Zeitloser Blick in den Spiegel

| Mo, 25. Feb. 2019

BURGDORF: Die Theatergruppe Burgdorf lässt das Publikum mal überrascht oder gespannt, aber stets amüsiert das zeitlose Spiel mit Hochmut, Verdacht und Ängsten erleben. zvg

 

Die Komödie «Die Affäre Rue de Lourcine» von Eugène Labiche wurde im März 1857 in Paris uraufgeführt und hat bis heute nichts von ihrer humoristisch servierten Aussagekraft verloren. Heute wie damals gelten in der Öffentlichkeit und bezüglich der sorgsam polierten Fassade vielfach andere Moralvorstellungen und Werte als hinter geschlossenen Türen und mit Blick auf gewisse Geschäfte.
Die Laiendarsteller der Theatergruppe Burgdorf bewältigen ihre anspruchsvollen Herausforderungen von Text und Gesang – an der Gitarre Hansjörg Brodbeck – mit Bravour. Vor allem die zwei gestandenen Männer, von denen der mit den schlechten Lyzeumsnoten der erfolgreiche Unternehmer Lenglumé (Ruedi Schütz) und der Primus in Latein nur der Küchenchef Mistingue (René Schärer) geworden ist, ernten beim Publikum immer wieder spontanes Gelächter. Obwohl man den Lacher bisweilen zurücknehmen will. Beide bluffen, lügen, heucheln und hochstapeln, was das Zeug hält, zeitlos wie 1857 und 2019.
Auch Norine, die überaus distinguierte Gattin von Lenglumé (Debra Marti) hält den Diener Justin (Toni Kunz) mit pausenlosen Aufträgen auf Trab. Wie im wirklichen Leben findet die Die­nerschaft auch hier Mittel und Wege, um ein wenig von den Brotkrumen auf dem reich gedeckten Tisch abzustauben. Die Krankenschwestern (Therese Alchenberger und Gina Brutschi) greifen bei Bedarf ein, räumen auf und lassen verschwinden.
Und wenn schon alle so vornehm und makellos sind, bleibt der Griff nach fremdem Geld auch hier nicht aus. Teils aus eigenem Antrieb, weil ein Fehler passiert ist, teils als Bestechungsversuch nach einer durchzechten Nacht und dem Aufkommen eines schrecklichen Verdachts. Der vermutete Sündenfall macht weitere Schreckenstaten nötig, das Gewissen bleibt auf der Strecke. Der Schluss sei nicht verraten, aber auch im Alltag stirbt die Hoffnung zuletzt.

Gerti Binz

Weitere Aufführungen:
Mittwoch, 27. Februar, 6. März; Freitag, 1. und 8. März; Samstag, 2. und 9. März 2019, je 20.15 Uhr. Sonntag, 3. März 2019, ausverkauft, Sonntag, 10. März, 16.00 Uhr, Dernière, Theater Z Burgdorf, Hohengasse 2. Vorverkauf: www.tipo.ch/lourcine.

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