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Die Gefahr ist gross und allgegenwärtig

| Mi, 19. Jun. 2019

UTZENSTORF/BÄTTERKINDEN: Die Arbeiten der Baustelle Emmeschache/Urtenensumpf laufen planmässig und das Interesse der Bevölkerung ist gross. Viele negieren aber die drohende Gefahr, welches durch das Betreten der Baustelle entstehen kann. zvg

Hans Peter Oberhänsli ist als Vertreter seiner Wohnsitzgemeinde Lyssach im Vorstand des Schwellenverbandes bestens über die Situation auf der Baustelle Emmeschachen/Urtenensumpf informiert. «Der Spatenstich erfolgte vor gut zwei Monaten», führt er aus. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund sechs Millionen Franken. Ziemlich sicher kann das Budget eingehalten werden, desgleichen der Zeitplan.

Wenige Unterbrüche wegen Hoch­wasser
«Wenn wir weiter so gut vorwärts kommen wie bisher, sieht es gut aus. Wir hatten bis heute wenige Unterbrüche, die jeweils auf hohe Wasserstände in der Emme zurückzuführen waren. Dann können die Baumaschinen nicht eingesetzt werden respechtive nicht von einem Ufer zum anderen traversieren. Die Emme reisst dann zu fest beziehungsweise kann Löcher in der Flusssohle auswaschen, in die eine Baumaschine fahren und umstürzen kann. Im Bereich der Gemeinden Utzenstorf / Bätterkinden revitalisieren wir die Emme im Zuge des laufenden Projektes. Zudem errichten wir einen Damm, damit der Emme mehr Platz gegeben wird. Derzeit laufen die Schüttarbeiten für den Damm. In diesem Bereich musste zuerst gerodet, die Baumstrünke entfernt und der Humus seitlich gelagert werden. Jetzt können die Arbeiter den Damm aufbauen, wobei auf die laufenden wechselnden Wetterbedingungen Rücksicht zu nehmen ist.»

Tausende Kubikmeter Erdreich bewegt
Der Damm benötigt verschiedene Dichteschichten, so auch leicht durchlässige Entlastungsschichten, die ein reduziertes Durchfliessen des Wassers ermöglichen. «Bisher wurden circa 4 bis 5000 Kubikmeter Erdreich geschüttet», fährt Oberhänsli fort. Das Material kann auf der Bätterkinder Seite der Emme gewonnen werden, wo eine Teil des Ufers abgebaut und mit einem riesigen Dumper über die Emme transportiert und im Dammbereich wieder eingebaut wird.
Die ursprüngliche Idee war, komplett mit Material vor Ort die Bauarbeiten auszuführen. «Aufgrund von geotechnischen Abklärungen waren wir zuerst davon ausgegangen, dass das passende Dichtungsmaterial in ausreichender Menge vor Ort verfügbar wäre. Leider hat sich herausgestellt, dass nur an der geprüften Stelle und in kleinem Umkreis ideales Material vorhanden war, weshalb wir auch – in kleinerer Menge – solches zuführen mussten», erklärt Oberhänsli.
Inzwischen ist auf Bätterkinder Seite «bereits ein grosses Loch entstanden, aus dem Material über die Emme geführt worden ist. Hinter diesem Loch werden wir mit grossen Steinblöcken von 1,5 bis 4 Tonnen Gewicht einen Schutz für einerseits den dahin liegenden Weg erstellen und andererseits den dahinter liegenden Kanal sichern.»

Unerwünschte Neophyten
Bereits im Vorfeld der Bauarbeiten sind Neophyten (japanischer Knöterich, ein schlimmes Unkraut) entdeckt worden, was den Bauverantwortlichen zusätzliche Sorgen bereitet hat. Invasive Neophyten – davon gibt es in der Schweiz 45 Arten – sind gebietsfremde Pflanzen, die sich sehr effizient ausbreiten, ein grosses Expansionsvermögen haben und sehr konkurrenzfähig sind. Die gebietsfremden Pflanzen richten Schäden an und verdrängen oft die einheimische Flora, einige Arten beeinträchtigen die Gesundheit von Mensch und Tier, verursachen ökonomische Schäden, haben Einfluss auf Bauten, die Land- und Forstwirschaft, entlang von Verkehrswegen usw. Diese entdeckten Neophyten-Wachstumsbereiche sind mit Markierungsstöcken gekennzeichnet und jeden Monat von einer Equipe über Boden von den Pflanzen befreit worden. Das dortige Erdreich muss bis auf eine Tiefe von 1,5 Metern ausgehoben und in eine spezielle Deponie weggeführt werden, da schon kleinste Wurzelreste für erneutes Wachstum sorgen.

