gsteig eingesetzt. Schliesslich kann ein Kompromiss gefunden werden, der in Burgdorf als «Spatz in der Hand» empfunden wird. Zwar zieht die Fachhochschule im Gsteig aus, doch an ihrer Stelle zieht die Technische Fachschule (TF) – im Volksmund «Lädere» genannt – in die frei werdenden Räume ein.

Neuer Bildungscampus
Seit Jahren klagen die Verantwortlichen des Gymnasiums Burgdorf, das sich nur wenige Schritte neben dem «Tech»-Hauptgebäude auf dem gegenüberliegenden Areal befindet, über akute Platznot. Die heutigen Lehr- und Lernmethoden benötigen mehr Raumfläche. Es ist vorgesehen, diese beiden Areale zu einem «Bildungscampus Burgdorf» zu verschmelzen. Deshalb hat der Berner Regierungsrat eine Vorstudie in Auftrag gegeben, um die Eckpunkte des geplanten Bildungs­campus festzulegen.
In der vom Amt für Grundstücke und Gebäude des Kantons Bern in Auftrag gegebenen Vorstudie haben die Fachleute die Flächenbedürfnisse der beteiligten Schulen erhoben und die Möglichkeiten für gemeinsame Raumnutzungen geprüft, wie Anfang Jahr an einer Info-Veranstaltung für die Nachbarn auf dem Gsteig ausführlich dargelegt worden ist. Zu einem Problem geworden sind im Lauf der Jahre fehlende Arbeitsplätze für Lehrpersonen, Schülerschaft, fehlende Unterrichts- und Spezialräume und diese sind, wenn vorhanden, heutzutage zu klein.

Synergien nutzen
Die weiteren Projektschritte für die geplanten Um- und Neubauten für den Bildungscampus basieren auf dieser Vorstudie und diese dient als Grundlage für den Architekturwettbewerb, der im April 2019 ausgeschrieben wird. Die Bauverantwortlichen rechnen mit einem Baustart für den Bildungscampus circa Mitte 2024. Wenn nichts gravierend Unvorhergesehenes eintritt, sollte der Bildungscampus Mitte 2026 bezugsbereit sein.
Schon jetzt ist vorgesehen, künftig Aula, Mensa, Turnhallen und Sportanlagen gemeinsam zu nutzen. Zusätzlich entsteht am Jlcoweg ein sogenanntes LecLab in Kooperation von TF und BFH (diese Zeitung berichtete wiederholt).

Burgdorf überzeugt als Standort
Für die Burgdorfer ist es von grossem Interesse, wie sich Gymnasium und Technikum nach Beendigung aller vorgesehenen Um- und Neubauten präsentieren werden. Es ist vor allem für die «Alteingesessenen» von Bedeutung, dass von den damaligen Zeitzeugen des ausgehenden 19. Jahrhunderts so viel wie möglich erhalten bleibt, als das «kleine und unbedeutende Emmentaler Städtchen Burgdorf» die beiden Konkurrenten Bern und Biel als Standort für das neue Technikum ausgestochen hat. Am 26. Oktober 1890 beschliesst der Kanton Bern die Gründung einer «Kantonalen höheren Gewerbeschule unter dem Namen Technikum», wie dem Landband I «Die Kunstdenk­mäler des Kantons Bern» zu entnehmen ist. Burgdorf willigt ein, die Hälfte der Bau- und Einrichtungskosten sowie einen Drittel der Betriebskosten zu tragen.
Es ist schwierig, die unter verschiedenen Gesichtspunkten am besten geeignete Stadt auszusuchen. Am 11. März 1891 stimmt der Grosse Rat per Stimmzettel ab. Bern erhält 63 Stimmen, Biel und Burgdorf je 91. Im zweiten Wahlgang siegt Burgdorf mit 135 Stimmen über Biel mit 112. Dieser Entscheid löst in Burgdorf grosse Freude und Begeisterung aus: «Burgdorf die Schulstadt.» Kurz darauf erfolgt der Zuschlag für Burgdorf, im April 1892 startet der Unterricht, Anfang 1894 kann der Neubau bezogen werden. Das «Tech» erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Die Studenten melden sich zahlreich an, 1913 wird der erste Erweiterungsbau bezogen.
Während Burgdorf 1891 die Städte Bern und Biel als Standorte ausgestochen hat, bedauern nicht wenige Emmentaler den Umstand, dass Biel nach 131 Jahren doch noch die begehrten Studiengänge erhält.

