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Matthias Sempach wird in die Geschichte des Schwingsports eingehen

| Mo, 13. Aug. 2018

UTZENSTORF: Am vergangenen Freitag verkündete Schwingerkönig Matthias Sempach an einer Pressekonferenz in der Arena des Bernisch Kantonalen Schwingfests in Utzenstorf seinen sofortigen Rücktritt als Aktivschwinger. Der sympathische Alchenstorfer beendet seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen.

Matthias Sempach hatte in letzter Zeit immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Im Mai dieses Jahres erlitt er am «Mittelländischen» einen Bandscheibenvorfall zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel. Nachdem er bei seinem Comeback am «Innerschweizerischen» den Kranzgewinn verpasste, bekundete er erneut gesundheitliche Probleme. Diagnostiziert wurde erneut ein schwerer Bandscheibenvorfall zwischen dem fünften und sechsten Halswirbel. Auf Anraten seines Vertrauensarztes zog Sempach nun die Konsequenzen: Um weitere körperliche Schäden und die Sportinvalidität zu vermeiden, beendet er seine fantastische Karriere. In einem emotionalen Statement, in dem er mit den Tränen rang, erklärte der König: «25 Jahre lang lebte ich für den Schwingsport und ordnete diesem vieles unter. Angesichts der erneuten Bandscheibenprobleme wäre es mir wohl nicht mehr möglich gewesen, den Sport auf dem bisherigen Niveau auszuüben. Ich hatte noch grosse Ziele und wäre gerne 2019 am ‹Eidgenössischen› in Zug angetreten. Nun ist es aber an der Zeit, auf mein Körpergefühl zu hören. Ich will meine Gesundheit nicht riskieren und freue mich auf das Leben nach dem Spitzensport.»
Matthias Sempach will sich nun Zeit nehmen, um seine Zukunft zu planen. Zu seinen Träumen gehörte es immer, Schwingerkönig zu werden und einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb zu führen. Das erste Ziel hat er erreicht – nun kann er sich in aller Ruhe auf die Verwirklichung seines zweiten Traums fokussieren. Das Schwingen bleibt nach wie vor Bestandteil seines Lebens – für den Schwingklub Kirchberg, dem er seit 25 Jahren angehört, will er sich weiter engagieren.

«Mätthu» eroberte die Herzen des Publikums im Sturm
Mit dem höchst professionellen und technisch versierten Alchenstorfer verlässt einer der bedeutendsten Identifikationsfiguren des Schwingsports die Sägemehl-Arena. Sein sympathisches und bescheidenes Auftreten, sein Fleiss, seine Willensstärke und seine Selbstdisziplin machten Sempach zu einem Vorbild für den Schwinger-Nachwuchs. Mit seinem Teamgeist und seiner kollegialen Art erwies er sich als eine wichtige Stütze für den Bernisch Kantonalen Schwingerverband. Der gelernte Landwirt und Metzger beherrschte ein riesiges Repertoire an Schwüngen und verstand es, «Kopfstich», «Gammen», «Brienzer», «Übersprung» und «Kurz» stets im richtigen Moment einzusetzen. Sein attraktiver Schwingstil und sein athletisches Auftreten trugen viel zur Popularisierung des Schwingsports bei. «Mätthu» eroberte die Herzen des Publikums im Sturm und wurde stets von einer grossen und treuen Fangemeinde unterstützt. Dies zeigte sich auch bei seinem Auftritt am Sonntag in der Arena in Utzenstorf, als er vom Publikum frenetisch verabschiedet wurde.

Beeindruckende Erfolgsbilanz
Der Leistungsausweis von Matthias Sempach ist äusserst beeindruckend. Zu seinen grössten Erfolgen zählen der Sieg am «Eidgenössischen» 2013 in Burgdorf und der Triumph am Kilchberger Schwinget im Jahr 2014. Der Emmentaler gewann in seiner Karriere 36 Kranzfeste und dominierte auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit die Konkurrenz. In den Jahren 2012, 2013 und 2014 wurde er zum Schwinger des Jahres gekürt. All diese Erfolge kann Matthias Sempach niemand nehmen, sie bleiben unvergessen. Er wird als einer der ganz «Bösen» in die Annalen des Schwingsports eingehen. Angesichts seines Rücktritts bleibt nur Folgendes zu sagen: «Mätthu, es war eine schöne Zeit – wir werden dich vermissen!»

Interview mit Matthias Sempach
«D’REGION»: Mätthu, für einen Profi­sportler ist es immer schwierig, den idealen Zeitpunkt für den Rücktritt zu finden. Kaum jemand beendet seine Karriere auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit. Wie beurteilst du dein Timing?
Matthias Sempach: Natürlich hätte ich mir einen anderen Abschied gewünscht. Es wäre am Schönsten gewesen, die Schwingerhosen nach einem grossen Sieg an den Nagel zu hängen. Allerdings habe ich mir absolut nichts vorzuwerfen. Rückblickend würde ich alles nochmals genau gleich machen. Ich bin äusserst zufrieden mit allem, was ich in meiner Karriere erreicht habe.

«D’REGION»: Du hast schon seit längerer Zeit mit Rückenproblemen zu kämpfen. Zahlt der Körper nun den Tribut für die jahrelange Belas­tung?
Matthias Sempach: Grundsätzlich fühle ich mich körperlich gesund und fit. Schwingen als Spitzensport beinhaltet sieben bis acht Trainingseinheiten pro Woche mit extrem hohen Gewichten. Hinzu kommt das Training im Sägemehl, das nichts für Zartbesaitete ist. Das geht nicht spurlos an einem vor­über. Ich bin allerdings überzeugt, dass ich in Zukunft beschwerdefrei leben kann und die Rückenprobleme in den Griff bekomme.

«D’REGION»: Dein Tagesprogramm als Spitzenathlet war äusserst dicht gedrängt. Hast du keine Angst, nach deinem Rücktritt als Aktivschwinger in ein Loch zu fallen?
Matthias Sempach: Keineswegs. Wichtig ist, dass ich mir neue Ziele setze. Als Vater von zwei Kindern wird mir ganz bestimmt nicht langweilig. Ich freue mich darauf, die Zeit mit meiner Familie und meinem Umfeld zu geniessen und bin froh, nun ein wenig mehr Freiheit zu haben. Künftig wird sich nicht mehr alles um das Schwingen drehen.

«D’REGION»: Welches war rückblickend der emotionalste Moment in deiner Karriere?
Matthias Sempach: Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2013 und der Gewinn des Königstitels markierten den Höhepunkt meiner Karriere. Die sieben gewonnenen Gänge, dann das entscheidende Duell gegen Christian Stucki, dessen freundschaftliche Geste, als er auf dem Rücken lag, die Siegerehrung, bei der ich den Muni «Fors vo dr Lueg» in Empfang nehmen durfte, und der herzliche Empfang, den mir die Gemeinde Alchenstorf am darauffolgenden Tag bereitete – diese Momente bleiben mir in bester Erinnerung.

«D’REGION»: Wird man dich, Mätthu, auch im hohen Alter mit einem Gehstock auf den Tribünen der Schwingfeste antreffen?
Matthias Sempach: Selbstverständlich, denn es gibt nichts Schöneres, als mit guten Freunden ein Schwingfest zu besuchen und die einzigartige Atmosphäre zu geniessen. Allerdings hoffe ich, nie einen Gehstock zu benötigen…

Markus Hofer

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