Die Gefahren sind vorhanden
Oberhänsli kommt auf die Gefahren auf der Baustelle zu sprechen, die vielen Neugierigen einfach nicht bewusst sind: «Der riesige Dumper und die grossen Baumaschinen fahren die steile Emme-Böschung relativ schnell hinauf. Der Fahrer kann mit diesem ‹Blick in den Himmel› keinesfalls sehen, ob sich auf dem abgesperrten Wanderweg seitlich der Emme trotzdem ein Zuschauer vor ihm befindet. Wir haben die gesamten Wege im Bereich der Baustelle abgesperrt, die Wanderwege mit offiziellen Schildern der Institution Wanderwege umgeleitet und teilweise Gittersperren angebracht.» Alles hilft nichts; auch bei der Begehung der Baustelle mit der Journalistin befinden sich wieder Fussgänger im gefährdeten Bereich.
«Wenn sich also eine erwachsene Person, ein Kind oder ein Hund in diesem Bereich befindet, kann der Fahrer niemanden und nichts erkennen. Das vergessen die Unverbesserlichen. Eigentlich sollte der Hinweis ‹Betreten der Baustelle verboten› für alle verständlich sein. Neben der eingeschränkten Sicht beim Befahren des Emme-Ufers besteht auch Gefahr durch herunterfallende Steine von beträchtlicher Grösse vom Dumper oder anderen Baumaschinen oder durch das Fortspicken von heruntergefallenen Steinen bei der Durchfahrt eines solchen Gefährtes. Ein zur Seite treten langt einfach nicht für die Sicherheit», gibt Oberhänsli zu bedenken. Gar kein Verständnis hat er für das Zerstören oder Niederreissen von Gitterabsperrungen. «Ich habe selber gesehen, wie eine Gruppe Velofahrer ihre Räder über die Gitter gereicht und diese dann überklettert hat und weitergefahren ist.»

Temporäre Flussbettdämme
Wenn in einer späteren Bauphase vom Urtenenbach Richtung Bätterkinden der gesamte Blockverbau neu erstellt werden muss – heute befinden sich dort nur Reste von eingeschlagenen Eisenbahnschienen mit recht viel vermodertem Holz – muss die Emme für diese Arbeiten «weggedrückt» werden, um möglichst im Trockenen arbeiten zu können. Dafür werden temporäre Dämme von 1,5 bis 2 Metern Höhe erstellt, hinter denen gearbeitet wird. Diese können nach Fertigstellung abgebaut oder dem Fluss zum Abtragen überlassen werden, während anschliessend die nächsten Baudämme errichtet werden.
«Demnächst starten wir auch mit der Renaturierung vom Grundbach», fährt Oberhänsli fort. «Dieser Bach führt Grundwasser vom gesamten Gemeindegebiet Utzenstorf ab, ist sehr schön, aber auch knallhart begradigt. Den versuchen wir mit verschiedenen Massnahmen wie eingebauten Wurzelstöcken, Bachbiegungen und anderem zu renaturieren beziehungsweise zu verschönern und dem ursprünglichen Verlauf wieder anzupassen. Dafür ist abwechselnd beidseitig des Baches geholzt worden, um Windungen oder Uferausflachungen zu realisieren.»
In diesem Zusammenhang erinnert sich Oberhänsli an eine Begebenheit, wo sich die Renaturierung eines Wasserlaufes als überaus erfolgreich für den Fischbestand erwiesen hat: «Im Bereich der Emme bei Alchenflüh musste eine unterspülte Uferverbauung erneuert werden. Also wurde ein Flussdamm errichtet. Vor Beginn der Arbeiten wurde wie üblich ausgefischt und auf einer Länge von 100 Metern drei bis fünf Fische gefangen. Als zwei Jahre später eine Nachkontrolle mit erneutem Ausfischen durch den Fischereiaufseher stattgefunden hat, wurden 53 Fische (Groppen, Forellen usw.) auf die gleiche Flusslänge gezählt. Die neuen Unterschlüpfe durch Holzverbauungen usw. haben sich als angemessen für die Fischpopulation erwiesen.»

Gerti Binz

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