Historische Bausubstanz erhalten
Der Zeitplan für die Um- und Neubauten sieht vor, nach dem Auszug der Berner Fachhochschule im Jahr 2022 mit den Sanierungsarbeiten an den denkmalgeschützten «Tech»-Gebäuden zu beginnen. Diese dienen dem Gymnasium als Ausweichmöglichkeiten, wenn ab Mitte 2024 die Bauarbeiten am Bildungscampus in Angriff genommen werden. Auf die Frage nach dem Aussehen des künftigen Bildungscampus können die Verantwortlichen am Infoabend nur in «sehr groben Zügen» Auskunft geben: «Die ‹Lädere› wird das Gsteig-Areal belegen. Wie bereits erwähnt werden die historischen ‹Tech›-Gebäude saniert, ein Werkstättentrakt sowie Räume für Unterricht und Administration gebaut.»
Derzeit ist die Technische Fachschule noch in Bern in der Lorraine und der Felsenau angesiedelt. Im Angebot stehen Lehren in Maschinenbau, Elektronik, Informatik, Innenausbau, Metallbau und Spenglerei. Aus diesem Grund ist der Bau einer Werkhalle auf dem «Tech»-Areal vorgesehen. Am Infoabend erfährt das Publikum etwas eher Seltenes: Die TF hat sich auf Ausbildungsplätze spezialisiert, die auf dem Lehrstellenmarkt eher spärlich oder gar nicht zu finden sind: für Jugendliche, die Mühe bei ihrem Eintritt ins Berufsleben zeigen, für leistungsstarke Jugendliche (technische Ausbildung inkl. Berufsmaturität) oder für Leistungssportler/innen.

Gesamtbild im Blick
Die neu auf dem Gsteig-Areal zu erstellenden Gebäude unterliegen Höhenbeschränkungen, um das Gesamtbild der historischen Gebäude so weit wie möglich zu schonen. Auf dem Baufeld der TF dürfen sie höchstens bis an die Dachrinne der historischen «Tech»-Gebäude heranreichen, was maximal vier Geschosse ausmacht. Richtung Pestalozzistrasse müssen drei Geschosse ausreichen, das vierte ist zurückzuversetzen. Auf dem Baufeld des Gymnasiums darf höchstens dreigeschossig gebaut werden, zu den Nachbarparzellen hin nur zweigeschossig. Auch hier muss das dritte Geschoss zurückversetzt werden.
Die Baubewilligung für das Provisorium des Gymnasiums ist bis 2023 befris­tet. Sollte der «Gym»-Erweiterungsbau bis dahin nicht fertig sein, muss eine Verlängerung um zwei Jahre beantragt werden. Später ist der Abbruch des Provisoriums vorgesehen.
Die denkmalgeschützten Gebäude von Technikum und Gymnasium bleiben also definitiv erhalten. Das Gleiche gilt für die Baumallee, die Wiese und den Panoramaweg. Auf dem «Gym»-Areal werden die historischen Baumbestände und das bestehende Spielfeld nicht angetastet.
Die gemeinsam genutzten Gebäude werden ebenfalls auf dem Gsteig-Areal neu errichtet. Weiter ist vorgesehen, wegen der gestiegenen Platzbedürfnisse des Gymnasiums auf dem städtischen Areal einen Erweiterungsbau zu errichten.

Gerti Binz

Neuen Kommentar schreiben

CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und automatisiertem Spam vorzubeugen.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses